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Interview

Andre Lieberberg von Live Nation: «Hinterm Open Air Frauenfeld stehen absolute Profis»

Dank des Einflusses des amerikanischen Unterhaltungskonzerns Live Nation kehrte Eminem im Sommer ans Open Air Frauenfeld zurück. Geschäftsführer Andre Lieberberg über die Stärke der Festivalmarke, den Austausch mit Behörden und seine Freundschaft zu Musikgrössen von Metallica oder Linkin Park. Fürs kommende Open Air Frauenfeld 2019 sind bislang noch keine Künstler bekannt. Am Freitag erhält das lokale Open-Air-OK zunächst den Frauenfelder Anerkennungspreis.
Interview: Samuel Koch
Andre Lieberberg, Geschäftsführer der deutschen Live-Nation-Tochtergesellschaft. (Bild: Manngold/Imago (2. Juni 2016))

Andre Lieberberg, Geschäftsführer der deutschen Live-Nation-Tochtergesellschaft. (Bild: Manngold/Imago (2. Juni 2016))

Das Erdbeben erschütterte die Schweizer Festivallandschaft, als die Frauenfelder Frist Event AG als Veranstalter des grössten Hip-Hop-Festival Europas 2017 verkündete, dass sie ihre Aktienmehrheit dem Unterhaltungskonzern Live Nation aus den USA verkauft.

Die Übernahme – über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart – ermöglichte dem seit 2004 wachsenden Open Air Frauenfeld für heuer die Verpflichtung eines attraktiven Line-ups um Headliner Eminem. Zudem meldete es das erstmals überhaupt vor Türöffnung «ausverkauft». Der 41-jährige Andre Lieberberg ist einer der Geschäftsführer der deutschen Tochterfirma der Live Nation.

Wie bucht man einen Künstler wie Eminem für ein Festival wie das Open Air Frauenfeld?

Mit Hartnäckigkeit und dem Glauben an die Stärke des Acts, einer guten Beziehung zu den handelnden Personen und durch die Plattform des Festivals wie das Open Air Frauenfeld, die einem Künstler wie Eminem definitiv ein Begriff ist. Zudem muss die Gage stimmen. Eminem war von grosser Bedeutung für den frühen Ausverkauf des Festivals 2018.

Was verlangte Eminem für seinen Auftritt?

Beträge über einzelne Gagen kommunizieren wir nicht. Für die insgesamt 51 Künstler im vergangenen Sommer kam jedoch eine Summe von vier Millionen Franken zusammen.

Wie stark sind die Gagen für Künstler zuletzt gestiegen?

Speziell im Urban- und Hip-Hop-Bereich hat zuletzt durch die Beliebtheit des Genres eine extreme Entwicklung nach oben eingesetzt. Letztlich sind aber steigende Gagenforderungen seit jeher eine Konstante der Musikindustrie.

Welchen Einfluss haben die steigenden Gagen auf die Ticketpreise, speziell am Open Air Frauenfeld?

Steigende Gagenforderungen haben natürlich einen Einfluss auf die Ticketpreise, speziell bei Tourneen und Einzelkonzerten. Aber auch höhere Kosten in den Bereichen Produktion, Sicherheit und anderen Feldern machen höhere Eintrittspreise teils erforderlich. Beim Open Air Frauenfeld verhält sich dies nicht anders, obwohl die Preise zuletzt stabil geblieben sind. Das Ticketing muss als Gesamtkalkulation funktionieren und für den Fan immer noch nachvollziehbar bleiben.

Anerkennungspreis für Sahli, Götz und Co.

Seit rund einem Monat läuft der Vorverkauf für das nächste Open Air Frauenfeld, das vom 11. bis 13. Juli 2019 über die Bühne geht. Sämtliche Early-Bird-Tickets, die einen Einlass aufs Camping-Gelände schon am 10.Juli ermöglichen, sind bereits ausverkauft, obschon bislang noch kein einziger Act vom kommenden Line-Up bekannt ist. «Wir haben schon vereinzelte Zusagen von Künstlern», sagt Open-Air-Sprecher Joachim Bodmer. Mehr verrät er aber nicht. Ebenso wenig, wann er Veranstalter erste Namen publik macht.

Aktuell läuft der Verkauf für Drei-Tages-Tickets-Plus. «Der Vorverkauf lief noch nie so früh so gut», meint Bodmer. Mittlerweile sind bereits 20'000 Dreitagespässe weg. Der Vorverkauf von gewöhnlichen Drei-Tages-Pässen startet voraussichtlich nächsten Dienstag, 4. Dezember. Zudem erhält das Open-Air-OK um Präsident Wolfgang Sahli und Geschäftsführer René Götz am Freitag, 30.November, um 19 Uhr im Rathaus in Frauenfeld den städtischen Anerkennungspreis verliehen. Der Anlass ist öffentlich. (sko)

Kompensieren Künstler mit höheren Gagen auch den sinkenden Verkauf von Tonträgern?

