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Der Thurgau sitzt wieder auf dem Trockenen – und die Situation dürfte sich in den nächsten Tagen noch verschärfen

Das Trockenheitsrisiko im Kanton hat die zweithöchste Stufe erreicht. Grossflächiger Regen kündigt sich nicht an. Die nächste Woche wird heiss und trocken. Beim Kanton schliesst man nicht aus, dass auch dieses Jahr ein Wasserentnahmeverbot zum Thema werden könnte.
Sebastian Keller, Silvan Meile
Der Giessen – hier in Weinfelden – gleicht derzeit eher einem Rinnsal als einem Bach. (Bild: Andrea Stalder, 19. Juli 2019)

Der Giessen – hier in Weinfelden – gleicht derzeit eher einem Rinnsal als einem Bach. (Bild: Andrea Stalder, 19. Juli 2019)

Der Thurgau wird immer roter. Aktuell ist das sogenannte Wasserdargebot zwar erst in einigen Gebieten niedrig – und darum auf der Karte rot eingefärbt (siehe unten). Das Wasserdargebot zeigt das aktuell verfügbare Oberflächenwasser, abgeleitet wird es von Messwerten. «Ab Montag wird wohl der ganze Kanton rot sein», sagt Ulrich Göttelmann von der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie des Kantons.

Das Trockenheitsrisiko wird aktuell laut Webseite des Amtes für Umwelt (AfU) als «erheblich» eingestuft. Damit ist es auf die zweithöchste Stufe geklettert. Die Trockenheit machte sich bisher vor allem in Regionen bemerkbar, die ausschliesslich von Regenfällen abhängen. So etwa der Seerücken, der rot eingefärbt ist. Entlang der Thur ist die Trockenheit noch nicht so ausgeprägt, heisst es auf der Webseite des AfU.

Die Situation dürfte sich in den nächsten Tagen verschärfen. Grossflächige Regengüsse sind keine zu erwarten. Daniel Gerstgrasser von MeteoSchweiz sagt:

«Für den Thurgau – wie für die übrige Schweiz – sind keine ergiebigen Niederschläge in Sicht. Im Gegenteil.»

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ziehen zwar gebietsweise ein paar Regenschauer oder Gewitter durch. «Am Sonntag nimmt der Hochdruckeinfluss zu, ab Montag sind wir im Einflussbereich von einem stabilen Sommerhoch», erklärt Gerstgrasser. Damit werde es erneut heiss –und es bleibe trocken. «Aus heutiger Sicht bis mindestens nächsten Freitag. Möglicherweise auch länger.»

Fangverbot im Rhein wird um ein Jahr verlängert

Früher oder später dürfte auch ein Wasserentnahmeverbot zum Thema werden. Ein solches verordnet der Kanton im vergangenen Jahr. Wegen Hitze und Niederschlagsarmut war es der Landwirtschaft nicht erlaubt, aus Flüssen und Seen Wasser zu beziehen. Ausnahmen bildeten der Rhein und der Bodensee. Das Entnahmeverbot dauerte von Mitte Juli bis Mitte Dezember – fünf Monate lang.

Das trockene 2018 wirkt bis heute nach. Hydrologe Göttelmann sagt: «Vor allem bei Oberflächengewässern mit kleinen Einzugsgebieten konnten die Defizite nicht aufgefüllt werden.» Denn: Auch der Winter war zu trocken. Die Abteilung Wasserbau und Hydrometrie hat ausgerechnet, dass es zwischen Juli 2018 und Juni 2019 mengenmässig rund 20 Prozent zu wenig geregnet hat.

