Hick-Hack um Frauenfelder Grossbaustelle

Bis im Herbst 2020 sanieren Stadt und Kanton den Verkehrsknoten St. Gallerstrasse und Marktstrasse. Kritische Töne gibt es bei den Umfahrungsstrassen punkto Tempo und Sicherheit. Die Behörden wiegeln ab.

Samuel Koch
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Während der mehrmonatigen Bauphase auf St. Galler- und Marktstrasse (rot) wird ein Grossteil des Verkehrs stadtein- und stadtauswärts über die Reutenen-, Thundorfer- und Ringstrasse (grün) geleitet. (Bild: Olaf Kühne/Grafik: Infografik SGT)

Während der mehrmonatigen Bauphase auf St. Galler- und Marktstrasse (rot) wird ein Grossteil des Verkehrs stadtein- und stadtauswärts über die Reutenen-, Thundorfer- und Ringstrasse (grün) geleitet. (Bild: Olaf Kühne/Grafik: Infografik SGT)

Dick anstreichen. Das können sich alle Verkehrsteilnehmer in und um Frauenfeld den 5. August in ihren Agenden. Dann startet die Sanierung der St. Gallerstrasse und Marktstrasse, die Stadt und Kanton schon vor längerer Zeit angekündigt haben. Nun wird es konkret, was während der 14-monatigen Bauzeit zwischen August 2019 und voraussichtlich Oktober 2020 alles passiert.

Ingenieure und Strassenbauer interessieren die technischen Massnahmen, die an einer Medienorientierung am Dienstagnachmittag vorgestellt worden sind. «Es geht darum, für alle Verkehrsteilnehmer bessere Angebote zu schaffen», sagte Stadtingenieur Thomas Müller. Jürg Schär als Projektleiter Strassenbau beim kantonalen Tiefbauamt stellte die einzelnen Schritte vor, wie die Verlängerung des Linksabbiegers in Richtung Marktstrasse stadtauswärts, die Einspurhilfe für Velofahrer stadteinwärts oder veränderte Einfahrt zum Marktplatz mit einer neuen Schutzinsel für Fussgänger.

Insgesamt kostet das Bauprojekt gut rund vier Millionen Franken. Der Bund beteiligt sich mit gut 825'000 Franken, die restliche Summe teilen sich Stadt und Kanton beinahe hälftig. Und auch die Appenzeller-Bahnen als Betreiber des Wiler-Bähnli investieren.

St. Gallerstrasse ständig stadteinwärts befahrbar

Im Gegensatz zu den Spezialisten interessieren den gewöhnlichen Verkehrsteilnehmer vor allem die Umleitungen während der Baustellenphase, die laut Schär gerade morgens und abends zu Chaos führen könnte. «Die Grossprojekte Bahnhofstrasse oder auch Erchingerhof haben gezeigt, dass Umleitungen funktionieren können», sagte Schär.

Weniger von Chaos als von hydraulischen Gesetzen im Verkehr sprach der stellvertretende Kantonsingenieur Benedikt Eberle. Nach einer umfassenden Analyse habe sich gezeigt, dass die Umfahrungen über die Reutenen-, Thundorfer- und Ringstrasse verkraftbar seien. Die St. Gallerstrasse jedenfalls bleibt zumindest stadteinwärts immer befahrbar. Eberle sagt:

«Stadt und Kanton sind bestrebt, den Verkehr richtig zu leiten.»

Dass etwa die Reutenenstrasse von heute laut Statistik 1000 Fahrzeugen pro Tag eine Zunahme auf bis zu 6000 oder dass die Ringstrasse von heute 4000 zwischenzeitlich auf bis zu 11000 zu erwarten hat, streitet Eberle nicht ab. «Wir schaffen leider nicht alles, es wird Staus geben.» Deshalb appelliert er an alle. Es benötige Verständnis, Toleranz, Akzeptanz und Rücksichtnahme.

