Thurgauer Helfer schlüpfen in eine neue Rolle

Coronakrise: Ab sofort werden im Thurgau Freiwillige für Einsätze im Pflegebereich geschult. Das Interesse an diesen Kursen ist gross.

Christoph Heer
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Vorbereitung auf den Coronaeinsatz: eine Schulung für freiwillige Helfer in Weinfelden

Vorbereitung auf den Coronaeinsatz: eine Schulung für freiwillige Helfer in Weinfelden

Bild: Reto Martin

Freiwillig und fernab von ihrem eigentlichen beruflichen Alltag sind sie gewillt, Neues zu lernen, um sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Menschen verschiedenster Couleur lassen sich gegenwärtig in der Sporthalle und der Aula des Bildungszentrums in Weinfelden aus- und weiterbilden. Sie gehören zu jenen, die sich in der aussergewöhnlichen Lage aufgrund des Coronavirus meldeten.

Michael Anderegg, Geschäftsleiter des Roten Kreuzes (SRK) Kanton Thurgau erklärt: «Unlängst hat der Kanton Thurgau, namentlich der kantonale Führungsstab, einen Aufruf an Freiwillige gestartet, mit dem Ziel, dass diese möglichst zeitnah das Gesundheitswesen unterstützen können.» Der Beginn einer Zusammenarbeit für das Wohl der Bevölkerung.

Quereinsteiger auf Trab bringen

Die grosse Motivation der Teilnehmer ist sowohl im Unterricht des Bildungszentrums für Gesundheit und Soziales (BfGS) wie auch beim SRK spürbar. Haben die Teilnehmer beim BfGS eine medizinische Grundbildung wie etwa Physiotherapeutin oder medizinische Masseurin, bringen jene beim SRK kein Grundwissen aus Medizin und Pflege mit.

Mit einem Kompaktkurs werden diese Teilnehmer nun auf einen Wissensstandard gebracht, der es ihnen ermöglicht, eine Stütze für die Pflegefachpersonen bei der täglichen Arbeit zu sein. Beispielsweise beinhalten die Kurse Themen wie Sturzprophylaxen, Begleitung bei Toilettengängen, allgemeine Arbeiten in der Pflege und Betreuung, sowie den persönlichen Umgang mit Klienten oder Patienten.

Falls vom kantonalen Führungsstab auf diese freiwilligen Helfer zurückgegriffen werden muss, könnten diese an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Ob im Spital, in einem Pflegeheim, in einer Spitex, überall, wo Not am Mann ist, kommen sie zum Einsatz. «Etwas vom Wichtigsten ist, dass die Teilnehmer lernen, auf sich selber acht zu geben. Selbstfürsorge, so das Zauberwort, bedeutet, dass man Drittpersonen nur Gutes tun soll, wenn auch auf sich selbst geachtet wird. Zudem vermitteln wir, dass jeder in eine für ihn ganz neue Rolle kommen kann, in der er aber unbedingt seine Kompetenzen kennen muss und nur auf Anleitung gewisse Arbeiten verrichten darf», sagt Irene Stutz, Leiterin Bildung beim SRK.

In kurzer Zeit aufgegleist

Dass es überhaupt zu diesen Befähigungskursen kommt, ist dem schnellen Reagieren der beiden Anbieter zu verdanken. Das SRK und das BfGS haben in wenigen Tagen ihre Schulungen aufgegleist, Material zusammengestellt, Dozenten ausgesucht, Filme und Flipcharts erarbeitet und das alles stets im Wissen, den kantonalen Führungsstab zu unterstützen. Dieser schreibt denn auch auf seiner Website: «Um das Gesundheitswesen zu stärken, sind Personen gesucht, die bereit wären, freiwillige Einsätze zu leisten. Gefragt sind sowohl Personen mit einem medizinischen Hintergrund, als auch solche, die bereit wären, in anderen Bereichen Unterstützung zu bieten, etwa beim Transport, der Reinigung, oder in der Logistik.»

Aus einem gemeinsamen Personalpool sollen Spitäler, Gemeinden und Institutionen alimentiert werden. Für einen Einsatz kommen laut Kanton gesunde Personen unter 65 Jahren in Frage, die keiner Risikogruppe angehören.

Mittlerweile sind 2587 Meldungen (stand Freitagabend) eingegangen, Meldungen von Freiwilligen, die sich mit Engagement und Bereitschaft dazu bereit erklärt haben, mitzuhelfen.

Helden sind sie ausnahmslos. Wie alle, die derzeit tapfer weiterhin ihrer Arbeit nachgehen. Beispielsweise das Pflegepersonal oder alle Chauffeure und Verkäufer, die ihre Aufgaben wie auch im «normalen» Leben tagtäglich erledigen.

Hinweis

Anmeldungen zur elektronischen Einsatzplanung findet man unter: https://thurgau.staff.cloud/recruiting. Auskünfte unter: logistik-kfs@tg.ch.