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Rechte Grüsse aus Kreuzlingen: Holocaust-Leugner
im Thurgau gemeldet

Bernhard Schaub hat angeblich eine Wohnung in Kreuzlingen, mischt aber die rechte Szene in Deutschland auf. Von 1996 bis 1998 arbeitete er für die Migros Klubschule in Frauenfeld.
Ida Sandl
Bernhard Schaub auf einer Kundgebung im Februar 2017 in Dresden. (Bild: Antifaschistisches Nachrichtenportal Niedersachsen)

Bernhard Schaub auf einer Kundgebung im Februar 2017 in Dresden.
(Bild: Antifaschistisches Nachrichtenportal Niedersachsen)

Er ist wieder da. Vielleicht war er auch nie weg: Bernhard Schaub, 64 Jahre alt, bekennender Holocaust-Leugner, gebürtiger Berner, ehemaliger Lehrer. Dieser Mann ist in Kreuzlingen gemeldet, bestätigt das Einwohnermeldeamt der Stadt. Nähere Auskünfte dazu gibt es nicht – mit Verweis auf den Datenschutz.

Schaub soll in einer 1-Zimmerwohnung, vis-á-vis des Bahnhofs, leben und in der Schweiz AHV beziehen. Das hat die Wochenzeitung «WoZ» einem Schreiben Schaubs an das Amtsgericht Dresden entnommen. In dem Schreiben erhebt er Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung.

Gutsherr im Osten oder AHV-Bezüger?

Schaub ist im rechten Spektrum in Deutschland ein gefragter Redner. Den Strafbefehl eingebrockt hat ihm ein Auftritt im Februar 2017. Da soll er bei einer Kundgebung in Dresden den Holocaust geleugnet und zum Hass gegen die in Deutschland lebenden Juden aufgestachelt haben. Sein rechtes Gedankengut verbreitet er aber auch gerne auf Youtube. Eines der Videos zeigt ein ausführliches Interview mit ihm, das vor drei Monaten ins Netz gestellt wurde. Es zeigt Schaub in einem idyllischen Garten, angeblich auf seinem Hof in Mecklenburg-Vorpommern. An der Hand führt er zwei weisse Pferde. Neben dem Gut liege das grösste Moorgebiet Europas, schwärmt er und alle würden sie reiten, die ganze Familie. Also ein ziemliches Kontrastprogramm zur 1-Zimmer-Wohnung an einer befahrenen Strasse im Zentrum von Kreuzlingen.

Schaub bezeichnet sich als «freischaffender Redner, Buchautor und rechter Aktivist». Ursprünglich war er Lehrer für Deutsch und Geschichte an der Rudolf-Steiner-Schule in Adliswil (ZH). Dann hat er sein Büchlein «Adler und Rose» im eigenen Konradin-Verlag herausgebracht. Darin leugnet er die Massenvernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Verharmlosend sagt Schaub, er habe «nur beiläufig ein paar Fragen gestellt», dann sei die Medienhetze losgegangen. Die Schule hat ihn fristlos entlassen.

In Berlingen wollte er eine Schule gründen

Nach seinem Rauswurf versuchte Schaub in Berlingen, seine eigene Schule zu eröffnen. Ziel der Konradin-Schule soll «das Hochhalten der deutschen Kultur» sein. Doch der Versuch misslingt. Dafür findet Schaub eine Stelle bei der Migros-Klubschule in Frauenfeld. Von 1996 bis 1998 sei er dort angestellt gewesen, sagt Migros-Sprecherin Natalie Brägger. Er sei zuständig gewesen für die Bereiche «Freizeit & Gestaltung» sowie «Wellness & Sport». «Aufgrund seiner Äusserungen und Aktivitäten, welche die Migros in keiner Weise toleriert, wurde er damals entlassen.»

«Staatlich bezahlter Rechtsextremer»

Seitdem soll er keiner bezahlten Arbeit mehr nachgegangen sein. Nach einem Abstecher nach Dornach kehrt Schaub 2003 zurück nach Kreuzlingen. «Ich bin Sozialhilfeempfänger, ich bin staatlich bezahlter Rechtsextremer», soll er gesagt haben. So einfach sei es nicht, staatliche Gelder abzuschöpfen, widersprach der damals für die Kreuzlinger Sozialhilfe zuständige Stadtrat in der «Kreuzlinger Zeitung». Die Stadt habe genug Möglichkeiten Menschen ohne Job in Arbeitsprojekte einzubinden.

Jetzt soll Schaub also wieder in Kreuzlingen wohnen. Die «WoZ» mutmasst, er wolle die deutsche Justiz mit einem Schweizer Briefkasten in die Irre führen. Aber so einfach dürfte das nicht sein. Ein Rechtshilfeersuchen aus Deutschland liege bisher beim Bundesamt für Justiz nicht vor, sagt Informationschef Folco Galli. Als Schweizer Staatsbürger müsste Schaub normalerweise keine Auslieferung fürchten. Vor einer Strafverfolgung schützt ihn dies aber nicht unbedingt. Denn Deutschland könnte die Schweiz um stellvertretende Strafverfolgung ersuchen. Völkermord oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu leugnen, ist auch hierzulande strafbar.

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