Heisskalt in die Zukunft: Frauenfeld will auf klimaneutrale Fernwärme setzen

Die vom Gemeinderat genehmigten Reglemente machen die Werkbetriebe Frauenfeld handlungsfähig. Das ermöglicht Innovation. Seien es Wärmenetze oder auch Batteriespeicher.

Mathias Frei
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Oktober 2018: Die Wärmering-Baustelle in Frauenfeld in der Grabenstrasse zwischen Passage und Altstadt. David Dünnenberger und Erich Stucky von den Werkbetrieben erklären, was wo ist.

Oktober 2018: Die Wärmering-Baustelle in Frauenfeld in der Grabenstrasse zwischen Passage und Altstadt. David Dünnenberger und Erich Stucky von den Werkbetrieben erklären, was wo ist.

(Bild: Andrea Stalder)

Läuft. Das lässt sich zum Geschäftsbereich Fernwärme der Werkbetriebe Frauenfeld (WBF) sagen. Der Wärmering schliesst bereits im zweiten Betriebsjahr unter dem WBF-Dach – in der Rechnung 2019 – mit einem kleinen Gewinn ab. Budgetiert war ein Minus.

«Und sobald dank dem Neubau auch die Badi angeschlossen ist, sind wir einen grossen Schritt weiter.»

Das sagt Stadtrat Fabrizio Hugentobler, der den WBF vorsteht. Spätestens dann soll sich der Wärmering nicht nur ökologisch, sondern auch langfristig wirtschaftlich auszahlen. Fernwärme ins Haus geliefert soll sich aber nicht nur auf den bestehenden Wärmering beschränken.

Stadtrat und Werke-Vorsteher Fabrizio Hugentobler auf dem Areal der Werkbetriebe.

Stadtrat und Werke-Vorsteher Fabrizio Hugentobler auf dem Areal der Werkbetriebe.

(Bild: Reto Martin)

Stadtrat Hugentobler spricht von der Kälte-Wärme-Strategie, die in Erarbeitung ist. Frauenfeld will in Zukunft auf dezentrale Fernwärmenetze setzen. «Überall dort, wo Abwärme entsteht, etwa in der Industrie, soll dieses Potenzial auch genutzt werden.» Dabei geht es laut Hugentobler darum, die entsprechenden Netze zu erstellen und erneuerbare Wärme liefern zu können. Die Wärmeproduzenten entschädigen die WBF sodann für die Netznutzung. Das soll auch einen Wildwuchs im Netzbau verhindern. Ein Beispiel für ein bestehendes Netz gibt es auf der Kleinen Allmend. Es wird mit der Abwärme der Kunsteisbahn gespeist und reicht von der Turnfabrik bis zum Auen-Schulhaus.

Die Werkbetriebe Frauenfeld aus der Vogelperspektive.

Die Werkbetriebe Frauenfeld aus der Vogelperspektive.

(Bild: Reto Martin)

Fernwärme im Gasnetz ist nicht möglich

Die Stadt will auf dem gesamten Stadtnetz dezentrale Fernwärme etablieren.

«Die Haltung des Stadtrats ist, dass wir nicht übermorgen die Gasversorgung kappen, aber heute schon eine klimaneutrale Wärmeerzeugung planen.»

Kommt hinzu, so Hugentobler, dass es derzeit für eine flächendeckende Fernwärmeversorgung noch einen zu grossen Bestand an schlecht isolierten Gebäuden gibt. Aber mittelfristig soll unter anderem Fernwärme Gasheizungen ablösen. Das Problem der Zukunft des Gasnetzes ist damit noch nicht gelöst. Wie Hugentobler sagt, sind die Leitungsmasse für Gas und Fernwärme zu unterschiedlich, dass man das Netz umnutzen kann. «Vielleicht wäre es aber für synthetische Gase möglich.»

Auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld.

Auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Auftrieb erhält die Kälte-Wärme-Strategie aber nicht zuletzt durch die kürzliche Genehmigung der beiden für die WBF wichtigen Reglemente durch den Gemeinderat – einerseits das WBF-Reglement, andererseits das Gas-Tarifreglement.

«Wir haben nun die Legitimation für zukunftsgerichtete Projekte.»

Das sagt Hugentobler. Gleichwohl ändere das nichts an den Finanzkompetenzen. Die allermeisten Projekte müssten dem Gemeinderat vorgelegt werden. «Mit dem Gesamtpaket, also inklusive der Lösung zur Gewinnablieferung, kann ich gut leben.» Hugentobler hofft nun, dass die Reglemente nach der Schlussabstimmung im Juni und der üblichen Referendumsfrist auf den 1. August in Kraft gesetzt werden können.

Eingangsbereich der Werkbetriebe Frauenfeld.

Eingangsbereich der Werkbetriebe Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Ein anderes Thema für die WBF sind weitere Kooperationen mit kleineren Gemeindewerken in der Region. Dabei gehe es aber in keiner Weise darum, Werke zu übernehmen, sondern sie mit Dienstleistungen zu unterstützen, sagt Hugentobler. Und dann gibt es noch das Batteriespeicher-Projekt – das auch schon im Budget eingestellt war, aber noch nicht in Angriff genommen wurde. Im Fokus stehen dezentrale Speicher etwa für eine Überbauung oder eine Einfamilienhaussiedlung. Der mittels Fotovoltaik produzierte Strom auf dem Dach muss nicht zum Produktionszeitpunkt genutzt werden, sondern kann eine gewisse Zeit gespeichert werden. Eine andere Speichertechnologie ist Power-to-Gas, also die Umwandlung von Strom in synthetisches Gas. Stadtrat Hugentobler urteilt:

«Interessant, aber noch nicht serienreif.»
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