Nur teilweise. Viele Acts, vor allem die grossen, erwirtschaften nicht nur auf ihren Tourneen substanzielle Einnahmen, sondern auch mit dem Verkauf von Downloads und vor allem den steigenden Umsätzen im Streaming-Bereich. Zudem bieten sich Künstlern heutzutage etwa mit Direktangeboten an ihre Fans vielfältigere Wege, sinkende Umsätze und Tonträgerverkäufe wettzumachen.

Die Übernahme des Open Airs Frauenfeld kam einem Erdbeben in der hiesigen Festivallandschaft gleich. Wie kam diese zustande?

Wir haben uns gesucht und gefunden, in jedem Fall war uns das Open Air Frauenfeld schon ein Begriff, bevor es Live Nation in der Schweiz gab.

Welches sind die Gründe für die Übernahme aus Ihrer Sicht?

Das Open Air Frauenfeld ist ein grossartiges Festival, das von absoluten Profis organisiert wird, die das ganze Jahr mit grosser Kraft, Herzblut und Hingabe arbeiten. Wir passen daher gut zusammen, und Live Nation versucht mit unseren Partnern, das Festival noch besser zu machen. Hier gibt es Synergien auf diversen Ebenen, die sich sowohl mit unserer Arbeit im Festival- als auch Tourneebereich sehr gut ergänzen. Das Open Air Frauenfeld gilt mittlerweile als grösstes und bestes Hip-Hop-Festival in Europa. Wir sind sehr glücklich, diese Partnerschaft eingegangen zu sein.

Was macht das Open Air Frauenfeld zu einer besonderen Festivalmarke?

Das wunderschöne und friedliche Flair, das coole und individuelle Ambiente, das extrem gute Booking (Anmerkung: Verpflichtung von Acts) und die unvergleichliche Skyline-Doppelbühne sind nur einige der Faktoren, die das Open Air Frauenfeld auszeichnen. Die Tradition des Festivals steht im Einklang mit einer konstanten Weiterentwicklung in allen Bereichen. Insofern passt es hervorragend ins Portfolio der Live Nation, in welchem kein Festival wie das andere ist und grosser Wert auf Individualität und konstante Weiterentwicklung gelegt wird.

Live Nation in Zahlen

Live Nation Entertainment mit Sitz in Kalifornien ist ein Riese in der globalen Festivallandschaft und im Event-Ticketing. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen weltweit in 40 Ländern tätig und hat 2017 Live-Konzerte vor rund 86 Millionen Menschen durchgeführt. Der US-Konzern führt Exklusivverträge mit Musikgrössen wie Madonna, Jay-Z oder U2.

Mit über 90 internationalen Festivals wie dem Lollapalooza in Berlin, dem Splendour im australischen North Byron oder dem Bonnaroo in Tennessee, USA, besitzt Live Nation das weltweit grösste Festivalportfolio. Alleine im Jahr 2017 erzielte Live Nation Einnahmen von über 10 Milliarden Dollar. Live-Nation-CEO Michael Rapino verdient laut «Wall Street Journal» jährlich 70 Millionen Dollar. (sko)

Gibt es seitens der Live Nation Pläne, weitere Festivals zu übernehmen?

Gedanken macht man sich innerhalb der Live Nation immer, aber diese stehen derzeit nicht im Fokus unserer aktuellen Arbeit in der Schweiz.

Wie nehmen Sie den Austausch mit den Behörden in Frauenfeld wahr?

Kompetent, kooperativ und extrem routiniert. Der Austausch mit den Behörden läuft über die First Event AG, und ich denke, hier sind die Kommunikations- und Entscheidungswege sehr etabliert. Alle arbeiten gemeinsam an einem bestmöglichen und sicheren Festival.

Wie wichtig ist für die Live Nation, dass die bewährten OK-Mitglieder der First Event AG die Organisation selber vorantreiben?

Das ist sehr wichtig und von Anfang an auch so von uns gewünscht. Das bleibt auch in Zukunft so, alles andere wäre kontraproduktiv und nicht dem Verständnis von Live Nation entsprechend.

Das Open Air Frauenfeld 2018 gilt als erfolgreichstes in der Geschichte. Wo sehen Sie noch Steigerungspotenzial?

Es geht der Live Nation und der First Event AG immer um eine Verbesserung des Festivals, das sollte die Aufgabe eines jeden Veranstalters sein. Man darf sich nie zufriedengeben, auch nicht nach dem erfolgreichsten Jahr in der Geschichte. Das betrifft sämtliche Bereiche des Festivals, ob in der Kommunikation, dem Booking oder der Produktion der Innen- and Aussenbereiche.

