Herbstsaison fällt ins Wasser: Schweizerische Bodensee-Schifffahrt lässt Schiffe im Hafen – es werden Stellen abgebaut

Ab Montag streicht die Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG die meisten Kurse der Nebensaison. Die Passagierfrequenzen sind um über 50 Prozent zusammengebrochen. Es ist vereinzelt zu Entlassungen gekommen. Das Unternehmen wird im Herbst erneut Kurzarbeit beantragen müssen und rechnet mit einem Millionenverlust.

Larissa Flammer, Enrico Kampmann
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Crewmitglieder mit Schutzmaske auf der MS Zürich in Romanshorn.

Crewmitglieder mit Schutzmaske auf der MS Zürich in Romanshorn.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (24.August 2020)

Es hat sich abgezeichnet. Vergangene Woche kündigte schon die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) einen ausgedünnten Fahrplan, Kurzarbeit für die feste Belegschaft und Kündigungen bei den Saisonangestellten an. Das Gleiche geschieht nun auch bei der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG (SBS).

Nachdem bereits der Fahrplan der Hauptsaison in den letzten drei Wochen um 20 Prozent reduziert wurde, wird nun auch der Nebensaison-Fahrplan massiv gekürzt. Einzig der mit den deutschen Schifffahrtsbetrieben geteilte Querverkehr von Rorschach nach Lindau und die Linie Rorschach–Rheineck verkehren jeweils am Wochenende gemäss Fahrplan. Alle restlichen Kurse der SBS AG werden ab Montag ersatzlos gestrichen.

Die Fähre ist von der Streichung nicht betroffen und fährt wie gewohnt täglich im Stundentakt zwischen Romanshorn und Friedrichshafen.

Keine Besserung in Sicht

«Die Geschäftsleitung hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht», sagt Andrea Ruf, CEO des Unternehmens, gemäss einer Medienmitteilung.

«Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es jedoch unsere Pflicht, die Notbremse zu ziehen, wenn die einzelnen Kurse zu tief in die roten Zahlen geraten und damit wo möglich das ganze Unternehmen gefährden.»
Andrea Ruf.

Andrea Ruf.

Bild: Andrea Stalder (13.Mai 2019)

Auch im August waren die Frequenzen rund 30 bis 50 Prozent unter dem Vorjahr. «Wir sind es gewohnt, defizitäre Kurse im Herbst quer zu subventionieren. Im aktuellen Ausmass lässt sich dies aber nicht mehr rechtfertigen», sagt Ruf. Insgesamt rechnet das Schifffahrtsunternehmen mit weniger als 50 Prozent des Umsatzes gegenüber einer normalen Saison.

Das Unternehmen wollte mit der Entscheidung unbedingt warten, bis der Bundesrat über eine Weiterführung der Maskenpflicht entscheidet. Dies hat er diese Woche getan. Eine Schifffahrt, ohne dass einem der Wind ums Gesicht weht, sei nicht das Gleiche, heisst es in der Mitteilung. Dies würden viele Passagiere genauso sehen und den Schiffen fern bleiben.

Vereinzelte Kündigungen ausgesprochen

Dass die Schiffe nun früher im Hafen stehen bleiben, hat Konsequenzen: «Von einigen Saisonmitarbeitenden in der Nautik und Gastronomie mussten wir uns früher als gewohnt trennen. Aufgrund der aktuellen Situation war das Unternehmen gezwungen, auch Festangestellte zu kündigen.» Insgesamt wurden sechs Stellen abgebaut. Zusammen mit der natürlichen Fluktuation helfe dies, das Unternehmen und die verbleibenden Arbeitsplätze zu sichern.

Schlecht für den Thurgauer Tourismus

Die Krise der Schiffsfahrt sei für den Thurgauer Tourismus sehr unerfreulich, sagt Dominik Diezi, Stadtpräsident von Arbon. Die Hafenstadt sei zwar aktuell nicht stark betroffen, weil sie vergleichsweise wenige Schiffsverbindungen habe. Doch mittelfristig wolle Arbon den Tourismus ausbauen und dafür seien attraktive Schiffsverbindungen wichtig.

Dominik Diezi.

Dominik Diezi.

Bild: Andrea Stalder (9.Juni 2020)

Auch Konsequenzen für den gesamten Kanton seien nicht auszuschliessen. Diezi sagt:

«Wenn die Krise noch lange anhält, könnte es sein, dass das übrige ÖV-Netz in Mitleidenschaft gezogen wird. Das wäre sehr schlecht für den Tourismus.»

Das Restaurant läuft gut

Das hauseigene Restaurant der SBS AG Hafen in Romanshorn läuft seit der Aufhebung des Lockdowns allerdings gut und hilft den Millionenverlust etwas zu reduzieren. Um das gute Sommergeschäft des Restaurants möglichst zu verlängern, sind im Herbst und Winter Outdoor-Events geplant.

Optimistisch in die Zukunft

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten blickt das Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft. «Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir im Jahr 2021 wieder dort anknüpfen können, wo wir 2019 aufgehört haben», sagt Andrea Ruf. Sie hofft, dass die Maskenpflicht zumindest auf dem Aussendeck bis zum Saisonstart 2021 fällt oder dass eine allgemeine Maskenpflicht die Ungleichbehandlung der Schifffahrt zumindest reduziert.

Das Unternehmen um Hauptaktionär Hermann Hess hält weiter an ihrem Hotelprojekt am Hafen Romanshorn fest, unter anderem auch, um die Abhängigkeit von der Schifffahrt weiter zu reduzieren.

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