Thomas Müller, Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr der Stadt Frauenfeld, Jürg Schär, Projektleiter Strassenbau, Benedikt Eberle, stv. Kantonsingenieur (beide Tiefbauamt des Kantons Thurgau), Stefan Thalmann, Leiter Abteilung Öffentlicher Verkehr, Kanton Thurgau und Daniel Lenggenhager, Teamleiter Projektmanagement, Appenzeller Bahnen orientieren über die Aufwertung der St. Gallerstrasse und Marktstrasse. (Bild: PD)

Thomas Müller, Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr der Stadt Frauenfeld, Jürg Schär, Projektleiter Strassenbau, Benedikt Eberle, stv. Kantonsingenieur (beide Tiefbauamt des Kantons Thurgau), Stefan Thalmann, Leiter Abteilung Öffentlicher Verkehr, Kanton Thurgau und Daniel Lenggenhager, Teamleiter Projektmanagement, Appenzeller Bahnen orientieren über die Aufwertung der St. Gallerstrasse und Marktstrasse. (Bild: PD)

Mit diesen Attributen geben sich nicht alle zufrieden. Die IG Velo Frauenfeld etwa begrüsse die Sanierung zwar grundsätzlich, insbesondere die darin enthaltenen Verbesserungen für Velofahrende. Sie moniert aber gleichzeitig, dass die Umleitungen nicht von einer Temporeduktion zu Gunsten der Sicherheit des Langsamverkehrs begleitet wird. Denn die drei Gemeindestrassen, an welchen mehrere Schulgebäude oder Einrichtungen für Alterswohnen liegen und entsprechend viele Kinder, Jugendliche und ältere Menschen unterwegs sind, müssen wegen der Umleitung während Monaten mit einer starken Verkehrszunahme rechnen.

Die IG verweist zudem auf einen Infoanlass der Anwohner der Reutenenstrasse von 2017. «Die Anwohnenden sind nach wie vor der Meinung, dass an der Reutenenstrasse Tempo 30 eingeführt werden sollte», heisst es dazu im Protokoll. Im Auflageprojekt dann sei diese Massnahme nicht mehr drin gewesen, kritisiert die IG Velo, «ohne dass alternative Varianten zum Schutz aller Verkehrsteilnehmenden enthalten waren». Wegen der starken Verkehrszunahme und des Unfallrisikos fordert sie während der Bauzeit eine Temporeduktion – zumindest auf Tempo 40.

Stadt und Kanton beobachten laufend

Den Vorwurf, nicht zu seinem Wort gestanden zu sein, lässt Benedikt Eberle nicht gelten. «Temporeduktion war allenfalls einmal in einer Baukommissionssitzung ein Thema», sagte er. Danach sei das womöglich den Anwohnern der Reutenenstrasse zu früh als mögliche Massnahme verkauft worden. Die Reutenenstrasse etwa sei genügend breit, habe zwei Fussgängerstreifen und durchgehend ein Trottoir. Eberle sagt:

«Wir haben die Verkehrsumleitungen nach unserer objektiven Analyse vorgenommen, nicht nach subjektivem Empfinden.»

In einem laufenden Monitoring würden Stadt und Kanton schauen, ob sich im Laufe der Baustellenzeit flankierende Massnahmen gemäss Gesetzgebung als opportun erweisen. «Prophylaktisch ist nicht alles machbar», sagte Eberle und ergänzte: «Wir haben uns bei der Planung schon etwas überlegt.»

Frauenfelder Verkehrsknoten wegen Bauarbeiten zwei Monate gesperrt

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Stefan Hilzinger

FRAUENFELD: «Ja, wir sind Bremsklotz»

Der Mittelstreifen in der Vorstadt ist zwar weg. Trotzdem hat das kantonale Tiefbauamt derzeit einen schweren Stand in der politischen Diskussion. Die Verantwortlichen beim Kanton halten dagegen: «Das Ziel ist eine Gesamtlösung, keine Einzelmassnahmen.»
Mathias Frei