Gibt es Überlegungen, das Open Air Frauenfeld ein zweites Mal im Jahr zu organisieren oder es in eine andere Stadt zu verlegen?

Nein, momentan überhaupt nicht.

Wie unterscheidet sich die Musikindustrie von heute zu jener Zeit, als Sie eingestiegen sind?

Die Musikindustrie wird immer digitaler und komplexer. Am stärksten merkt man die Veränderungen in der Dominanz bestimmter Genres, die dem Zeitalter des Streamings mehr entsprechen, wie aktuell Hip-Hop und urbane Popmusik. Auch haben sich die Möglichkeiten stark verändert, wie eine Tournee beworben und vermarktet wird. Hier gibt es heutzutage vielfältigere Massnahmen, die sich auf Digitales und Marketing in den Sozialen Medien konzentrieren. Nur noch ein Bruchteil findet auf klassischen Feldern wie Print-Marketing statt.

Sie treten in die grossen Fussstapfen Ihres Vaters Marek. Was haben Sie von ihm mit auf den Weg bekommen?

Das Musikgeschäft respektive das Veranstaltungswesen war für uns als Kinder allgegenwärtig. Ich habe viele schöne, eindrucksvolle und intensive Momente erleben, sehen und mitnehmen dürfen. Ob das nun grossartige Konzerte, Abendessen mit Künstlern, harte Verhandlungen meines Vaters nachts am Telefon mit amerikanischen Partnern waren, oder die Möglichkeit, meinem Vater in den Ferien beim Errechnen der Steigerungen der Vorverkaufszahlen zu helfen. Am meisten geprägt hat mich wohl sein Antrieb, seine Energie und die Hingabe für seine Künstler. Auch das grundsätzliche Verständnis für den Respekt und die nötige Distanz zu Künstlern oder Bands, hat er uns Kindern früh mitgegeben.

Welches war Ihr erster Tonträger, den Sie als Kind besassen?

Mein erster, bewusster Kauf eines Tonträgers, war die Vinyl-EP und Debütsingle von Method Man namens «Release Yo’ Delf». Auch ist mir noch bildhaft in Erinnerung, wie mein Vater mir vor einer Abreise in ein Sommercamp in Kanada die «Greatest-Hits-CD» von Billy Joel in die Hand drückte. Von da an war ich ein grosser Fan dieser Musik.

Zur Person Andre Lieberberg

Der 41-jährige Andre Lieberberg führt seit knapp drei Jahren unter anderem mit seinem Vater Marek die Live Nation GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main, die als Tochterfirma der Live Nation fungiert. Vater Marek Lieberberg gehört zu den erfolgreichsten Konzertmanagern der Welt und machte sich einen Namen mit der Konzertagentur Mama Concerts, mit welcher er 1970 die legendäre Gruppe The Who für ein Konzert nach Deutschland holte.

Der Sohn jüdischer Überlebender des Holocausts baute danach die Marek Lieberberg Konzertagentur (MLK) auf, die unter anderem das Rock am Ring am Nürburgring organisiert und in welche auch Sohn Andre hineingewachsen ist. Andre Lieberberg ist verheiratet und hat mehrere Kinder. (sko)

Andre Lieberberg beim Medienrundgang während des Open Airs Frauenfeld 2018. (Bild: Andrea Stalder).

Andre Lieberberg beim Medienrundgang während des Open Airs Frauenfeld 2018. (Bild: Andrea Stalder).

Mit Musik von welchen Künstlern können Sie nach einem harten Alltag abschalten?

Abschalten mit Musik tue ich eigentlich nur am Wochenende mit meiner Frau oder den Kindern, dann machen wir zu Hause Musik-Partys. Da kann alles dabei sein, von 60’s-Soul und Funk über Hip-Hop bis Rockmusik. Nach einem Bürotag schalte ich besser vor dem Fernseher mit einer Serie oder einem Fussballspiel ab.

Sie pflegen Kontakte zu bekannten Musikern wie Nelly Furtado, Linkin Park oder Metallica. Wie kann man sich diesen Kontakt vorstellen?

Wenn es auch von Seiten des Künstlers gewünscht ist, dann ist man ab und zu in engerem Kontakt und pflegt diesen auch, wobei sich dies meistens auf die Zeit beschränkt, in denen ein Act auf Tour ist. Der Austausch vor, nach und zwischen Tourneen findet dann eher mit den jeweiligen Agenten und Managern der Künstler statt. Speziell pflegen wir viele freundschaftliche Beziehungen wie beispielsweise zum Management von Depeche Mode, The BossHoss, Xavier Naidoo, Linkin Park, Pharrell Williams oder System Of A Down.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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