Historisches Werk
Vom Holzschnitt zum Smartphone: Diessenhofen in den Bildmedien

Die beiden Historiker Dieter Fey und Hans Rudolf Gabathuler haben nach vierjähriger Arbeit ein neues Fotobuch über Diessenhofen geschaffen.

Thomas Brack
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Die Autoren des neuen Fotobuches: Dieter Fey und Hans Rudolf Gabathuler.

Die Autoren des neuen Fotobuches: Dieter Fey und Hans Rudolf Gabathuler.

Bild: Thomas Brack

Seit dem Mittelalter sind Städte und ihre Bewohner in Bildern festgehalten. Vorerst durch Künstler und Kartografen, seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch durch Fotografen. Später kamen noch andere Bildmedien wie Film und Fernsehen dazu. Die digitale Revolution durch Computer, Internet, Smartphone und soziale Medien führt zu weiteren Veränderungen.

Die neuen Medien bewirken – unabhängig von ihren Inhalten – eine veränderte Wahrnehmung und Denkweise der Menschen. Daraus zogen Lokalhistoriker Dieter Fey sowie Büchersammler und Fotohistoriker Hans Rudolf Gabathuler aus Diessenhofen den Schluss, dass die Aufmerksamkeit nicht allein auf die Inhalte der Bilder von Diessenhofen mit Stadtansicht, Siegelturm oder Holzbrücke gerichtet wird, sondern auch auf die Art der Herstellung und Verbreitung dieser Bilder mit Holzschnitt, Analogkamera oder Smartphone.

700 Bilder auf 331 Seiten

Diese Überlegungen führten die beiden Buchautoren zu einer neuen Form der Gestaltung ihres Werkes, welches auf 331 Seiten 700 Bilder enthält. Nebst den reich illustrierten Hauptkapiteln werden parallel dazu sowohl die globale Geschichte der Bildmedien sowie deren lokale Geschichte in Diessenhofen gezeigt.

So erstaunt es nicht, dass die beiden Autoren vier Jahre an diesem Werk arbeiteten, das durch seine Fülle an seltenem Bildmaterial und profundem Wissen besticht. Das Buch spannt einen Bogen über Diessenhofen im Mittelalter, erste Ansichten in der Neuzeit, die Zeit der Helvetik bis hin zu den ersten Fotografen in Diessenhofen.

Ein längeres Kapitel ist dem Fotografen Boleslaw Dobrzanski im Haus zur «Höll» gewidmet. Dieser kam als polnischer Emigrant in die Schweiz, erwarb 1873 das Schweizer Bürgerrecht und gründete mit seinen Söhnen und Enkeln eine Fotografendynastie.

Boleslaw Dobrznaksi senior, Ostern 1907: Wirtschaft Lamm und Metzgerei Gnädinger: Vorne Johann Sebastian Gnädinger mit zwei Gehilfen, im Hintergrund Frau Gnädinger mit zwei Bediensteten und ihren beiden Kindern Julia und Berta, 1904 resp. 1906 geboren. Heute befindet sich dort «Joe’s Bar».

Boleslaw Dobrznaksi senior, Ostern 1907: Wirtschaft Lamm und Metzgerei Gnädinger: Vorne Johann Sebastian Gnädinger mit zwei Gehilfen, im Hintergrund Frau Gnädinger mit zwei Bediensteten und ihren beiden Kindern Julia und Berta, 1904 resp. 1906 geboren. Heute befindet sich dort «Joe’s Bar».

Bild: PD

Bleibende Spuren hat auch der deutsche Fotograf Max Seidel hinterlassen, der als Mitbegründer des modernen Schweizer Fotojournalismus bisher kaum beachtet wurde. Schweizer zu werden, blieb ihm hingegen verwehrt. Durch eigene Fehler und durch eine verbittert geführte Hetzkampagne gegen ihn musste er 1939 die Schweiz verlassen.

Von den letzten Fotogeschäften in Diessenhofen geht der Überblick weiter zu Erinnerungsfotos und Selfies auf Twitter, Facebook und Co.

Max Seidel: Schweizer Armee in der Hauptstrasse. Ansichtskarte (Gelatine-Silber-Print), gelaufen 1931.

Max Seidel: Schweizer Armee in der Hauptstrasse. Ansichtskarte (Gelatine-Silber-Print), gelaufen 1931.

Bild: PD

Einwohner stellten Fotografien zur Verfügung

Für die Qualität des Bildbandes bürgen die Autoren Hans Rudolf Gabathuler und Dieter Fey. Erstgenannter ist als Spezialist für die Büchersammler und Kenner der Geschichte der Fotografie eine weit über die regionale Grenze bekannte Koryphäe. Fey gilt als versierter Lokalhistoriker mit ausgeprägter Sammlerleidenschaft. Er sammelt seit Mitte der 1970er-Jahre Bilder von Diessenhofen.

Dass das Buch in dieser attraktiven Form und in dieser Vollständigkeit realisiert werden konnte, ist auch der unermüdlichen Arbeit weiterer Fachleute zu verdanken – nicht zu vergessen die Diessenhofer, die ihre Fotografien zur Verfügung stellten. Dank namhafter Sponsoren wie der Stadt- und Bürgergemeinde Diessenhofen oder der Zunft zum Grimmen Löwen, der Thurgauer Kantonalbank und weiteren Gönnern ist das Werk zu erwerben.

Verfügbar im Rathaus, dem Museum Kunst + Wissen sowie der Thurgauer Kantonalbank oder Bestellung via info@photobibliothek.ch, 40 Franken.

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