Heimatschutz
Die aktuelle «Bauwut» bringe regelrechte «Baugeschwüre» hervor – der Thurgauer Heimatschutz kämpft an immer mehr Fronten

Schützenswerte Bauten im Fokus: Der Thurgauer Heimatschutz kämpft in vielen Gemeinden für den Erhalt von Ortsbildern. Dies verursacht vor allem steigende Rechtskosten. Das kann der Verein längerfristig mit seinen Mitgliederbeiträgen nicht decken.

Emil Keller
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Der Frauenfelder Stadtbaumeister Christof Helbling erklärt den Mitgliedern des Heimatschutzes die bauliche Vision für das Areal Murgbogen.

Der Frauenfelder Stadtbaumeister Christof Helbling erklärt den Mitgliedern des Heimatschutzes die bauliche Vision für das Areal Murgbogen.

Bild: Emil Keller

«Es ist als Präsident nicht immer sehr ermunternd, was für Reaktionen man auf seine Arbeit bekommt», sagte Uwe Moor einleitend zur Generalversammlung des Thurgauer Heimatschutzvereins am Freitagabend. Der Posten des Präsidenten verlange durch die Verwicklungen in Rechtsfälle einiges von ihm ab. Und nicht selten würden dem Verein auch von offizieller Seite Steine in den Weg gelegt werden.

«Ich nehme die Anfeindungen jedoch nicht persönlich», sagte Moor guten Mutes und strich die Wichtigkeit der Arbeit hervor. Die derzeitige Bauwut im Thurgau würde vor allem an den Rändern von Dörfern und kleinen Städten regelrechte Gebäudegeschwüre hervorbringen. Geschützte Objekte würden belagert von Neubauten. «Da ist es wichtig, dass wenigstens wir Rücksicht nehmen auf den Erhalt unserer Baukultur», so der Präsident.

Der Heimatschutz kämpft an vielen Fronten

Dass es städteplanerisch Hand in Hand mit bestehenden Bauten geht, zeigte der Frauenfelder Stadtbaumeister Christof Helbling einleitend zur Versammlung. Das Areal der Stadtkaserne und des Murgbogens soll so transformiert werden, dass die nächste Generation Platz für 7000 neue Wohnungen und 5500 Arbeitsplätze hat und gleichzeitig die Stadt Frauenfeld ansehnlich bleibt.

Doch nicht immer ist der Heimatschutz im Thurgau mit Projekten mit so viel Weitblick konfrontiert, weshalb gegen Baugesuche an geschützten Objekten oft Beschwerde eingereicht wird. Nicht selten werde versucht, den Einfluss des Vereins zu umgehen, indem Bauvorhaben gar nicht an den Verein gemeldet werden.

In der Gemeinde Berg etwa konnten demnach durch Rekurse sechs Objekte zusätzlich unter Schutz gestellt werden. In Arbon wird gleich an drei Fronten für den Erhalt des Heimatbilds gekämpft: Die «Wunderbar» soll vor dem Abbruch bewahrt werden, keine Hochhäuser durch das Projekt «Riva» am See entstehen und die ohne Baubewilligung erstellten Metallkonstruktionen beim Restaurant Kreuz verschwinden. In Kreuzlingen wird möglicherweise ein altes Rebhäuschen aus der Stadtmitte komplett in die Rebberge im Seeburgpark umplatziert, und im Schloss Eugensberg bei Salenstein wehrt man sich gegen das Herausreissen von zwei Innenwänden.

Der Verein braucht mehr Mitglieder – und mehr Geld

All diese Rechtsfälle schlagen zu Buche: Allein vergangenes Jahr kosteten diese rund 20'000 Franken. Obwohl die Zahl der 400 Mitgliederbeiträge über die Jahre stabil ist, führen die steigenden Rechtskosten dennoch zu einem Rückgang des Vermögens.

«Um finanziell langfristig abgestützt zu sein, müssen wir unsere Mitgliederzahl verdoppeln.»

Präsident Moor rief dazu auf, neue Interessenten anzuwerben. Der Vorstand konnte durch die Wahl von Landschaftsarchitekt Ekkehard Fuchs gestärkt werden. Gleichzeitig wird aktiv nach einem neuen Präsidenten sowie Rechnungsrevisoren gesucht.

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