Heiri Schmid ist Weltenbummler und Globizeichner – heute wohnt er in Wuppenau

Der heute 83-Jährige hat nie Globizeichner werden wollen – und doch erstellt er noch immer Geschichten in seinem Atelier.

Janine Bollhalder
Drucken
Teilen
Heiri Schmid hat auch für Werbezwecke gezeichnet – hier für die Marke Sinalco.

Heiri Schmid hat auch für Werbezwecke gezeichnet – hier für die Marke Sinalco.

(Bild: Reto Martin)

In einem unscheinbaren Haus in Wuppenau sind diverse Globibücher entstanden. Das bemerkt allerdings erst, wer die Schubladen öffnet – oder geöffnet bekommt. In Heiri Schmids ehemaligem, kleinem Büro sind die Erinnerungen ordentlich verstaut. «Ich habe meinen Arbeitsplatz und Wohnort in eine Einzimmerwohnung im Dorf verlegt», sagt Schmid. Seine Frau, auch Künstlerin, wirke jetzt hier. «Wir machen noch viel zusammen, ein Paar sind wir aber schon länger nicht mehr», sagt Schmid.

Nicht nur die Schubladen enthalten Erinnerungsfragmente: Schmid nimmt ein Buch nach dem anderen aus dem Regal, das sich fast der ganzen Bürowand entlang erstreckt. Flink bewegt er sich hin und her, präsentiert Zeichnungen und Fotografien aus seiner ganzen Karriere.

«Viele denken, Globi bei der Post wäre mein erstes Comic-Buch gewesen», sagt der 83-Jährige. In Wahrheit habe sich das erste Buch, mit dem er in die Globi-Welt eingetaucht sei, um den Onkel von Globi gedreht. McGlobi. «Moment, irgendwo habe ich noch ein Exemplar», sagt er.

Mit dichtem Bart und kurzen Haaren in Südafrika

Heiri Schmid hat nicht davon geträumt, Globi zu zeichnen. Durch zufällige Begebenheiten in seinem bewegten Leben ist es dazu gekommen. Mit einer gewissen Melancholie sagt Schmid:

«Ich wollte eigentlich Fotograf werden.»

Früher habe er bei seinem Vater in dessen Schneiderei gezeichnet. «Manchmal auf der Nähmaschine, weil da so wenig Platz war», erinnert Schmid sich. Der Papa habe ihn im Zeichnen gefördert: «Er sagte mir immer: Werde ja nicht Schneider.» Rückblickend findet Schmid das schade. «Vielleicht wäre ich ja Modezar geworden», sagt er, leicht grinsend, halb ernst. «Susi hat Schneiderin gelernt. Und sie hat als Modezeichnerin gearbeitet», sagt er. Susi Wyss, die Frau, die Schmid in Südafrika geheiratet und in Paris verlassen hat. Zusammen haben sie einen Sohn, Morgan.

Zur Person

Heiri Schmid
(Bild: Reto Martin)

Heiri Schmid

Er hat drei Kinder. Sein Sohn Morgan stammt aus der ersten Ehe mit Susi Wyss. Aus zweiter Ehe mit Brigit Gehry hat Schmid zwei Kinder. Ein Junge: Noa («Untalentiert in den meisten Sportarten, aber begnadeter Seifenkistenfahrer und Autofan wie ich.») und ein Mädchen: Lea («Ihre Tochter kommt nach mir, sie ist eine Künstlerin.»). Heiri Schmid ist gelernter Grafiker. Er ist für seine Arbeit als Globizeichner bekannt geworden, hat aber auch Projekte in der Werbebranche gemacht sowie Illustrationen kreiert (etwa für den «Blick» und den «Spick»). Der 83-Jährige lebt in Wuppenau und während einiger Sommermonate auch in Griechenland – «Eigentlich sollte man es ja umgekehrt machen».

Nach seiner Lehre, einem Jahr als Angestellter sowie zwei Jahren als selbstständiger Grafiker, ist Schmid nach Johannesburg gereist. Das war vor etwa 60 Jahren. «Da habe ich als Angestellter fast den doppelten Lohn als in der Schweiz bekommen», sagt er. Vier Jahre habe er dort gelebt. Er habe in verschiedenen Agenturen gearbeitet. Die Grafiker hätten es gut untereinander gehabt. «Wir haben uns dichte Bärte wachsen lassen, um die Kunden zu erschrecken», erzählt er mit einem spitzbübischen Grinsen. Sonst hätte er seine Haare kurz getragen, entgegen dem damaligen Frisurentrend. «Viele dachten deswegen, ich wäre schwul», sagt er. In Südafrika habe er schnell gut verdient. Zum Glück, denn: «Susi hat ihre Stelle als Zeichnerin bald aufgegeben – dann heirateten wir, damit es keine Probleme mit der Aufenthaltsbewilligung gibt.»

«Blüttlen »in Paris

Anfang der 60er-Jahre reiste das Ehepaar nach Paris. «Nach einiger Zeit haben wir eine schöne Wohnung mit einem grossen Balkon gefunden», sagt Schmid und erzählt, dass sie oft nackt mit Freunden dort im Sonnenschein gelegen haben. Sie haben «geblüttlet», wie er das ausdrückt. Während seiner Zeit in Frankreich habe Schmid viele Berühmtheiten kennen gelernt. Er erzählt:

«Nicht nur durch Susi, ich habe mich auch selbst mal auf einer Party von Roman Polanski wiedergefunden.»

