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Sirnacher Fussballer spielen hinter Schwedischen Gardinen

Die 5.-Liga-Mannschaft des FC Sirnach feierte einen besonderen Saisonabschluss. Bereits zum dritten Mal hat sie ein Freundschaftsspiel im Gefängnis ausgetragen.
Roman Scherrer
Für das Mannschaftsbild müssen die Sirnacher Fussballer vor dem Eingang des Gefängnisses posieren, im Inneren ist Fotografieren verboten. (Bild: Roman Scherrer)

Für das Mannschaftsbild müssen die Sirnacher Fussballer vor dem Eingang des Gefängnisses posieren, im Inneren ist Fotografieren verboten. (Bild: Roman Scherrer)

Die Mannschaft von Trainer Rehan Osmani versammelt sich vor der Justizvollzugs-Anstalt Pöschwies. Vor dem Eingang des Regensdorfer Gefängnisses müssen alle Spieler ihre Wertsachen in eine Truhe legen, die ein Wärter abschliesst. Kaum haben die Sirnacher die Anlage betreten, werden ihre Sporttaschen durchleuchtet. Sie selbst müssen – wie bei einer Kontrolle am Flughafen – einen Scanner passieren.

Die Fussballer aus der 5. Liga sind am Wochenende aber nicht in das Gefängnis eingetreten, weil sie gegen das Gesetz verstossen hätten. Die meisten kennen das Eingangs-Prozedere sogar schon. Zum dritten Mal war die Sirnacher Mannschaft bereits dort, um gegen den FC Inter Pöschwies zu spielen – eine Mannschaft, bestehend aus Gefangenen.

Als Trainer Rehan Osmani erstmals ein Freundschaftsspiel gegen das Häftlings-Team vereinbarte, hatte er ursprünglich eine ganz andere Absicht: «Ich wollte über die Website des Fussballverbands ein Spiel gegen eine Auswahl der Fifa organisieren», sagt er. Dort sei er dann auf den FC Inter Pöschwies gestossen. «Da dachte ich mir, dass ein Spiel im Gefängnis sicher spannender wäre.» Die Anfragen für die vergangenen beiden Spiele seien dann aber aus Regensdorf gekommen.

Häufige Spielerwechsel in der Gefangenen-Mannschaft

Die Gefangenen-Mannschaft wird von zwei Personen betreut. Einer davon ist der Werkmeister in der Justizvollzugs-Anstalt, Björn Scheuber. Er stellt das Team jeweils zusammen, was keine einfache Aufgabe ist. Die Spieler kommen und gehen nämlich häufiger als die Trainer beim FC Sion. Weil Spieler ihre Strafe abgesessen haben oder sie sich schlecht benommen haben, können beziehungsweise müssen sie die Mannschaft verlassen. Björn Scheuber hat so in den vergangenen zwei Jahren 102 Spieler eingesetzt. «Ich habe jeweils rund 20 Personen auf einer Warteliste für die Mannschaft», sagt er. «Voraussetzung, um aufgenommen zu werden, ist vor allem, dass der Gefangene anständig ist. Von Vorteil ist natürlich auch, wenn er etwas von Fussball versteht.»

Der FC Inter Pöschwies durfte schon gegen grosse Namen antreten: Der Grasshopper Club und der FC Zürich waren ebenso schon auf dem Gefängnis-Spielfeld zu Gast wie die Profi-Hockeymannschaften aus Davos und Zürich.

«Von Drogenhandel bis Mord - es ist eigentlich alles dabei»

Björn Scheuber, Betreuer der Gefangenen-Mannschaft

Björn Scheuber, Betreuer der Gefangenen-Mannschaft

Björn Scheuber ist selber Torwart-Trainer beim FC Muri. Die Arbeit in der Gefangenen-Mannschaft sei dafür eine gute Schule. «Wenn du mit diesen Leuten hier klarkommst, dann tust du es draussen auch.» Die Gefangenen-Mannschaft ist mit Leuten aus verschiedensten Nationen zusammengewürfelt. So steht denn auch das «Inter» in FC Inter Pöschwies für «International». Die Spieler sind aber auch wegen der verschiedensten Delikten hinter Gitter. «Von Drogenhandel bis Mord, es ist eigentlich alles dabei», sagt Scheuber.

Zweimal in der Woche trainieren die Gefangenen für eine Stunde, zudem tragen sie zwischen März und November etwa zwei Spiele pro Monat aus. Der Fussball sei für die Gefangenen eine Ablenkung. «Sie erhalten ein wenig Freiheit bei dem doch harten Regime hier drin», so Scheuber.

Die Sirnacher zeigten in den ersten 30 Minuten auf dem Gefängnis-Rasen ein gefälliges Spiel und gingen auch in Führung. Je länger die Partie dauerte, desto mehr ging den Hinterthurgauern aber die Luft aus. Schliesslich verloren sie gegen die Gefangenen gar mit fünf zu zwei Toren. «Eigentlich müssten wir hier klar spielbestimmend auftreten», sagt Rehan Osmani nach dem Spiel. Allerdings waren bei den 14 Sirnachern an diesem Tag eine gute Handvoll Bekannter der Spieler dabei, die eigentlich gar nicht mit der Mannschaft trainieren. Sie haben das Team unterstützt, weil Osmani für diesen Tag viele Abwesenheitsmeldungen erhielt. «Die Spannung, im Gefängnis zu spielen, ist natürlich beim dritten Mal nicht mehr so hoch wie beim ersten Mal», begründet Osmani die geringe Teilnahme seiner Spieler.

Bereits für nächstes Jahr angefragt

Auch in der abgelaufenen Meisterschaft hatte der Trainer jeweils viele abwesende und verletzte Spieler zu beklagen. So habe man nach einer guten Hinrunde in der Rückrunde völlig unter den eigenen Erwartungen gespielt. Allerdings zeigte sich Osmanis Team als ein äusserst faires. Es holte so wenige Karten, dass es von 96 Ostschweizer 5.-Liga-Teams den sechsten Rang in der Fairplay-Wertung belegt. «Das ist hervorragend», meint Osmani, der diese Mannschaft bereits seit sieben Jahren trainiert. Überhaupt findet er fast nur lobende Worte für sein Team: «Da sind alles gute Charaktere dabei, bei denen das Vereinsdenken im Vordergrund steht.»

Das Spiel in der Pöschwies war für die Sirnacher ein Saison-Abschluss. Gewinnen konnten sie gegen die Gefangenen noch nie. «Wir kommen mindestens so oft wieder, bis wir auch einmal als Sieger vom Platz gehen», sagt Rehan Osmani. Eine Anfrage für ein nächstes Spiel in der Pöschwies hat er jedenfalls schon erhalten.

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