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Herdern soll auf Brautschau gehen

In diesen Tagen bekommen die Einwohner Post. Eine Bürgergruppe lanciert eine Petition und fordert damit den Gemeinderat auf, Fusionsverhandlungen mit Nachbargemeinden aufzunehmen.
Mathias Frei
Blick auf Herdern von ennet der Thur. (Bild: Andrea Stalder)

Blick auf Herdern von ennet der Thur. (Bild: Andrea Stalder)

«Zukunft Gemeinde Herdern» nennen sie sich – und genau daran wollen sie mitarbeiten. Knapp zwei Dutzend Einwohner, von Heimatort Herdern bis kürzlich zugezogen. Wer in einem der Ortsteile der Politischen Gemeinde wohnt, bekommt in diesen Tagen Post von der Bürgergruppe. Und in Bälde startet auch die Unterschriftensammlung. Mit einer Petition wollen die Initianten den Gemeinderat dazu auffordern, Fusionsverhandlungen mit einer Nachbargemeinde innerhalb des Sekundarschulkreises Hüttwilen aufzunehmen – konkret also mit Hüttwilen und Warth-Weiningen. Uesslingen-Buch als dritte in Frage kommende Braut ist momentan nicht im Fokus.

1000 sind zu wenig

«Wir wollen unsere Gemeinde für die Zukunft gut aufstellen», sagt Patrick Bucher, einer der Initianten. Das bedeute, dass Herdern selbstbewusst und vor allem selbstbestimmt seinen Weg gehe. Und Christoph Brodmann, ebenfalls bei «Zukunft Gemeinde Herdern» dabei, fügt an, man wolle dem Szenario vorbeugen, dass irgendwann der Kanton komme und Druck mache, woraus dann übereilte Entscheide resultierten. Denn für die Bürgergruppe ist klar: Mittelfristig ist politisch Herdern mit etwas über 1000 Einwohnern zu klein. Gemäss Zahlen von Ende 2016 ist Herdern (1023 Einwohner) von 80 Thurgauer Gemeinden die 13. kleinste.

Fusion über den Seerücken ist vorerst nicht sinnvoll

Es sei ja nicht so, dass es heute schlecht laufe in der Gemeinde oder der Gemeinderat keine gute Arbeit leiste, sagt Bucher. «1998 kamen die Dörfer Herdern und Lanzenneunforn zusammen. Das ist 20 Jahre gut gegangen. Aber jetzt ist es Zeit, den nächsten Schritt zu machen.» Zeit für eine Gemeinde Seebachtal zum Beispiel. Mit Warth-Weiningen zusammen würde man rund 2300 Einwohner zählen, mit Hüttwilen wären es gegen 2800 Einwohner. Die Bürgergruppe hat keine Präferenz, welche Braut es sein solle. Auch ein Zusammenschluss aller drei Gemeinden sei eine Möglichkeit, sagt Brodmann. Es müsse einfach geografisch stimmen. Eine Fusion über den Seerücken sei vorerst nicht sinnvoll. Deshalb habe man den bereits bestehenden Sekundarschulkreis als Rahmen genommen, der den nach Frauenfeld orientierten Wirtschafts- und Kulturraum Seebachtal umfasse.
Eine Professionalisierung in Verwaltung und Exekutive in einem grösseren Gebilde würde ebenfalls für eine Fusion sprechen.

Präsidium im Nebenamt ist nicht mehr zeitgemäss

Dazu gehörten auch sinnvolle Prozent-Pensen im Gemeinderat sowie das Gemeindepräsidium als Vollamt. «Wer kann sich heute noch beruflich erlauben, ein Nebenamt als Gemeindepräsident auszuführen?», sagt Bucher. Auch betriebswirtschaftlich sei eine grössere Gemeinde längerfristig sinnvoller, findet Brodmann. Wenn man daran denke, dass früher die Elektrizitätsversorgung oder das Abfallwesen teils auf Ebene Weiler organisiert – das habe definitiv keine Zukunft. Von Zweckverbänden hält die Gruppe wenig. «Wenn man sich für jede kommunale Aufgabe in einem Zweckverband organisieren muss, kann das teuer werden», sagt Bucher. Auf lange Frist wird die Verwaltung mit einer kontinuierlichen Erweiterung ihrer Aufgaben sicher günstiger, was sich auch positiv auf den Steuerfuss auswirken könne, erklärt Brodmann.

Unterschriften Anfang Oktober überreichen

Herderns Gemeindepräsident ist vorinformiert über die Pläne der Gruppe. Bereits bei der Schaffung der heutigen Politischen Gemeinde vor 20 Jahre habe es Verhandlungen mit anderen Gemeinden gegeben, sagt Bucher. Seither sei in der Bevölkerung immer wieder mal über Fusionsideen diskutiert worden. In der kommenden Amtszeit (ab Juni 2019) könnte der Gemeinderat das Thema als Legislaturschwerpunkt angehen. «Wir haben bewusst keine Frist gesetzt. Die Behörde soll sich die Zeit nehmen, die sie braucht», sagt Brodmann. Spätestens Anfang Oktober soll die Petition dem Gemeinderat überreicht werden.

Die Initianten des Vorstosses sind per E-Mail unter
zukunftgemeindeher­dern@bluewin.ch zu erreichen.

«Die kleinere Gemeinde muss Fusion wollen»

Im Kanton Thurgau hat es seit über 20 Jahren keine Gemeindezusammenschlüsse mehr gegeben. Der letzte ernsthafte Versuch scheiterte im November 2013. Die Stimmbürger von Romanshorn hatten einer Fusion mit Salmsach zugestimmt. Salmsach war aber dagegen. Vom rechtlichen Standpunkt her müssten zuerst die fusionswilligen Gemeinden dem Vorhaben zustimmen, erklärt Andreas Keller, Generalsekretär des kantonalen Departements für Inneres und Volkswirtschaft. Danach müsse der Grosse Rat dem Zusammenschluss zustimmen. «Die kleinere Gemeinde muss die Fusion wollen», sagt Keller. Beim Kanton gibt es derzeit keine Bestrebungen, Politische Gemeinden zu Zusammenschlüssen zu motivieren. «Wir würden nur dann Druck machen, wenn Gemeindebehörden nicht mehr besetzt oder Gemeindeaufgaben nicht mehr erfüllt werden könnten», sagt Keller. (ma)

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