In Frauenfeld soll ein Haus mit Baujahr 1957 vier Zapfsäulen weichen

Zwischen Schaffhauserplatz und Osterhaldenkreisel soll eine weitere Tankstelle entstehen. Es wäre die vierte an der rund anderthalb Kilometer langen Hauptverkehrsachse. Die Baupläne von Coop stossen bei der Bevölkerung auf Unverständnis.

Samuel Koch
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Das Einfamilienhaus mit Baujahr 1957 ist umgeben von Visieren, welche die Dimensionen des Baus aufzeigen. (Bild: Samuel Koch)

Das Einfamilienhaus mit Baujahr 1957 ist umgeben von Visieren, welche die Dimensionen des Baus aufzeigen. (Bild: Samuel Koch)

Der Aufregung war kurz, dafür heftig. «Was für ein Blödsinn», lautete der schärfste Kommentar in der Frauenfelder Facebook-Gruppe auf einen Hinweis, dass an der Schaffhauserstrasse 84 eine Tankstelle mit Shop errichtet werden soll. Derzeit liegt das Baugesuch noch bis nächsten Dienstag beim Hochbauamt auf. Ein weiterer Kommentar lautet: «Geld regiert die Welt.» Ein anderer moniert den Abbruch des Einfamilienhauses mit Baujahr 1957:

«In Frauenfeld werden sowieso zu viele Häuser abgebrochen.»

Ein Kommentarverfasser schreibt, mit einer zusätzlichen Prise Ironie: «Es hat zu wenig Tankstellen-Shops in Frauenfeld.» Andere wiederum relativieren: «Freie Marktwirtschaft.»

Zurück von der virtuellen Welt in die Realität: Seit Mitte April stehen auf der rund 2000 Quadratmeter grossen Parzelle an der Schaffhauserstrasse 84 – unweit der BP-Tankstelle beim A7 West – die Visiere für die geplante Coop-Tankstelle mit Shop, die gut 1,8 Millionen Franken kosten soll. Bewilligt die Stadt das Gesuch, fliessen zwischen Schaffhauserplatz und Osterhaldenkreisel an vier Orten Treibstoff aus den Zapfsäulen – bei Coop, bei BP sowie bei den Garagen Emil Frey und Hutter Auto Thomi.

Mit Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Tankstelle

Die Pläne sehen vor, dass an der Tankstelle vier Zapfsäulen mit den gewöhnlichen Treibstoffen wie Bleifrei, Super oder Diesel errichtet werden. Die Tanks umfassen zusammen ein Volumen von insgesamt 130'000 Litern. Neben der Tankstelle sollen zwölf Parkplätze entstehen, einer davon behindertengerecht.

Der Shop im Stahlbau mit Fassade aus fertigen Sandwich-Elementen erstreckt sich über eine Fläche von 120 Quadratmetern. Auf dem Tankstellendach soll zudem eine Fotovoltaikanlage für eine eigene Stromproduktion sorgen, wie Coop-Sprecherin Sabine Schenker erläutert.

Für das Baugesuch verantwortlich zeichnet die Petrol Business Invest AG mit Sitz im aargauischen Menziken von Inhaber Heinz Faes. Der Investor hat die Parzelle von der Eigentümerin im Baurecht übernommen und gibt sie sogleich per Mietvertrag an die Coop Mineralöl AG weiter, die den Ausbau der Tankstelle bezahlt und nach Betriebsstart für den Mietzins aufkommt.

Täglich rollen bis zu 10000 Fahrzeuge vorbei

Heinz Faes, Inhaber Petrol Business Invest AG. (Bild: PD)

Heinz Faes, Inhaber Petrol Business Invest AG. (Bild: PD)

Faes selbst trägt die Kosten für den Rückbau des Hauses und die Errichtung des Rohbaus. Dieses Geschäftskonstrukt sei nichts Aussergewöhnliches, meint Faes, der mit seinen Holdingfirmen schweizweit sieben Tankstellen mit Shops quasi weitervermittelt. Zum Standort an der Schaffhauserstrasse meint er:

«Das ist ein super Standort ausserhalb der Wohnquartiere mit einem grossen Verkehrsaufkommen.»

Tatsächlich verkehren laut kantonaler Statistik täglich bis zu 10'000 Fahrzeuge auf der Schaffhauserstrasse. Zudem glaubt Faes, dass der Markt über etwaigen Erfolg entscheiden werde – unabhängig davon, dass es in der Stadt Frauenfeld an der Zürcherstrasse 32 und an der Oststrasse bereits zwei Coop-Tankstellen gibt. Letztere bei der Grossbaustelle Goldäcker befindet sich allerdings noch im Umbau.

Die Coop Mineralöl AG sieht im Bau einer weiteren Tankstelle in Frauenfeld einen grossen Vorteil. «Mit der Realisierung dieses dritten Standortes decken wir das Potenzial der wichtigen Hauptverkehrsachsen für unsere Kunden optimal ab», meint Coop-Mediensprecherin Schenker. Von den kritischen Voten auf sozialen Netzwerken ist Coop indes nichts bekannt.

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