Hinterthurgau
Kultur in Zeiten von Corona: Förderverein nimmt seine Verantwortung wahr

Der Verein ThurKultur veröffentlicht seinen Jahresbericht 2020: Trotz Corona und mehrheitlich abgesagten Veranstaltungen flossen Unterstützungsgelder auch in den Hinterthurgau.

Olaf Kühne
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Das Sirnacher Theater Jetzt konnte vergangenes Jahr sein Stück «Trainingslager» in der ehemaligen Stickerei Scherrer aufführen.

Das Sirnacher Theater Jetzt konnte vergangenes Jahr sein Stück «Trainingslager» in der ehemaligen Stickerei Scherrer aufführen.

(Bild: Christoph Heer)

Dass 2020 vor allem auch für Kulturschaffende ein katastrophales Jahr war, muss wohl kaum erwähnt werden. Um so überraschender ist es deshalb, dass der Jahresbericht des Vereins ThurKultur schon fast einigermassen «normal» daherkommt. «Wir haben im Vorstand sehr schnell beschlossen, dass wir unsere Förderbeiträge auch auszahlen, wenn eine Veranstaltung Corona zum Opfer fällt», erklärt ThurKultur-Präsident David Zimmermann im Gespräch mit unserer Zeitung. «Weil wir die Kulturschaffenden in dieser schwierigen Zeit unterstützen wollen, aber auch, weil sie ihren Aufwand meistens trotz Absage bereits im Vorfeld einer Veranstaltung sowieso hatten.»

Der 24-seitige Bericht des Kulturpools, dem auch sämtliche Hinterthurgauer Gemeinden angehören, zeigt detailliert auf, wie die Gelder, welche unter anderem von den beteiligten Gemeinden mit einem jährlichen Franken pro Einwohner gespeist werden, im vergangenen Jahr verteilt wurden.

Obwohl es nicht Sinn und Zweck eines Kulturpools wie ThurKultur sein soll und darf, dass Unterstützungsgelder schön fair verteilt wieder in die Gemeinden zurückfliessen, darf man durch die Hinterthurgauer Brille dennoch feststellen: Der Bezirk Münchwilen kommt nicht zu kurz.

Vergangenes Jahr 92 Gesuche bewilligt

39'350 Franken sind 2020 aus der ThurKultur-Kasse in den Hinterthurgau geflossen. Dabei stammten von den 92 bewilligten Gesuchen nur gerade 17 aus dem Bezirk. Der kleinste Betrag waren 250 Franken für den Elterverein Wallenwil-Eschlikon, der grösste je 6000 Franken für die Münchwiler Villa Sutter und den Aadorfer Kulturveranstalter Gong. Gesamthaft schüttete der Verein im Berichtsjahr 120'150 Franken für einmalige Projekte und wiederkehrende Beiträge aus.

Dass davon der Hauptharst in den Kanton St.Gallen floss, liegt in der Natur der Sache. «Hauptprofiteurin» der Unterstützung durch ThurKultur war mit 54'700 Franken die Stadt Wil, die bekanntlich auch für den Hinterthurgau nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das kulturelle Zentrum ist.

David ZimmermannPräsident ThurKultur

David Zimmermann
Präsident ThurKultur

(Bild: Kevin Roth)

Vergangenes Jahr wurden zusätzlich 15'000 Franken für die alle drei Jahre stattfindende Kulturbühne ausbezahlt. Der Anlass ging jüngst über die Bühne ‒ und ThurKultur-Präsident David Zimmermann schwärmt immer noch:

«Das war ein wunderschönes Lebenszeichen der Kulturschaffenden und Vereine in unserer Region.»

Man habe allerorten gespürt, mit wie viel Freude die Ausstellungen und Aufführungen vorbereitet wurden. «Das OK und alle Beteiligten haben hervorragende Arbeit geleistet», sagt Zimmermann. «Und ich freue mich bereits auf die nächste Kulturbühne.»

Corona tangierte indes nicht nur die Kulturschaffenden, sondern auch den Verein ThurKultur. So musste er diese Woche seine zehnte Mitgliederversammlung absagen. Die Abstimmung über die Traktanden findet nun schriftlich statt. Dabei stehen die Gesamterneuerungswahlen des Vorstandes für die nächsten vier Jahre im Mittelpunkt. Wieder zur Wahl stellen sich, nebst Präsident Zimmermann, die Sirnacher Gemeinderätin Yvonne Koller, der Wiler Kulturschaffende Michael Sarbach, die Kulturchefin des Klosters Fischingen Cornelia Scheiwiller und der Eschliker Galerist Werner Widmer.

Aus dem Vorstand bereits ausgetreten sind der Kirchberger Gemeinderat Linus Calzaferri, Kathrin Dörig von der Wiler Fachstelle Kultur, die Uzwiler Gemeinderätin Renate Graf und der Niederhelfenschwiler Gemeindepräsident Simon Thalmann. Für sie stellen sich neu zur Verfügung: die Niederbürer Gemeindepräsidentin Caroline Bartholet, die Uzwiler Gemeinderätin Seraina Bär, die Wiler Kulturfachstellenleiterin Valentina De Pasquale und die Kirchberger Gemeinderätin Yvonne Tinner.

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