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Heilige «take away» aus dem Kloster St.Katharinental statt Fussballstars

Gestochene und geschnittene Kunstwerke: In den Frauenklöstern in Diessenhofen und Steckborn entstanden ab Mitte des 14.Jahrhunderts kleine Andachtsbilder, die man als Buchzeichen fürs Gebetsbuch verwendete.
Mathias Frei
Bemalter Papierschnitt: ein Andachtsbildli zu Ehren der heiligen Anna aus St.Katharinental. (Bild: PD)

Bemalter Papierschnitt: ein Andachtsbildli zu Ehren der heiligen Anna aus St.Katharinental. (Bild: PD)

Bildli sind nicht gleich Bildli. Allein in der Schweiz sind heuer 250 Millionen Panini-Bildli in den Verkauf gegangen. Ronaldo, Neymar oder Shaqiri in x-facher Ausführung. Früher betete man andere an, zum Beispiel die heilige Anna. In den Evangelien findet sie zwar keine Erwähnung. Andernorts wird sie aber als Marias Mutter betrachtet. Das Andachtsbildli der heiligen Anna ist ein Einzelstück. Es misst gerade mal 11,5 auf sieben Zentimeter und ist ein Papierschnitt, ein sogenanntes Spitzenbild. Zu finden ist das Bildli in einem Album von Katharinentaler Andachtsbildli, das aus einem Nachlass diesen Frühling übergegangen ist an das Kleine Hausmuseum des Klosters St.Katharinental bei Diessenhofen. Das St. Anna-Bildli wurde wohl in der zweiten Hälfte des 18. oder anfangs des 19. Jahrhunderts gefertigt. Betty Sonnberger bewundert die hohe Kunstfertigkeit dieses und anderer Andachtsbildli. Die Kunsthistorikerin ist bei der Thurgauer Denkmalpflege für kirchliche Kunstgegenstände zuständig. Im Rahmen des Juli-Museumshäpplis des Historischen Museum Thurgau hat sie sich dem Thema der kleinen Andachtsbilder angenommen.

Arbeit wird für Ordensfrauen zur Kontemplation

Betty Sonnberger, Kunsthistorikerin bei der kantonalen Denkmalpflege. (Bild: PD)

Betty Sonnberger, Kunsthistorikerin bei der kantonalen Denkmalpflege. (Bild: PD)

Andachtsbilder, eigentlich aber Skulpturen, hatten als Motiv häufig Christus als Leidenden. Diese Figurengruppen waren in Kirchen und Kapellen zu finden. Mitte des 14.Jahrhunderts aber kam das Bedürfnis auf, Andachtsbilder in klein persönlich zu besitzen und mit sich zu tragen, gewissermassen als schmuckes Buchzeichen im Gebetsbuch. In Frauenklöstern wurden sie gefertigt, etwa im Katharinental oder auch im Steckborner Feldbach. In den folgenden Jahrhunderten dokumentierten Andachtsbildli zwar die Entwicklung der Drucktechnik. Weiterhin war aber jedes zweite Bildli mit der Nadel gemalt, also gestochen. «Die Herstellung von Andachtsbildern war eine angemessene Beschäftigung für eine Klosterfrau», erklärt Betty Sonnberger. Mit diesem Kunsthandwerk wurden in erster Linie Gönner beschenkt. Aber die Andachtsbildli waren auch eine Einnahmenquelle, wenn sie auf Bestellung gefertigt wurden. Trotz des wirtschaftlichen Aspekts war die Arbeit an den Bildli für die Klosterfrauen mehr Rekreation und Kontemplation denn Arbeit an sich, wie Sonnberger erklärt. So hatten diese Bildli eine Sinnhaftigkeit für die Ordensfrauen. Das kleine Andachtsbild sei eine wertvolle Quelle, «die uns über die mannigfachsten Frömmigkeitserscheinungen Kunde bringt», heisst es bei Werner-Konrad Jaggi, dem langjährigen Leiter des Zentralkatalogs des Landesmuseums. Er spricht von einer «heiteren Freude am Heiligen», welche diese Bildchen heute noch ausstrahlten.

Zur Anwendung kam die sogenannte Nadelmalerei, bei der mit zwei Nadeln so gestickt wurde, dass auf beiden Seiten dasselbe Motiv zu sehen war, auf der Hinterseite einfach spiegelverkehrt. «Die Fäden werden so kunstvoll vernäht, dass man keine verstäteten Enden sieht», erklärt Sonnberger. Eine weitere Entwicklung nahmen die Bildli ab dem 17. Jahrhundert. Mit Messer oder Schere wurden aus Papier filigrane Bilder geschnitten und danach bemalt, wie beim St.Anna-Bildli.

Das nächste Häppli kocht Suppenwürze auf

Jeden letzten Donnerstag im Monat lädt das Historische Museum Thurgau zum Museumshäppli ins Schloss Frauenfeld. Die unterhaltsamen Kurzreferate, die keinen Eintritt kosten, beginnen um 12.30 Uhr, dauern 30 Minuten und sind sogar in den Sommermonaten stets gut besucht. Als nächstes Museumshäppli steht am 30. August «Suppenwürze seit 1886» auf dem Programm. Der stellvertretende Museumsdirektor Dominik Schnetzer befasst sich mit dem Frauenfelder Julius Maggi und seiner bekannten Fertigbouillon. (ma)

historisches-museum.tg.ch

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