Hinterthurgauer Künstler bemalt riesige Rose für New York

Renato Caspari hat sich als Künstler mit der Airbrush-Technik einen Namen gemacht. Vier von ihm bemalte, neun Meter grosse Rosen stehen nun in den USA. Der Hinterthurgauer hat auch schon Fahrzeuge für die Schweizer Armee verziert.

Aylin Erol
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Airbrush-Künstler Renato Caspari in seinem Atelier in Münchwilen. Er ist auch leidenschaftlicher Töfffahrer. (Bild: Andrea Stalder)

Airbrush-Künstler Renato Caspari in seinem Atelier in Münchwilen. Er ist auch leidenschaftlicher Töfffahrer. (Bild: Andrea Stalder)

Eine freundlich winkende Tigerskulptur, allerlei Gegenstände, die mit Totenköpfen verziert sind, und ein fast schon stechender Geruch nach frischer Farbe – dieses Gesamtbild erwartet jeden, der den Weg in Renato Casparis «house of color» in Münchwilen findet.

Auch die Kunstgiesserei St.Gallen hat den Weg schon mehrmals gefunden und ihm damit eines seiner bisher grössten Projekte beschert. «Ein Sechser im Lotto!», beschreibt Caspari die vier neun Meter hohen Aluminiumrosen, die er für die bekannte deutsche Künstlerin Isa Genzke mit seinen Airbrush-Pistolen kolorieren durfte. Und das, obwohl er mit derlei anspruchsvollen Formen selbst nach 40 Jahren in seinem Beruf noch keine Erfahrungen gesammelt hatte. Aber Caspari sagt: «So einen Auftrag muss man einfach annehmen. Da dürfen keine Zweifel aufkommen.»

Beim Malen immer eine echte Rose in der Hand

Die Rose in New York. (Bild: Santi Visalli/Getty Images)

Die Rose in New York. (Bild: Santi Visalli/Getty Images)

Die Rosen befinden sich jetzt alle in den USA. Die erste, die Caspari vor zwei Jahren fertigte, war zunächst im Kunstmuseum Basel anzutreffen. Heute steht sie in einem Kunstmuseum in New York. Auf Anfrage bei der Künstlerin Isa Genzke folgten dann drei weitere Rosen-«Bestellungen». Diese befinden sich nun in einer Galerie in Los Angeles und bei einer Privatperson im Garten.

Die letzte Rose, welche Caspari 2018 fertigstellte, ragt nun an demselben Ort wie einst die berühmten Zwillingstürme in New York empor, auf dem heutigen Ground Zero. Caspari sagt:

«Diese letzte Rose wurde meiner Meinung nach am schönsten, weil ich durch die vorangehenden Rosen viel gelernt habe.»

Bei jeder Aluminiumrose habe er immer eine echte Rose zur Hand gehabt, um ein möglichst realistisches Ergebnis zu bekommen.

Die Farbübergänge sollen möglichst real aussehen

Caspari hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. In jedem Projekt stecke sein eigener Stil, ein Stückchen von ihm selbst: «Ich freue mich schon darauf, meine Rose im Februar in New York zu besuchen und zu sehen, wie sie in der neuen Umgebung wirkt.»

Auf dem Schild neben der Rose werde er dann auch seinen Namen klein gedruckt lesen können. Im Zentrum stehe aber natürlich immer noch die Künstlerin Isa Genzke. «Da interessiert sich doch keiner dafür, ob das der Caspari aus dem Thurgau bemalt hat», sagt der Künstler ohne jegliche Bitterkeit in der Stimme.

Dies, obwohl eben auch bei der Rose viel mehr dazugehörte, als einfach ein wenig mit der Airbrush-Pistole herumzuspritzen. Caspari mischte jede Farbe selber an, tüftelte an Kombinationen von Lacken, damit etwa die Unterseite der Blätter am Stiel der Rose matt, die Oberseite hingegen glänzend wirkte, und arbeitete hingebungsvoll an möglichst real aussehenden Farbübergängen – eine Hand an der Airbrush-Pistole, die andere an einer echten Rose.

Einen Panzer und einen Kampfjet bemalt

«Das mit der Kunst ist ja immer so eine Sache. Ist jetzt derjenige mit der Idee und den Skizzen der Künstler oder derjenige, der das Ganze dann umsetzt?» Diese Frage lässt Caspari wohl bewusst unbeantwortet. Sich selbst versteht Caspari als Künstler, auch wenn er vermehrt eine Tendenz zur Massenproduktion von Kunst erkennen kann. «Aber schliesslich muss ja jeder irgendwie überleben und nur mit Airbrush-Kunst könnte ich das auch nicht», lenkt der Thurgauer ein.

(Bild: Andrea Stalder)

(Bild: Andrea Stalder)

Sein Erfolgsgeheimnis scheint sein spannender Lebenslauf zu sein. Nach einer Malerlehre wechselte Renato Caspari in die Restaurations- und Kirchenmalerei, arbeitete später beim Filmstudio Bavaria in München als Theater- und Filmmaler und machte selber in einer Autolackiererei seine Erfahrungen. «Ab da hat es mich immer mehr zu Airbrush hingezogen», erzählt Caspari. Kaum eine Technik erlaube es, so natürliche Bilder zu gestalten.

Nach der Autolackiererei blieb Caspari einige Zeit bei der LKW-Malerei hängen, bevor er sein eigenes Geschäft eröffnete. Schon bald folgte der erste grosse Prestige-Auftrag für die Schweizer Armee. Caspari erzählt:

«Es ist schon toll, so einen Panzer bemalen zu dürfen.»

Der berühmte «Leopardine-Panzer» stammt nämlich aus seiner Feder – oder eher Spritzpistole. Auf den Leopardenpanzer folgte die Gestaltung eines F5-Kampfjets im Tiger-Look und eine enge Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten mit der Kunstgiesserei St.Gallen. «So führt eines zum anderen und eben auch zu den Rosen», erklärt sich Caspari bescheiden seinen Erfolg.

Der von Renato Caspari bemalte Leopardine-Panzer im Video