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Höhensiedlung Waldi bei Toos bot den Menschen während Jahrhunderten Schutz vor Überfällen

Waldi bei Toos ist eine archäologische Fundstelle von nationaler Bedeutung. Die ersten Untersuchungen fanden vor genau 50 Jahren statt, weil ein Tonabbau geplant war. Die Fundobjekte zeigen, dass das Plateau seit der Frühbronzezeit bis ins Spätmittelalter immer wieder als sicherer Siedlungsplatz genutzt wurde.
Christof Lampart
Kantonsarchäologe Hansjörg Brem sowie die beiden Archäologinnen Iris Hutter und Simone Benguerel auf der Höhensiedlung Waldi bei Toos. (Bild: PD)

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem sowie die beiden Archäologinnen Iris Hutter und Simone Benguerel auf der Höhensiedlung Waldi bei Toos. (Bild: PD)

Das Plateau Waldi liegt nahe der Strasse, die von Hagenwil Richtung Schönholzerswilen führt. Wer sich nach rund einem Drittel der Strecke links in den Wald schlägt und danach über Wiesen, Grat und Hügel hinauf läuft, ahnt, warum unsere Vorfahren diese Stelle zum Schutz in unsicheren Zeiten aufsuchten.

Der letzte, teilweise von Menschenhand aufgeschüttete Hügel thront eindrucksvoll über die Landschaft – wenn man sich die Bäume wegdenkt, die heute rundherum stehen. Ausserdem liegt er – im Denken der Bronzezeitmenschen – günstig gelegen auf der geografischen Strecke zwischen den heutigen Orten Konstanz und Wil/Toggenburg.

Für den Thurgauer Kantonsarchäologen Hansjörg Brem ist es deshalb kein Wunder, dass «wir hier die älteste Befestigungsmauer im Thurgau haben».

Über drei Meter hoher Schutzwall aus Bronzezeit

1969 wurde die zwischen den beiden Orten Mettlen und Toos liegende Höhensiedlung Waldi entdeckt, als die Ziegelei Istighofen auf dem Areal einen Tonabbau plante. Doch anstatt Lehm abgebaut, wurde alsbald systematisch gegraben.

Für Simone Benguerel, Leiterin Grabungen im Amt für Archäologie, ein Glücksfall, denn bereits erste Untersuchungen des heute noch weitestgehend nicht untersuchten Areals ergaben, dass «es sich um einen prähistorischen Siedlungsplatz» handelte.

1: Ausgrabungssituation 1974, 2: Steinbeilklingen, 3: Bronzene Rollenkopfnadel, 4: Fragmente von verzierten Kremaikgefässen aus verschiedenen Epochen, 5: Bronzene Lanzenspitze, 6: Teil einer Pferdetrense aus Hirschgeweih, 7: Schmuckperlen aus Bernstein, 8: Münzen aus römischer Zeit. (Bild: PD)

1: Ausgrabungssituation 1974, 2: Steinbeilklingen, 3: Bronzene Rollenkopfnadel, 4: Fragmente von verzierten Kremaikgefässen aus verschiedenen Epochen, 5: Bronzene Lanzenspitze, 6: Teil einer Pferdetrense aus Hirschgeweih, 7: Schmuckperlen aus Bernstein, 8: Münzen aus römischer Zeit. (Bild: PD)

Der heute teilweise noch über drei Meter hohe Wall, der das Plateau abriegelte, wurde in der späten Frühbronzezeit, also rund 1700 vor Christus, errichtet. Dabei handelt es sich um eine Konstruktion aus Steinen, Erde und Holz, die mit einer senkrecht stehenden Steinverblendung versehen war. Benguerel sagt:

«Das war ganz klar eine Fehlkonstruktion, denn bereits in der Frühbronzezeit musste man Erneuerungsarbeiten ausführen, da die Verblendung dem Druck des Erdreiches nicht standhielt.»

Anzeichen von Luxus unter den Funden

Wie viele Leute sich in Waldi aufhielten, darüber können die Archäologen heute nur Mutmassungen anstellen. Zumal weite Flächen des Areals noch unberührt und somit auch unerforscht sind. Benguerel schätzt jedoch aufgrund der bisherigen Funde, dass «in Waldi wohl 20 bis 25 Häuser mit jeweils fünf Personen Platz gehabt haben». Allerdings dürfte die Besiedlung in Krisenzeiten deutlich grösser als in Friedenszeiten gewesen sein. «Die Leute kamen vor allem hierher, um Schutz zu suchen. In Friedenszeiten dürften sich hier nur wenige Menschen aufgehalten haben», sagt die Archäologin.

Wie wichtig der Ort über viele Jahrhunderte hinweg war, zeigt die Tatsache, dass man in Waldi noch Siedlungsspuren aus dem 8.Jahrhundert vor Christus findet: selbstredend Tonscherben, aber auch exotische Handelsgüter wie Bernstein und Pferdetrensen. Zu Letzteren muss man wissen, dass Pferde anno dazumal hierzulande ein reines Luxusgut waren: «Wer sich ein Pferd leisten konnte, hatte schon einen höheren Status als viele andere. Von daher kann man wohl schon sagen, dass sich in Waldi schon eine Art von sozialer Hierarchie herausbildete», sagt Amtsleiter Hansjörg Brem.

Schutz vor Überfällen der Germanen

Danach geriet Waldi für viele Jahrhunderte in Vergessenheit. Bis mit den Überfällen der Germanen ins damalige Römische Reich in der Zeit um 300 nach Christus die Höhensiedlung wieder sprunghaft an Bedeutung gewann. «Wie das Fundmaterial zeigt, haben Anwohnerinnen und Anwohner aus der Umgebung die Anlage in der spätrömischen Zeit wieder aufgesucht, um sich auf der Höhe besser vor feindlichen Einfällen zu schützen», sagt Brem. Die Befestigung Toos-Waldi wurde durch einen typischen, römischen Spitzgraben erneuert.

Mit dem Ende der römischen Epoche schwand auch die Bedeutung von Waldi zusehends, bis es schliesslich für über eineinhalb Jahrtausende der Vergessenheit anfiel.

Geo-Weg Schönholzerswilen

Die archäologisch interessante Anlage liegt heute am Geo-Weg. Der Rundwanderweg rund um Schönholzerswilen und Mettlen erschliesst Geologie, Geschichte und Natur. So kann in der imposanten Grube Altegg, wo Lehm für Ziegel und Backsteine gewonnen wird, ein Amphibienlaichgebiet nationaler Bedeutung bewundert werden. Der Weg führt weiter durch das Moos, ein Hochmoor und Naturschutzgebiet, das von seltenen Libellen, Teichrohrsängern und Bibern bewohnt wird. (red)

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