Herr Fässler wird besinnlich: Ein liebenswert-kauziger Esel steht im Zentrum des neuen Frauenfelder Weihnachtsspiels

Ein Auftrag des Frauenfelder Tourismusvereins an die Theaterwerkstatt Gleis 5: Die Hauptfigur der inhaltlich neu konzipierten theatralen Adventsspaziergänge unter dem Titel «Ein Esel packt aus!» ist ein alter Grauer, der im Altersheim lebt und die Begeisterung für das Fest der Liebe findet.

Mathias Frei
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Ein lustiger Esel mit Entourage: Herr Fässler mit Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger, hinten Caroline Schwar, Geschäftsführerin Regio Frauenfeld Freizeit & Tourismus, und Simon Engeli von der Theaterwerkstatt Gleis 5.

Ein lustiger Esel mit Entourage: Herr Fässler mit Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger, hinten Caroline Schwar, Geschäftsführerin Regio Frauenfeld Freizeit & Tourismus, und Simon Engeli von der Theaterwerkstatt Gleis 5.

Bild: Donato Caspari

Man muss ihn einfach gern haben. Wie er mit seinem Schlafzimmerblick dasitzt, in seinem Pyjama – eigentlich ein altmodischer Anzug – und mit seinen Pantoffeln: Herr Fässler. 35 Jahre hat er auf dem Buckel, ein stattliches Alter für einen Esel. Da verwundert es nicht, dass Herr Fässler, der im Altersheim wohnt, schon etwas kauzig ist. Betreuerin Rahel hat ein wenig Aktivierung vor mit dem alten Grauen. Die Weihnachtsgeschichte soll es sein. Da kommt Herr Fässler in Fahrt, versetzt sich in die Haut des Esels, der damals mit Josef, Maria und dem Jesuskind unterwegs war. Und Herr Fässler packt in der Figur des heiligen Esels aus. Erzählt vom grässlich stinkenden Ochsen im Stall oder von der hochschwangeren Maria, die er zu (er-)tragen hatte. Das ist der Rahmen des neuen Frauenfelder Weihnachtsspiels.

Theatrale Spaziergänge

Das neue Weihnachtsspiel «Ein Esel packt aus!» ist im Rahmen von öffentlichen Führungen entlang der Schauplätze der Weihnachtsbeleuchtung «GeschichtenLichter» achtmal zu sehen, nämlich am 1., 4., 8., 10., 12., 16., 21. und 23. Dezember. Nach dem begleiteten Spaziergang zu den Lichtspielen wartet der Esel im Naturmuseum-Innenhof. Beginn ist um 18.30 Uhr. Pro Führung, die ab dem zwölften Altersjahr empfohlen ist und eine Stunde dauert, können maximal 30 Personen teilnehmen, es gilt Maskenpflicht. Eine Anmeldung (20 Franken/Person) ist erforderlich. Die Führungen finden bei jedem Wetter statt. Nebst den öffentlichen sind auch private Führungen buchbar, von 28. November bis 23. Dezember für jeweils maximal 30 Personen und 500 Franken. (ma)  

Anmeldung: Regio Frauenfeld Freizeit & Tourismus, Bahnhof SBB. info@regiofrauenfeld-tourismus.ch; Telefonnummer
052 721 31 28.

Entstehungsprozess von Herrn Fässler.

Entstehungsprozess von Herrn Fässler.

Bild: PD

Was diesen Advent auf der kleinen Bühne im Naturmuseum-Innenhof zu sehen ist, bringt einen zum Lächeln und lässt einen im nächsten Moment besinnlich innehalten. Vorfreude aufs Fest der Liebe funktioniert eben auch in diesen schwierigen Zeiten. Hinter dem neuen Weihnachtsspiel steckt der Verein Regio Frauenfeld Freizeit & Tourismus als Veranstalter und die Frauenfelder Theaterwerkstatt Gleis 5.

«Im ersten Jahr wurden wir völlig überrannt»

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die ihren Anfang im ersten Jahr der Frauenfelder Weihnachtsbeleuchtung «GeschichtenLichter» genommen hat.

«Schon für 2015 hatten wir erste Ideen gesponnen, es sollte mehr als nur eine Führung sein.»
Herr Fässler.

Herr Fässler.

Bild: Donato Caspari

Das sagt Caroline Schwar, Geschäftsführerin Regio Frauenfeld Freizeit & Tourismus. Das erste Weihnachtsspiel kam dann auf Advent 2016 zu Stande, schon damals in Zusammenarbeit mit der Theaterwerkstatt. Zwei Jahre stand Maria im Mittelpunkt, darauf folgten zwei Advente mit Josef – und nun eben mit dem Esel. 2016 begann es mit zwei öffentlichen Führungen. «Wir wurden völlig überrannt», sagt Schwar. Mittlerweile sind es acht öffentliche Spaziergänge, die stets gut besucht sind. Knapp 2000 Adventsfreunde waren in den vergangenen vier Jahren dabei, kamen aus der ganzen Ostschweiz, Winterthur, Zürich und sogar aus der Innerschweiz. Schwar freut sich:

«Erste Buchungsanfragen bekommen wir schon ein Jahr im Voraus.»
Entstehungsprozess von Herrn Fässler.

Entstehungsprozess von Herrn Fässler.

Bild: PD)

Das Überthema des Auftrags kommt vom Tourismusverein, für die Dramaturgie und konkreten Inhalte zeichnet seit Anbeginn die Theaterwerkstatt verantwortlich. «So eine Aufgabe ist spannend, weil man auf ein Thema ‹gelupft› wird», sagt Simon Engeli, Theaterschauspieler und Theatervermittler. Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger und er haben Herrn Fässler erfunden. Am Anfang stehe stets die Recherche, in diesem Fall die Beschäftigung mit dem Esel an sich. In der Antike für sexuelle Potenz stehend, habe sich der Esel in der abendländischen Kultur in das etwas störrische, aber auch demütige Tier verwandelt, wie man es heute kenne, erklärt Engeli.

Entstehungsprozess von Herrn Fässler.

Entstehungsprozess von Herrn Fässler.

Bild: PD

Nach den Inhalten geht’s ans Praktische. Für Wohlgensinger war klar: «Die Rolle des Esels ist sehr textlastig, also muss eine Klappmaulpuppe her.» Berliner Puppenbauer haben Herrn Fässler im Auftrag von Wohlgensinger hergestellt. Reine Arbeitszeit: wohl etwa zwei Wochen. Über Videokonferenzen habe man sich regelmässigen ausgetauscht mit den befreundeten Berlinern, mit denen man schon lange zusammenarbeitet. Wohlgensinger interagiert offen mit der Eselfigur. Modernes Puppenspiel eben. Eine letzte Herausforderung für Wohlgensinger wird sein, der Kälte Herrin zu werden während des Spiels.

Herr Fässler mit Schutzmaske.

Herr Fässler mit Schutzmaske.

Bild: Donato Caspari