Göttelmann schliesst nicht aus, dass der Fachstab Trockenheit auch in diesem Jahr einberufen wird. Im Fachstab bringen verschiedene Ämter – Forst, Bevölkerungsschutz und Armee, Landwirtschaft und weitere – ihre Expertise ein und diskutieren allfällige Massnahmen. Beim kantonalen Informationsdienst heisst es auf Anfrage, dass sich die Experten am Montag vorerst ein weiteres Mal zu einem informellen Austausch treffen. Auch wenn die Situation noch nicht gleich prekär ist wie vor einem Jahr, betont Göttelmann:

«Wir sind erst mitten im Sommer.»

Kritisch wird es bei Niedrigwasser und hohen Wassertemperaturen auch für Bach- und Flusslebewesen. Die Verantwortlichen haben im Juni bereits Fische aus dem Giessen bei Weinfelden geholt und sie in die Thur gebracht. «Vorsorglich», wie Roman Kistler, Leiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, sagt. Die Situation werde in allen Gewässern «laufend beobachtet».

Im Vergleich zum Vorjahr ist aber zumindest die Situation im Rhein besser. Der Fluss führt mehr Wasser als im vergangenen Jahr – aktuell ist der Pegelstand über dem langjährigen Mittel. Auch die Wassertemperatur ist mit derzeit etwas über 21 Grad tiefer als vor einem Jahr. «Es zeichnet sich nicht ab, dass der Rhein zum Problem wird», sagt Kistler.

Heikel wird es für Forellen und Äschen ab 24 Grad. Genau das wurde es im Hitzesommer 2018. Im Rheinabschnitt zwischen Eschenz und Schaffhausen mussten damals drei Tonnen tote Fische aus dem Fluss geholt werden. Der Äschen- und Forellenbestand im Hochrhein wurde in noch unbekanntem Ausmass geschädigt. So lautete die Bilanz im vergangenen Jahr.

Daraufhin erliessen die Kantone Thurgau, Zürich und Schaffhausen ein befristetes Äschen- und Forellenfangverbot. Es sollte vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. September 2019 dauern. «Dieses Verbot wird um mindestens ein Jahr verlängert», sagt Kistler. Vor allem der Äschenbestand hätte sich noch nicht erholen können.

Futtervorräte der Bauern sind gut gefüllt

Die Milchproduzenten starten mit besseren Voraussetzungen als im vergangenen Jahr in die heisse Phase des Sommers. Im Frühling habe es regelmässig Niederschlag gegeben, wodurch die ersten Heuerträge ergiebig ausgefallen seien. Das sagt Michael Schwarzenberger, Leiter Milchproduktion am landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg.

Dadurch dürften auf den Betrieben die Futtervorräte für die Kühe gut gefüllt sein. Auch zeige sich aktuell die Vegetation sichtbar grüner als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Damals mussten viele Bauern früh ihre Wintervorräte den Tieren verfüttern. Deshalb mussten sie Futter für die Kühe zukaufen, was die Preise in die Höhe schnellen liess. Einige Landwirte entschieden sich wegen der Futterknappheit zum Notschlachten von Tieren.

Feuerverbot wird nicht ausgeschlossen

Bei Thurgauer Waldbesitzern sei die Trockenheit derzeit kein Thema, sagt Urs Fuchs, Geschäftsführer des Verbands der Thurgauer Waldeigentümer. Noch sei der Boden in der Tiefe genug feucht. «Wir müssen aber schauen, wie sich die nächsten zwei, drei Wochen entwickeln.» Bleibe Regen aus, könnte ein Feuerverbot wie 2018 zum Thema werden.

Wegen Waldbrandgefahr war es um den 1. August 2018 nicht erlaubt, zwischen Bodensee und Hörnli ein Feuer zu entfachen oder Feuerwerk abzubrennen. Im Wald und in Waldesnähe galt das Feuerverbot bis Anfang September. Derzeit wird die Waldbrandgefahr für den Thurgau als mässig eingestuft. Die zweittiefste Stufe also. Mit dem Aufbau des 1. August-Funkens sollte man sich aber besser noch etwas gedulden.

Hinweis: www.hydrodaten.tg.ch

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