HC Thurgau fordert im Cup Ambri-Piotta heraus

Ambri-Piotta ist ein Traumlos für den HC Thurgau. Die Begeisterung rund um den Tessiner NLA-Club ist so gross, dass sogar Thurgaus Vizepräsident mit einem Ambri-Schal ans Eishockey-Cupspiel vom Dienstagabend um 20 Uhr in Weinfelden kommt.

Matthias Hafen
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Ambris Anhänger gelten als sehr leidenschaftlich, die Spieler in letzter Zeit dagegen weniger. (Bild: Michela Locatelli/Freshfocus, 19. September 2015)

Ambris Anhänger gelten als sehr leidenschaftlich, die Spieler in letzter Zeit dagegen weniger. (Bild: Michela Locatelli/Freshfocus, 19. September 2015)

Ambri, das ist Leidenschaft. Nicht zuletzt, weil Ambri Leiden schafft. Die Anhänger des Tessiner Dorfclubs haben es jedenfalls nicht einfach. Zwar spielt ihr Lieblingsverein seit 1985 ununterbrochen in der höchsten Spielklasse, doch fast jedes Jahr gegen den Abstieg. Diese Leidensfähigkeit schweisst weit über die Leventina hinaus zusammen und macht aus dem HC Ambri-Piotta einen Kultverein. Heute gibt es zwischen Basel und Chiasso 17 Schweizer Fanclubs des HCAP, drei weitere in Italien. Der Faszination um den 1937 gegründeten Verein konnte sich auch Thurgaus Vizepräsident Max Hinterberger in jungen Jahren nicht entziehen. Er wird heute Abend mit einem Ambri-Fanschal in die Güttingersreuti nach Weinfelden kommen. «Denn die erste Liebe vergisst man nie», so Hinterberger. «Mein Herz gehört mittlerweile aber dem HC Thurgau.» Und ein Überraschungscoup seiner neuen Liebe ist gar nicht mal so abwegig.

Ein Thurgauer in Ambris Reihen

Denn Ambris Leidenschaft akzentuierte sich in den vergangenen Jahren vor allem auf den Zuschauertribünen. Auf dem Eis ist seit längerem nicht mehr viel los. Der letzte grössere Erfolg der Nordtessiner geht auf das Jahr 1999 zurück, als sie es bis in den Playoff-Final schafften, dort aber am Erzrivalen Lugano scheiterten. Noch heute ist die Feindschaft zwischen den beiden Tessiner Clubs so gross, dass ein Derbysieg eine ganze Saison retten kann – vor allem für Ambri, das deutlich kleinere Ciabatte bäckt. Auch in dieser Saison, die für die NLA-Clubs erst am Wochenende mit dem Meisterschaftsstart so richtig losgeht, setzt sich das Kader Ambris mehrheitlich aus jungen Wilden zusammen, die sich einen Namen machen wollen im Schweizer Eishockey.

Der Thurgauer Lorenz Kienzle (links) im Trikot von Fribourg-Gottéron gegen Berns Simon Moser. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus, 23. Dezember 2016)

Der Thurgauer Lorenz Kienzle (links) im Trikot von Fribourg-Gottéron gegen Berns Simon Moser. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus, 23. Dezember 2016)

Zu den Routiniers zählt der Diessenhofer Lorenz Kienzle. Der 30-jährige Verteidiger wechselte im Sommer nach zwei Saisons beim Ligakonkurrenten Fribourg ins Levinental, nachdem er zuvor sechs Jahre lang für den HC Lugano gespielt hatte. Ein zweiter Thurgauer Verteidiger, Adrian Trunz, bekam nach sieben Jahren bei Ambri-Piotta auf die neue Saison hin keinen Vertrag mehr und ist derzeit vereinslos. Mit Stürmer Diego Kostner haben die Tessiner einen Spieler in ihren Reihen, der 2007 als 15-Jähriger aus Italien zu den Pikes Oberthurgau stiess und heute auch deswegen trotz italienischem Pass als Eishockey-Schweizer gilt. Es war die Zeit, als Erwin Kostner – nicht der Vater von Diego – HCT-Trainer wurde.

Ambri ohne Zwerger, Thurgau mit Moser?

Für einen Exploit des HC Thurgau spricht auch, dass Ambri heute ohne seinen verletzten Spielmacher Dominic Zwerger antreten muss. Der Österreicher mit Schweizer Lizenz wurde jüngst an den Swiss Ice Hockey Awards zum «Youngster of the Year» gewählt. Beim HC Thurgau ergeben sich keine grossen Änderungen im Vergleich zum Saisonauftakt gegen Winterthur. Eventuell kehrt Joel Moser nach Adduktorenproblemen in die Aufstellung zurück.

Dem HC Thurgau (Michael Loosli, rechts) gelang der Saisonauftakt nicht nach Wunsch. Im ersten Meisterschaftsspiel gegen Winterthur setzte es am vergangenen Samstag eine 2:4-Niederlage ab. (Bild: Mario Gaccioli, 15. September 2018)

Dem HC Thurgau (Michael Loosli, rechts) gelang der Saisonauftakt nicht nach Wunsch. Im ersten Meisterschaftsspiel gegen Winterthur setzte es am vergangenen Samstag eine 2:4-Niederlage ab. (Bild: Mario Gaccioli, 15. September 2018)

«La Montanara» in der Güttingersreuti

Die heutige Cup-Partie zwischen dem HC Thurgau und Ambri-Piotta wird auch neben dem Eis eine emotionale Angelegenheit. Rund 400 Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Thurgauer Chören und unter der Leitung von Kantonaldirigent René Aebi geben vor dem Spiel eine Kostprobe ihres Könnens. 20 Minuten vor Spielbeginn, etwa um 19.40 Uhr, werden sie von der Stehrampe aus die Ambri-Hymne «La Montanara» und das «Thurgauerlied» (O Thurgau, du Heimat) vortragen. «La Montanara», ein 1927 vom Italiener Toni Ortelli komponiertes Lied, das besonders im italienischsprachigen Alpenraum populär ist, wird von den Ambri-Fans stets nach einem Sieg angestimmt. Dass es heute in der Weinfelder Güttingersreuti vor der Begegnung intoniert wird, schlug bereits Wellen. «Wir wollen damit niemanden provozieren», sagt HCT-Geschäftsführer Patrick Bloch. «Es ist ein Willkommensgruss an den HC Ambri-Piotta und seine Anhänger, eine Respektanerbietung an die Gäste aus der Leventina.» (mat)

Wer schiesst für den HC Thurgau die Tore?

Am Samstag um 17.30 Uhr steigt der HC Thurgau mit dem Heimspiel gegen den EHC Winterthur in die Swiss-League-Saison 2018/19. Mitten im Aufschwung müssen die Ostschweizer wieder von vorne anfangen. In diesem Winter sind die sechs besten Skorer aus dem Vorjahr nicht mehr dabei.
Matthias Hafen