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Sammeln und Tauschen: «Häsch mir de Embolo?»

Panini-Tauschbörsen finden zurzeit überall in der Schweiz statt. Oftmals ist die ganze Familie an dem Tauschgeschäft beteiligt. So sind auch an der Tauschbörse in der Bibliothek Weinfelden am vergangenen Samstag zahlreiche Eltern mit Kind und Kegel anzutreffen.
Maria Keller
Der Kreativität beim Tauschen sind keine Grenzen gesetzt. (Bild: Andrea Stalder)

Der Kreativität beim Tauschen sind keine Grenzen gesetzt. (Bild: Andrea Stalder)

Harry Kane. Nur noch dieses eine Bildli fehlt Simon in der englischen Nati. Dann ist seine Lieblingsfussballmannschaft komplett. Er hat eigens eine Liste angefertigt, auf der die Bildli vermerkt sind, die er in seinem Sammelheft für die WM dieses Jahres noch braucht. An der Panini-Tauschbörse in der Regionalbibliothek Weinfelden am vergangenen Samstag wird er schliesslich fündig. Das Geschäft mit den Panini-Bildern läuft hochprofessionell ab. Ein geübter Blick hier, ein taktischer Spielzug da, und schon klebt ein Kopf mehr in dem Buch.

«In ein paar Jahren ist das volle Heft ein Wertstück»

Die Bibliothek ist an diesem Samstag gut besucht. Rund zwanzig Kinder versammeln sich um den Tisch, auf dem sich die Panini-Bilder stapeln. Meist machen sie das Tauschgeschäft, die Eltern sind für das Abstreichen der erworbenen Bilder auf der Sammelliste verantwortlich. Der Spass steht bei den meisten im Vordergrund. Ein zwölfjähriger Junge denkt aber schon weiter. «In ein paar Jahren ist das volle Panini-Heft ein Wertstück. Dann versuche ich, es zu verkaufen.»

Sein Kollege strebt ein anderes Ziel an. «Für ein volles Heft gibt es einen Fussball zu gewinnen. Den will ich haben.» Getauscht wird ohne grosses TamTam. «Häsch mir de Embolo gege de Djourou?» «Nei, de Embolo isch aber viel besser. I gib dir de Xhaka, okay?» Deal. «Das Schweizer Team will ich immer als Erstes komplett haben», sagt ein Junge. Bisher sei ihm das noch immer geglückt. Schliesslich sind die Bilder der Schweizer Nati in diesem Jahr mit Goldfarbe aufgehübscht.

Schweiz Nummer eins

Der Name Panini ist für viele Menschen Kult. Die Firma Panini, 1961 von vier Brüdern mit diesem Nachnamen in Italien gegründet, bringt die Sammelalben mit nummerierten Kästchen an Kind und Familie. Dabei denken die meisten Leute an die allseits bekannten Alben für die Fussballweltmeisterschaften und Europameisterschaften. Nebenbei gibt die Firma Panini aber auch Sammelalben in den Bereichen Entertainment (Walt-Disney-Themen, Harry Potter und Ähnliches) oder Anime- und Comicfiguren heraus. Die Schweiz sei im internen Ranking der verkauften Bilder pro Einwohner die Nummer eins unter den Ländern weltweit, berichtet Ezio Bassi, Panini-Chef Schweiz. (mke)

Manche lassen ihrer Kreativität beim Tauschen freien Lauf. Die Karten werden möglichst weit oder hoch geworfen, durch eine höhere Würfelzahl erworben oder nach dem Zufallsprinzip gezogen. Dabei sind es keinesfalls nur die Kinder, die Spass an der Sache haben. «Dadurch, dass meine Tochter gerne sammelt, habe ich eine Entschuldigung dafür, mitzumachen. Mir macht das Tauschgeschäft Spass», sagt eine Mutter.

682 Sticker à 75 Rappen bis ins Ziel

«Viele Sammler kaufen sich zu Beginn einen Stapel Bilder als Startkapital“, erklärt ein Junge fachkundig. Die billigsten gäbe es im Lidl. «Ein Bildli kostet so 75 Rappen, eine Box mit 500 Bildern etwa 70 Franken.» Insgesamt gibt es für das diesjährige Album 682 Sticker zum Sammeln, inklusive 50 Spezialsticker. Der Sammelspass kann also schnell einmal teuer werden.

«Zu Ostern beschenken wir uns in der Familie gegenseitig mit Sammelbildern und zuhause habe ich das ganze Scheunentor mit Hopp Schwiz-Bannern dekoriert.»
Bea Anker, 54 Jahre alt

Die Tauschbörse ist nicht nur für die Teilnehmer ein Erfolg, sondern auch für die Bibliothek Weinfelden. «Selten haben wir so viel Besuch hier», sagt Bibliothekarin Simone Wehner lachend.

Gelbe oder rote Karten im Internet

Die Idee zur Veranstaltung hat sie von Kollegen aus anderen Bibliotheken erhalten. Dieses Jahr wurde sie zum ersten Mal realisiert. «Der Ort ist ideal für diesen Zweck. Und wie man sieht, findet die Idee Anklang.»

«Meine Nachbarin bringt mir jeweils Gratisbilder aus der Migros mit und sonst tausche ich über Facebook. Zu Beginn habe ich mir einen Hunderterpack gekauft.»
Calvin Koch, 12 Jahre alt

Sie selbst sammelt die Panini-Bilder zu Hause mit ihrem Sohn. Am effektivsten gehe dies über Plattformen im Internet. «Dort können wir genau angeben, welche Karten wir brauchen oder hergeben. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Schweiz.» Die Karten werden dann per Post nach Hause geliefert. Sind sie schmutzig oder zerrissen, könne man gelbe oder rote Karten verteilen, sagt Wehner. Das persönliche Tauschen mit dem Gegenüber mache dann aber doch ein wenig mehr Spass.

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