Harmonic Brass sorgt im Kloster Fischingen für köstliche Klänge

Mit einem «kulinarisch» hochstehenden Konzert, das musikalisch und auch sonst einfach gute Laune verbreitete, wartete am Freitagabend die Formation Harmonic Brass im Kloster Fischingen auf.

Christof Lampart
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Die Formation Harmonic Brass während ihres Auftritts in der Klosterbibliothek Fischingen.

Die Formation Harmonic Brass während ihres Auftritts in der Klosterbibliothek Fischingen.

Bild: Christof Lampart

Ob es eines der letzten Konzerte vor einem etwaigen nächsten Lockdown im Kloster Fischingen gewesen war, konnte nach 80 gehaltvollen, klang- wie auch „kalorienreichen“ Minuten am Freitagabend natürlich niemand sagen.

Eines war jedoch gewiss: Man war nach dem Genuss des Programms «Delicatessen», das einem die fünfköpfige Formation Harmonic Brass ebenso lustvoll wie auch launisch servierte, nicht nur geneigt, den Heimweg beschwingt anzutreten, sondern auch schnurstracks den Weg zum eigenen Kühlschrank.

Schoggi-Kuchen und höllische Rache

Denn das, was Hans Zellner, Elisabeth Fessler (beide Trompete, Flügelhorn und Piccolo-Trompete), Andreas Binder (Waldhorn), Alexander Steixner (Posaune) und Karl-Wilhelm Hultsch (Tuba) den genau abgezählten 50 Zuhörenden in der Klosterbibliothek boten, war bestens dazu geeignet, die angedachte Kur auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben. Kredenzten die Musiker doch dem Publikum ein musikalisches Menu, das viele Wünsche erfüllte und noch mehrere im eigenen Geiste evozierte.

Oder an was würden Sie denken, wenn das Programm mit Stücken wie «Tafelmusik» (Telemann) der Champagner-Arie aus Don Giovanni (Mozart) oder einer «Garden Party» (Gunnarsson) aufwartet? Zumal es das Quintett, bei dem Andreas Binder den Part des Mal servilen, mal genüsslichen, mal durchaus auch scharfzüngigen Moderators übernahm, es auch bei den Eigenkompositionen, die Titel wie «Einzug der Köche», «Eintopf» oder «Big Fat Chocolate Cake» führten, auf die kulinarische Spitze – notabene als Hauben-Köche gekleidet - trieb:

Bild: Christof Lampart

Ab und zu wurde das Thema Kochen auch im übertragenen Sinne verstanden. Zum Beispiel dann, wenn Fessler auf ihrer Piccolo-Trompete die Rache-Arie der Königin der Nacht (Die Zauberflöte) anstimmte, schliesslich lautet hier den die Arie einleitende Satz: «Die Hölle Rache kocht in meinem Herzen…» – aber eine «Delicatesse» war die Darbietung auf jeden Fall.

Die Tristesse fröhlich überspielt

Es war eine gelungene Mischung aus bekannten Klassik-Stücken, witzigen Anmoderationen und ein durch und durch professioneller Konzertauftritt. Man erwischte sich während des Konzertes ständig beim Schmunzeln und erlebte einen leichtbeschwingten Gute-Laune-Abend, der (leider) hervorragend dazu geeignet war, einem wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen, was einem fehlt, wenn das Kulturleben pandemiebedingt auf Sparflamme heruntergefahren wird.

Auch das Quintett überspielte im wahrsten Sinne des Wortes professionell die Tristesse, die bereits vor dem Auftritt in der Kulturszene herrschte und auch beim Harmonic Brass nach dem Abend wieder für eine Weile herrschen wird. «Wir gehen jetzt für die nächsten vier Wochen nach Hause», liess Binder das Publikum wissen, bevor sie zu fünft im Finale ein «Tribute to Udo Jürgens» anstimmten. Natürlich mit «Griechischer Wein» und «Aber bitte mit Sahne» – wie es sich bei einem solchen Abend selbstredend gehörte.