Ende der 60er-Jahre habe er die Stadt aber wieder verlassen: «Die Ehe mit Susi lief nicht gut.» Und er habe ein Portfolio machen wollen, um dann international als Fotograf durchstarten zu können. «Fotografieren gelernt habe ich noch in Johannesburg.» Aufträge für ihn als Fotograf ergaben sich in der Schweiz aber nicht genügend. Dafür als Zeichner. «Zuhinterst in meinem Portfolio habe ich noch Illustrationen eingefügt», erzählt er. Die Mappe sei noch da. Schmid nimmt sie aus dem Regal, schlägt sie auf: nackte Frauen – fotografiert und gezeichnet. Er erinnert sich:

«Früher war das noch schwierig mit den Nacktbildern, die Models waren zu teuer. Es war einfacher, sie zu zeichnen.»

Heute sei das ja oftmals anders. Schmid arbeitete auch für ein Sexologie-Heft als Artdirector und Illustrator.

Der Erfinder des «Blick-Käfers»

20 Jahre lang zeichnete er zudem für das «Magazin» vom «Tagesanzeiger». Hauptsächlich für die Konsumenten-Rubrik «Katys Tipps». Auch davon präsentiert er Bilder. Eines davon zeigt Leute in einem Restaurant, Zigaretten im Mund, die Decke durch die Rauchwolke nicht mehr sichtbar. «Zu dieser Zeit hat man ja in den Lokalen noch geraucht.» Zu dieser Zeit habe er auch mit der Airbrush-Technik angefangen. Mit den Illustrationen im «Magazin» ist er bekannt geworden. Er habe stets als Freelancer gearbeitet und «nur die besten Agenturen sind zu mir gekommen.» Besonders viele Arbeiten habe er für das Möbelhaus «Interio» gemacht. «Ein guter Kunde», sagt er.

Heiri Schmid Ausschnitten seiner Illustrationen.

Heiri Schmid Ausschnitten seiner Illustrationen.

(Bild: Reto Martin)

Auch ein Wegbegleiter Schmids war der «Blick-Käfer», der im Jahr 2019 seinen 40. Geburtstag feierte. «Ich sollte einen Glücks-Käfer für einen Wettbewerb zeichnen.» Zu diesem Job sei er durch einen bekannten Grafiker gekommen. Danach seien mehr Aufträge für Käfer-Zeichnungen gekommen, sogar eine ganze Seite. Schmid erinnert sich, dass der damalige Chefredaktor Peter Übersax, der von den Mitarbeitern liebevoll «Übersex» genannt wurde, auf der Käfer-Seite auf zwei Käfer beim Geschlechtsverkehr hoffte. Schmid hat die Seite im Erinnerungsalbum seiner Arbeiten inzwischen aufgeschlagen. «Vielleicht finde ich diese beiden Käfer noch», murmelt er, dicht über die Seite gebeugt.

Die Sonne geniesst er in Griechenland

Neben Illustrationen wollte Schmid auch Comics zeichnen – so kam er zum Globiverlag. Sein erstes Globi-Comic-Heft trägt den Namen «Die Pizza Verschwörung» und drehte sich eben um den Onkel von Globi – McGlobi aus Schottland. «Ich bin nicht stolz auf dieses Buch», sagt Schmid nachdenklich. Heute könnte er es besser.

Sein zweites Buch für den Globiverlag drehte sich dann um Globi selbst – bei der Post. «Das Thema war da, aber der damalige Zeichner Peter Heinzer hat das nicht so gerne machen wollen», sagt Schmid. Er habe das Thema gerne übernommen, denn «ich habe ein gutes Verhältnis zur Post und den Pöstlern gehabt.» Das Buch «Globi bei der Post» wurde zum Erfolg, 90'000 verkaufte Exemplare im ersten Jahr. «Es gab sogar eine Sonderbriefmarke», sagt Schmid und deutet stolz auf die Wand hinter dem Schubladenregal: Mehrere Marken, eingerahmt. «Sechs Millionen Stück sind verkauft worden.» Eine Umsatzbeteiligung habe er aber nicht bekommen. Und auch zu diesem Buch fügt er selbstkritisch an: «Heute hätte ich es schöner gemacht.»

Skizzen und Zeichnungen für McGlobi von Heiri Schmid.

Skizzen und Zeichnungen für McGlobi von Heiri Schmid.

(Bild: Reto Martin)

Heute arbeitet Heiri Schmid mit dem Computer. «Ich kann von überall damit arbeiten», sagt er. «Es verblüfft mich immer noch, dass ich den Computer hier einpacken und in Griechenland wieder hochfahren und weiterarbeiten kann.» Schmid verbringt einige Sommermonate in Griechenland, in einem Haus, welches er als Ruine gekauft habe. «Dort wurde einst Olivenöl gemacht», erzählt er. Vor kurzem sei er wieder in die kühle Schweiz zurückgekommen – mit einer dezenten Bräune, die den 83-Jährigen noch lebendiger wirken lässt.

Seit 1976 hat Schmid zwölf Globibücher gezeichnet, das letzte – «ein tolles Exemplar» – wartet nur noch auf das Okay vom Verlag. Er habe auch schon ein Globi-Kochbuch gezeichnet sowie Malbüchlein und Quartette. Wie lange er das noch machen wird? «Solange meine Gesundheit es erlaubt.»

Mehr zum Thema

KINDERBUCH: Die karierte Hose der Schweiz

Heute erscheint ein neues Globibuch. Es zeigt exemplarisch, wie aus dem frechen Vogel ein braver Wissensvermittler wurde. Globi muss aufpassen, dass er seine Seele nicht an den Meistbietenden verkauft.
Katja Fischer De Santi