Hoffnungsträger für den Eissportclub Frauenfeld

Lukas Britschgi ist im Schweizer Eiskunstlauf eine feste Grösse. Der Schaffhauser, der für den ES Frauenfeld startet, peilt an den nationalen Titelkämpfen vom Wochenende in Wetzikon einen Podestplatz an.

Urs Nobel
Drucken
Teilen
Lukas Britschgi bezeichnet sich nicht als Naturtalent, dafür als harter, ehrlicher Arbeiter auf dem Eis. (Bild: zvg)

Lukas Britschgi bezeichnet sich nicht als Naturtalent, dafür als harter, ehrlicher Arbeiter auf dem Eis. (Bild: zvg)

Er ist 20 Jahre jung und das Aushängeschild des Vereins. Lukas Britschgi benötigt einen Podestplatz an der Schweizer Meisterschaft, um Ende Januar an die Europameisterschaft in Minsk und im März an die Weltmeisterschaft in Japan entsandt zu werden. Die Chancen dazu stehen gut. Doch Britschgi will an diesem Wochenende in Wetzikon nicht nur um eine Medaille kämpfen, sondern Gold gewinnen. Er rechnet mit einem harten Zweikampf um das wertvollste Edelmetall und meint, dass wohl die Tagesform von entscheidender Bedeutung sein werde. «Ich bin aber auf jeden Fall bereit», gibt sich das Mitglied des Eissportclubs Frauenfeld kämpferisch.

Zum Eiskunstlaufen kam der Schaffhauser über Gruppenlektionen in der Kinder-Eislaufschule. Das hat ihm zwar immer viel Spass gemacht. Dass er es danach – er ist unterdessen 14 Jahre Mitglied bei den Thurgauern – als Einzelläufer versuchen wollte, war eigentlich erst Liebe auf den zweiten Blick. «Ich wollte immer hauptsächlich Spass haben, statt ambitioniert zu trainieren.» Britschgi selber bezeichnet sich auch nicht als Naturtalent. Vielmehr habe er für all das, was er bis heute kann, hart trainieren und regelmässig Rückschläge in Kauf nehmen müssen.

«Ich befinde mich nicht selten am Anschlag»

Heute ist der Fachmittelschüler, der dieses Jahr ein Praktikum in der Psychiatrie Breitenau in Schaffhausen absolviert, eine feste Grösse in der Schweizer Eislaufszene. Grund genug für ihn, sich diesen Winter vor allem gegen stärkere Gegner auf der internationalen Bühne zu messen. Auch wenn er seine Ausbildung fünf statt vier Jahre bestreitet, wird Britschgi täglich hart gefordert. «Ich befinde mich nicht selten am Anschlag, um Beruf, Training und Wettkampf unter einen Hut zu bringen.»

Diese Woche hat Lukas Britschgi jedoch bewusst das Training reduziert, um für die Schweizer Meisterschaft über genügend Frische zu verfügen. Aber noch am vergangenen Samstag hatte er drei Trainingslektionen bestritten – eine in Schaffhausen, zwei in Frauenfeld. Dass er danach keine Lust mehr verspürte, mit seinen Kollegen in den Ausgang zu gehen, versteht sich von selbst. «Aber meine Kollegen verstehen und unterstützen mich auch. Sie sehen mich den Winter durch kaum einmal, am Sommer dafür wieder mehr. Mir ist es wichtig, über einen guten Kollegenkreis zu verfügen.»

Olympische Spiele 2022 als Fernziel

In seiner Wettkampfkür zeigt Britschgi alle drei Dreifachsprünge, auch der Axel ist in seinem Programm. Eigenes Verbesserungspotenzial sieht er in den Pirouetten. Zu Boden muss Britschgi selten. «Ich mache lieber nur einen Zweifachsprung und lande sicher, als nach einem missglückten Dreifachsprung zu fallen.» Und was macht er am liebsten? «Schaulaufen» kommt wie aus der Pistole geschossen. «Ich liebe Entertainment und zeige dabei gerne meine läuferischen und künstlerischen Qualitäten.» Britschgis Vorbild ist der amerikanische Weltmeister Nathan Chen. «Er verfügt über riesige technische und künstlerische Fähigkeiten.»

Britschgi wirkte im Gespräch etwas müde, was er auch bestätigte. «Ich bin diesen Winter so viel gereist. Kaum zu Hause galt es jeweils erneut, die Koffer zu packen.» Trotzdem will er noch ein bisschen länger Eiskunstläufer mit Spitzensport-Ambitionen bleiben. «Sicher bis Olympia 2022. Dafür möchte ich mich qualifizieren. Und wenn ich es schaffe, hat es sich gelohnt, jetzt auf die Zähne zu beissen.»

Nebst Lukas Britschgi startet an den Schweizer Meisterschaften in Wetzikon mit der Bülacherin Céline Eng eine zweite Athletin für den Eissportclub Frauenfeld.