Ein Walliser baut eine Himmelsleiter für die Kartause Ittingen

Frauen im Museum, kirchliche Fragen in den Reben und die Ittinger Pfingstkonzert prägen das Jahr in der Kartause.

Sebastian Keller
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Heinz Scheidegger, Markus Landert und Jasmin Hanselmann in einer modernisierten Mönchsklause.

Heinz Scheidegger, Markus Landert und Jasmin Hanselmann in einer modernisierten Mönchsklause.

(Bild: Andrea Stalder)

Der Himmel ist ein gedankliches Privatgemach. Mal ist es religiös ausgestattet, mal spirituell. Mal ist der Raum mit profaner Sehnsucht tapeziert. Bei der Kartause Ittingen, die sich an einem sonnigen Wintertag wie das Foyer des Himmels präsentiert, soll in den nächsten Monaten eine «Himmelsleiter» entstehen.

Baumeister ist der Walliser Künstler Vincent Fournier. Als Fundament dient ihm eine Treppe durch den Rebberg. 184 Stufen. «Jede Stufe steht für zwei Tage im Kirchenjahr», sagt Jasmin Hanselmann. Sie ist Mitarbeiterin von Tecum, dem Zentrum für Spiritualität, Bildung und Gemeindebau der evangelische Landeskirche. Die «Himmelsleiter» ist ein Kunstprojekt im Rahmen des 150-Jahr-Jubiläums der Thurgauer Landeskirchen. «Ein Stück Himmel im Thurgau», so lautet das Motto.

Frauen erobern das Kunstmuseum Thurgau

Victor Fehr kehrt zurück

Das Kunstmuseum Thurgau ist beliebt. «Wir hatten 2019 über 30000 Besucher», sagt Direktor Markus Landert. «Das hatte auch mit Helen Dahm zu tun.» Die Ausstellung «Helen Dahm – Ein Kuss der ganzen Welt» dauerte bis August. Die Thurgauer Künstlerin kehrt symbolisch bald zurück in die Kartause. Die Ausstellung «Thurgauer Köpfe – Frauen erobern die Kunst» skizziert, wie sich die Möglichkeiten für Künstlerinnen zwischen 1880 und 1980 verändert haben. Sie ist Teil der gemeinsamen Ausstellung der sechs kantonalen Museen, die das Motto «Thurgauer Köpfe» bearbeitet. «Im Kunstmuseum zeigen wir nur Frauen», sagt Landert. Eine ist Helen Dahm. Das Ittinger Museum widmet sich dem Leben und Wirken von Victor Fehr. Er kaufte 1867 die Kartause. Das Museumsjahr beginnt am Freitag, 17. Januar, mit der Ausstellung «Konstellation 11 – Dietrich und Co.». Zu sehen sind Werken Adolf Dietrichs in unkonventionellen Nachbarschaften. So lassen sich auch zeitgenössische Künstler noch von ihm inspirieren. (seb.)

Fournier verwendet für die Himmelsleiter Brettchen aus Lärchenholz, die er mit Blautönen bemalt. Das Kunstprojekt wirft Fragen auf; es stellt sie gar in den öffentlichen Raum: Ist Religion heute reine Privatsache oder kommt ihr eine gesellschaftliche Relevanz zu? Eine Frage, die auf dem Auslöser des Jubiläums fusst: Der Verfassung von 1869, welche die weitgehende Trennung von Kirche und Staat brachte.

Schlafen in einer einstigen Mönchsklause

Eine Trennung verspricht auch die Stiftung Kartause Ittingen: Ferien in der Mönchsklause nennt sich ein neues Angebot – als Trennung vom Alltag. Die Stiftung hat zwei einstige Einsiedlerklausen modernisiert. «Erleben, wie es im Kloster war, aber mit dem Komfort von heute», sagt Procurator Heinz Scheidegger. So wurden die Klausen mit einer Küche und einem Bad ausgestattet. «Für dieses Jahr haben wir bereits 60 Buchungen», sagt Scheidegger.

Insgesamt zählte der Hotelbetrieb rund 17000 Logiernächte, die Auslastung beläuft sich auf rund 60 Prozent. «Wir haben schon Buchungen für klimaneutrale Seminare», sagt der Procurator. Das sei keine Idee der Stiftung, sondern ein Bedürfnis von Firmen, die Seminare buchen. Auf den Übernachtungspreis werden gibt es zwei Franken Zuschlag. Ein Franken geht an ein Klimaschutzprojekt von Myclimate, der andere fliesst in die energetische Sanierung der Kartause-Infrastruktur.

Für eine gutes Seelenklima sollen die Ittinger Pfingstkonzerte, heuer die 26. Ausgabe, sorgen. Die künstlerische Leitung der sieben Konzert liegt erneut beim deutsch-französischen Cellisten Nicolas Altstaedt. Das Programm trägt den Titel «Autonomia». Scheidegger verspricht: «Das Programm ist nicht wahnsinnig politisch gefärbt, aber sehr spannend.» Zur Verdauung der musikalischen Leckerbissen empfiehlt sich ein Spaziergang in den Himmel: Die Himmelsleiter wird am 3. Mai eröffnet.

Wasser ist die Quelle des Klosters

Wasser hat und hatte für das Leben in der Kartause Ittingen eine immense Bedeutung. Die Quelle auf der Anlage dürfte dafür verantwortlich sein, dass das Kloster dort gebaut wurde, wo es heute noch steht.
Sebastian Keller