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Hebamme kritisiert Thurgauer Regierung – Argumente zum Geburtshaus St.Gallen seien nicht schlüssig

Kommt das neue Geburtshaus St.Gallen auf die Thurgauer Spitalliste, gibt es nur Gewinner. Davon ist der Vorstand des Vereins Thurgauer Hebammen überzeugt. Er fordert den Regierungsrat zum Handeln auf.
Larissa Flammer
Ein Baby in der Krippe. (Bild: Sarah Nickerson/Getty)

Ein Baby in der Krippe. (Bild: Sarah Nickerson/Getty)

Andrea Weber ist nicht zufrieden mit der Regierung des Kantons Thurgau. Die Präsidentin des Vereins Thurgauer Hebammen stört sich am Entscheid des Kantons, das Geburtshaus St. Gallen zurzeit nicht auf die Spitalliste aufzunehmen.

Ein grosses Fragezeichen setzt sie hinter die Argumentation des Regierungsrats. In der Antwort auf einen politischen Vorstoss hiess es: «Ein Sparpotenzial erblickt der Regierungsrat in der Aufnahme des Geburtshauses St.Gallen auf die Thurgauer Spitalliste nicht.»

Andrea Weber kann sich nicht erklären, wie der Kanton zu diesem Schluss kommt. Sie betont:

«Eine Geburt im Geburtshaus ist günstiger als eine im Spital.»

Da der Wohnkanton 55 Prozent der anfallenden Kosten bezahlen muss, profitiere er doch davon, wenn Thurgauerinnen im günstigeren Geburtshaus gebären würden.

Nicht alle Frauen können das finanzielle Risiko eingehen

Andrea Weber, Präsidentin Verein Thurgauer Hebammen. (Bild: Donato Caspari)

Andrea Weber, Präsidentin Verein Thurgauer Hebammen. (Bild: Donato Caspari)

Weiter kritisiert Andrea Weber den regierungsrätlichen Verweis auf die freie Spitalwahl. Zwar übernehmen Grundversicherung und Wohnkanton alle Kosten, solange die Geburt im Geburtshaus ohne Komplikationen verläuft. Wird jedoch eine Verlegung ins Kantonsspital St.Gallen nötig, muss die Frau oder ihre Zusatzversicherung die Kosten übernehmen, die über den Thurgauer Referenztarif hinausgehen.

Andrea Weber sagt: «Die Wahlfreiheit ist also eingeschränkt.» Wer keine Zusatzversicherung habe, könne sich das Risiko einer persönlichen Kostenübernahme allenfalls nicht leisten.

In Thurgauer Spitälern sind Hebammen untergeordnet

Das Argument des Regierungsrats, dass in den Kantonsspitälern Frauenfeld und Münsterlingen die hebammengeleitete Geburt bereits angeboten wird, lässt Andrea Weber ebenfalls nicht gelten.

«Da gibt es ein Verständnisproblem: Wenn eine Hebamme den Gebärsaal leitet, ist das noch keine hebammengeleitete Geburt.»

In den Thurgauer Spitälern gebe es kein Setting, in dem eine Hebamme eine Geburt selbstverantwortlich leite. Die Hebammen seien den Ärzten untergeordnet, eine 1:1-Betreuung nicht immer möglich.

Einzige Ausnahme: die Beleghebammen, die mit ihren Frauen ins Spital kommen. Die Präsidentin der Hebammen erklärt: «Diese sind aber nicht beim Spital angestellt. Ausserdem gibt es im Thurgau bald zu wenige Beleghebammen, da der Nachwuchs fehlt.»

Thurgauerinnen und St.Gallerinnen kennen sich

Es gab im Kanton mal ein eigenes Geburtshaus – genauer in Fruthwilen. Andrea Weber erinnert sich, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert hat. Damals übernahm jedoch nur die Zusatzversicherung die Kosten. «Aus diesem Grund war es irgendwann nicht mehr rentabel», sagt die Präsidentin. Auch das Geburtshaus Artemis im st.gallischen Steinach bei Arbon schloss 2011 aus betriebswirtschaftlichen Gründen.

Damit das Geburtshaus St.Gallen nicht irgendwann vor dem gleichen Problem steht, fordert Andrea Weber den Thurgauer Regierungsrat auf, das mögliche Sparpotenzial noch einmal zu überprüfen und sich mit dem Geburtshausteam sowie anderen Kantonen mit Geburtshäusern auszutauschen. Sie sagt:

«Alle Thurgauer Familien sollen frei entscheiden können, wo ihr Kind zur Welt kommt. Und das nicht erst in drei oder vier Jahren.»

Die Thurgauer Hebammen und die Betreiberinnen des Geburtshauses kennen sich bereits. Andrea Weber sagt: «Wir waren an der Eröffnung und wir machen unsere Schwangeren auf das Angebot aufmerksam.»

Das neue Geburtshaus konnte zudem von einem Fonds profitieren, den die Ostschweizer Sektion des Hebammenverbands mit dem übrig gebliebenen Geld vom Geburtshaus Artemis angelegt hat.

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