Kommentar

Herzblut allein genügt nicht, um den Frauenfelder Pferderennsport zu retten

Nach dem Ende des Turf Clubs braucht es eine nachhaltige Trägerschaft für die Pferderennen auf der Grossen Allmend, sonst ist nach gut 100 Jahren Schluss.

Stefan Hilzinger
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Stefan Hilzinger, Redaktor

Stefan Hilzinger, Redaktor

«Ohne den Turf Club und seine vielen Mitglieder gäbe es heute keinen dritten Renntag mehr.» Was Präsident Christoph Müller anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Rennvereins im Mai sagte, ist nun traurige Realität: Der Turf Club, 2002 als Lobby-Organisation für die Frauenfelder Pferderennen ins Leben gerufen, löst sich auf. Der Rennverein muss deshalb von drei auf zwei Renntage abspecken.

Das ist der aktuelle Tiefpunkt eines schon länger zu beobachtenden Schrumpfungsprozesses auf der Pferderennbahn in der Grossen Allmend. Wenigstens gelingt dem traditionellen Pfingstrennen und dem prestigeträchtigen Swiss Derby im Frühsommer der Zieleinlauf für die Rennsaison 2020.

Am Engagement liegt es nicht

Am Engagement des Rennvereins und seines rührigen Präsidenten liegt es nicht, dass Frauenfeld im Pferderennsport an Strahlkraft verloren hat. Vieles haben Rennverein und Turf Club unternommen, um Zuschauer ans Oval zu locken. Zu nennen sind etwa die Zusammenarbeit mit PMU, dem Anbieter von Pferdewetten aus Frankreich, oder der Gemeindecup, bei dem Reiterinnen und Reiter um die Ehre der Gemeinden der Region Frauenfeld über die Grasbahn hetzen oder auch die Ponyrennen, die ein jugendliches Publikum und Familien ansprechen.

Doch vor der Konkurrenz anderer Sportarten und Freizeitbeschäftigungen schenkten diese Bemühungen finanziell nur mässig ein, trotz männiglich Prominenz.

Auf die Dauer nicht nachhaltig

Zwar halten regionale Sponsoren dem Anlass weiterhin die Treue. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass der Präsident des Rennvereins nicht nur Herzblut, sondern auch Geld aus dem eigenen Sack einbringt. Das ist löblich, aber auf Dauer nicht nachhaltig. Auf dem Rennplatz Dielsdorf hat ein Unternehmer Millionen investiert.

Ob das hier das Richtige wäre, ist zu bezweifeln. Doch der Frauenfelder Pferderennsport darf nicht sterben. Im Rösseler-Kanton Thurgau muss es möglich sein, dafür nachhaltige Strukturen zu schaffen, die vom grossen Engagement einzelner zwar leben, aber nicht davon abhängig sind.

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