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Herbstlicher Rübenduft über Frauenfeld

Ab diesem Sonntag verarbeitet die Zuckerfabrik die ersten Rüben. Weil es gut doppelt so viele einheimische Biorüben gibt wie noch vor einem Jahr, lohnt sich die separate Produktion von Schweizer Bioware.
Stefan Hilzinger
Frauenfeld TG - Joachim Pfauntsch, Werkleiter der Zuckerfabrik Frauenfeld, ist bereit für die diesjährige Kampagne.

Frauenfeld TG - Joachim Pfauntsch, Werkleiter der Zuckerfabrik Frauenfeld, ist bereit für die diesjährige Kampagne.

Die riesige Fläche vor der Fabrik füllt sich langsam. LWKs aus Süddeutschland kippen Fuhre um Fuhre an Biozuckerrüben auf den grossen Platz vor der Zuckerfabrik Frauenfeld. Auch auf dem Industriegleis direkt am Werk kommen Züge voller deutscher Biorüben an. Ein Pneulader schiebt mit seiner riesigen Schaufel die Rüben zu Haufen zusammen.
Am Sonntag nimmt das Werk die Zuckerproduktion auf. Zuerst sind die Biorüben aus Deutschland an der Reihe. Im vergangenen Jahr verarbeitete das Frauenfelder Werk erstmals Rüben aus biodynamischer Produktion, das ist Landwirtschaft nach anthroposophischen Grundsätzen. Auch heuer gibt es wieder Zucker in Demeter-Qualität. Erstmals kann die Zuckerfabrik Frauenfeld in diesem Jahr auch Schweizer Biozucker produzieren und auf dem Markt anbieten. «Wir erwarten eine Ernte von 2500 Tonnen Schweizer Biorüben, das ist mehr als doppelt soviel wie im vergangenen Jahr», sagt Werkleiter Joachim Pfauntsch. Nun lohne es sich, die Ernte getrennt zu verarbeiten und den Zucker separat zu kennzeichnen.

Deutlich kürzere Kampagne

Gemäss der bisherigen Ernteschätzung ist im Werk Frauenfeld mit einer verarbeiteten Rübenmenge von insgesamt 720000 Tonnen (Vorjahr: 811000 Tonnen) zu rechnen. Die Kampagne dauert mutmasslich bis zum 20. Dezember (82 Tage). Im Vorjahr dauerte die Kampagne 93 Tage. Die Biokampagne beginnt am Sonntagmorgen, 30. September, und endet laut Werkleiter Joachim Pfaunsch voraussichtlich am Donnerstag, 11. Oktober, nachmittags, mit dem Transport des letzten Biozuckers zu den Silos. (red)

Doch abgesehen von diesem Lichtblick steht die Rübenproduktion und die Zuckerherstellung in der Schweiz unter anhaltendem wirtschaftlichem Druck. Zwar sagt Pfauntsch: «Ganz so schlecht fällt dieses Jahr für die Ostschweiz gar nicht aus.» Es werde dort punkto Erntemenge und Zuckergehalt bei den Rüben immerhin noch im Fünf-Jahres-Durchschnitt liegen. Dies ist bei der lang anhaltenden Trockenheit doch recht erstaunlich. «Die Rübe ist eine Pflanze, die auch mit widrigen Wetterbedingungen flexibel umgehen kann».

Neue Krankheit setzt dem Anbau zu

Problematischer jedoch waren zwei Krankheiten, die letztendlich vom heissen Sommer profitierten: die Cercospora-Blattflecken (ein Pilz) und das sogenannte «syndrome de basse richesse», eine neue bakterielle Krankheit, die innerhalb der Schweiz bisher vornehmlich in der Westschweiz vorkommt und für die es noch keine deutsche Bezeichnung gibt. Vor allem in der Ostschweiz aber kehren die Landwirte den Rüben wegen des anhaltend tiefen Preises entschieden den Rücken. Das senkt die Auslastung der Werke während der Kampagne. «Wir brauchen aber eine gute Auslastung, um wirtschaftlich zu bleiben», sagt Pfauntsch.

Auslastung dank Import aus Norddeutschland

Daher greift das Frauenfelder Werk auch dieses Jahr wieder auf importierte Rüben aus Deutschland zurück. Nebst den Biorüben sind dies auch grosse Tonnagen konventioneller Rüben unter anderem aus Mecklenburg-Vorpommern. «Täglich ausser Sonntag kommt ein Zug voller Rüben aus Norddeutschland an». In vielen Ländern der EU, auch in Deutschland, hätten die Bauern den Rübenanbau in den vergangenen Jahren um bis zu 20 Prozent ausgedehnt. Davor seien vor einiger Zeit viele Fabriken geschlossen worden. «Der Rohstoff ist zur Genüge da».

Die Importrüben verarbeitet das Werk zu EU-Zucker für Kunden, die solchen Zucker nachfragen und auch ansonsten EU-Zucker importieren. «Schweizer Zucker ist zwar gefragt, aber es gibt auch Kunden, für EU-Zucker», sagt Pfauntsch. Solange die Rübenpreise so tief sind und zudem neue Krankheiten den Anbau erschweren, sei es schwierig, Schweizer Landwirte zu vermehrtem Rübenanbau zu motivieren. Von Seite Schweizer Zucker und der Anbauerverbände werde jedoch intensiv daran gearbeitet, diese Situation wieder zu verbessern.

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