Heiliger Geist 2.0: In Frauenfeld gehen die beiden Kirchgemeinden mit der Seelsorge online, um die Kirchgänger weiterhin abholen zu können 

In Frauenfeld warten Evangelische und Katholiken in Zeiten von Corona mit neuen Seelsorgeangeboten auf.

Mathias Frei
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Die erste Gottesdienst-Übertragung von vergangenem Sonntag in der evangelischen Stadtkirche mit Pfarrer Samuel Kienast.

Die erste Gottesdienst-Übertragung von vergangenem Sonntag in der evangelischen Stadtkirche mit Pfarrer Samuel Kienast.

(Bild: Youtube)

Menschenleer ist die evangelische Stadtkirche. Pfarrer Samuel Kienast steht am Altar. «Liebe Gemeinde, liebe Zuschauer, liebe Zuhörer», begrüsst er in die Kamera. So beginnt die erste Liveübertragung eines Gottesdienstes der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld. Mit insgesamt drei Personen unter Einhaltung des Social Distancing ging dieser Livestream am Sonntag über die Bühne. Bis auf weiteres läuft der Video-Livestream jeden Sonntag um 10 Uhr auf dem Online-Auftritt von evangelisch Frauenfeld.

Thomas Markus Meier, Theologischer Leiter Pfarrei St.Anna, Frauenfeld.

Thomas Markus Meier, Theologischer Leiter Pfarrei St.Anna, Frauenfeld.

(Bild: PD)

Bei den Frauenfelder Katholiken gab es am Sonntag zur Nachschau, also nicht live, eine Eucharistiefeier aus der katholischen Stadtkirche auf der Website. Auch hier ein Trio, unter anderem mit Priester Jacob Chanikuzhy. Das Seelsorgeteam der Pfarrei St.Anna Frauenfeld stellt seit vergangenem Donnerstag jeden Vormittag einen Tagesimpuls – sonntags «ein gottesdienstliches Angebot» – in Form eines Videobeitrags online.

Keine Taufen und auch keine Trauungen

Haru Vetsch, Pfarrer evangelisch Frauenfeld.

Haru Vetsch, Pfarrer evangelisch Frauenfeld.

(Bild: PD)

Öffentliche Gottesdienste sind in Zeiten von Corona abgesagt, nicht aber der Glauben. Verschiedenste Formen des kirchlichen Lebens seien ausgesetzt, sagt Pfarrer Haru Vetsch von der evangelischen Kirchgemeinde. «Das ist einschneidend, nicht nur für regelmässige Kirchgänger.» Denn es gibt keine Taufen, keine Trauungen, und Abdankungen sind nur im engsten Kreis erlaubt.

Thomas Markus Meier, Theologischer Leiter der Pfarrei St.Anna Frauenfeld, sagt:

«Wir wollen weiterhin für die Menschen da sein.»

Deshalb habe man Angebote entwickelt, die schnell und unkompliziert umsetzbar sind und möglicherweise auch nach Corona beibehalten werden. Denn Meier ist auch der Meinung: «Wir dürfen nun nicht zu sehr in Aktionismus verfallen.» Die Tagesimpulse seien oft mit dem Smartphone gefilmt, die Inhalte also um einiges aufwendiger als die technische Umsetzung, sagt Meier. Die Videobeiträge werden nicht auf Vorrat produziert, sondern täglich. «So können wir auf Aktualitäten eingehen.» Das neunköpfige St.-Anna-Seelsorgeteam wechselt sich ab, auch weitere Pfarreimitglieder werden Impulse sprechen. Wichtig ist Meier auch die lokale Verortung, also die Aufnahmeorte oder auch bekannte Gesichter aus der Pfarrei. Weiter plant die Pfarrei St.Anna, in den kommenden Tagen eine Live-Chatplattform auf der Website aufzuschalten. Täglich von 20 bis 21 Uhr wartet ein Mitglied des Seelsorgeteams auf Chatter, die über Gott und die Welt schreiben wollen.

«Der soziale Austausch steht im Vordergrund», sagt Meier.

Bei der evangelischen Kirchgemeinde haben multimediale Vermittlungsformen eine Tradition. «Audio-Liveübertragungen von Gottesdiensten gibt es bei uns seit acht Jahren», sagt Vetsch. Zwei treue Kirchgängerinnen aus der «Friedau» kamen lange zu Fuss in den Sonntagsgottesdienst, dann mit dem Rollator, am Schluss mit dem Taxi. Als es nicht mehr ging, wünschten sie sich eine Audioübertragung. Und Vetsch entsprach diesem Wunsch mit Unterstützung einer externen Firma. Der Schritt von der Übertragung in den Gemeinschaftsraum der «Friedau» zu einer Audio-Onlineübertragung war dann nur noch ein kleiner. Bei diesen Übertragungen sind im Schnitt gegen 40 Personen länger als 15 Minuten online. Vetsch hat erfahren, dass sich für den Video-Livestream am vergangenen Sonntag zwei junge Kirchgänger in einer Videokonferenz getroffen haben.

«So kann man gemeinsam am Gottesdienst teilhaben.»
Zwei junge Kirchgänger treffen sich in einer Videokonferenz, um gemeinsam an der Live-Übertragung des Gottesdienstes teilzunehmen.

Zwei junge Kirchgänger treffen sich in einer Videokonferenz, um gemeinsam an der Live-Übertragung des Gottesdienstes teilzunehmen. 

(Bild: PD)

Telefonseelsorge ist bei den Evangelischen wie auch den Katholiken ein Thema. «Per Telefon ein Gebet zu sprechen, ist höchstens am Anfang gewöhnungsbedürftig», sagt Vetsch.

Erstkommunionsfeier definitiv verschoben

Bei den Evangelischen stehen die Konfirmationssonntage am 3. und 10.Mai an. «Ob es zeitlich reicht, wissen wir aktuell noch nicht», sagt Vetsch. Bei den Katholiken findet der «Weisse Sonntag», also die Erstkommunionsfeier am 19.April, laut Meier definitiv nicht statt. Eine Verschiebung nach hinten sei angedacht. Ob die Firmung im Juni wie geplant durchgeführt werden kann, wird nach Ostern entschieden.

Die beiden Kirchgemeinden: www.evang-frauenfeld.ch und www.kath-frauenfeldplus.ch

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