HAPPY END
Frauenfelder Stadtrat Fabrizio Hugentobler wünscht sich, dass «das Wasserrad im Murg-Auen-Park bis Herbst in Betrieb ist»

Die Finanzierung ist seit längerem gesichert, im Frühling 2020 beschloss der Stadtrat Frauenfeld, das Wasserrad am Rossgumpen als industriehistorisches Anschauungsobjekt zu bauen. Aktuell liegt das Projekt öffentlich auf.

Mathias Frei
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Im Murg-Auen-Park: Beim Zulauf des Kanals in den Rossgumpen soll zeitnah ein Wasserrad installiert werden.

Im Murg-Auen-Park: Beim Zulauf des Kanals in den Rossgumpen soll zeitnah ein Wasserrad installiert werden.

Bild: Andrea Stalder

Die einen lösen sich auf, weil die Mitglieder fehlen, die anderen, weil es an Geld mangelt. Der Verein Wasserrad Murg-Auen-Park dagegen hat einen positiven Grund, um sich wieder aufzulösen.

«Unser einziger Vereinszweck war und ist es, die Finanzierung des Wasserrades am Rossgumpen sicherzustellen.»
Werner Müller, Präsident Verein Wasserrad Murg-Auen-Park.

Werner Müller, Präsident Verein Wasserrad Murg-Auen-Park.

Bild: Andrea Stalder

Das sagt Vereinspräsident Werner Müller. Der pensionierte Frauenfelder Architekt ist denn auch sehr erfreut, dass aktuell und noch bis 3. März das Bau- und Konzessionsgesuch des Wasserradprojektes öffentlich aufliegt. «Unser Ziel ist erreicht.» Ende gut, alles gut. Er geht davon aus, dass kommenden Herbst, aber spätestens Ende Jahr die Einweihung des Wasserrades stattfindet.

Das aktuelle Gesuch stammt von Thurplus (ehemals Werkbetriebe Frauenfeld). Thurplus ist Bauherrin des Wasserrades und wird es hernach auch betreiben. Stadtrat Fabrizio Hugentobler als Werkevorsteher ist noch ein wenig optimistischer als Werner Müller. «Wir sind bereit.» Im Optimalfall könnten bis im Frühsommer die Vorbereitungsarbeiten starten, sagt Hugentobler. Der Einbau des Wasserrades sei aber vor allem abhängig von der Lieferfrist des Lieferanten.

«Betreffend Lieferfrist wage ich keine Prognose zu machen.»
Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Bild: Andrea Stalder

Aber bis kommenden Herbst sollte das Wasserrad stehen, sagt Hugentobler. Dass das Projekt so weit gediehen ist, freut auch den Stadtrat. Die Anlage weise zwar keine Wirtschaftlichkeit aus, sei aber ein weiterer wichtiger Puzzlestein auf dem industriehistorischen Lehrpfad der Murg entlang. Er spricht vom symbolhaften Charakter. «Wenn man einem Kind erklären will, wie Wasserkraft funktioniert, kann man das in Zukunft am Rossgumpen machen.»

Stadtratsbeschluss kurz vor Schluss

Der Stadtratsbeschluss vom 3. März 2020 erfolgte grad noch zur rechten Zeit. Denn die Finanzierung für das 125'000-Franken-Projekt drohte aus Zeitgründen zu scheitern.

Im Masterplan für den Murg-Auen-Park standen zur Attraktivierung verschiedene Elemente zur Diskussion, auch ein Wasserrad beim Rossgumpen-Zulauf vom Kanal her. Vor der erfolgreichen Volksabstimmung von November 2011 fiel es aber wieder aus dem Projekt. Im Jahr 2017 wurde der Murg-Auen-Park mit dem mit 25'000 Franken dotierten Schulthess-Gartenpreis ausgezeichnet. Die Stadt stellte das Preisgeld für zukünftige gestalterische Parkelemente zurück – zum Beispiel für ein Wasserrad.

Auf Vorschlag von Werner Müller bewilligte die Generalversammlung der Energiefachleute Thurgau (EFT) im gleichen Jahr einen Kostenbeitrag von 25'000 Franken ans Wasserrad. Der Stadtrat stellte darauf in Aussicht, weitere 50'000 Franken aus dem Frauenfelder Energiefonds (Anteil städtischer Projekte) beizusteuern. Es fehlten also noch 25'000 Franken. Um dieses Geld zu sammeln, gründete sich schliesslich 2019 der Verein Wasserrad Murg-Auen-Park.

Werner Müller erfuhr dann aber, dass die EFT-Generalversammlung von April 2020 beabsichtigte, den 2017 gesprochenen Betrag fürs Wasserrad zu Gunsten eines anderen Projekts zurückzuziehen, wenn die Anlage im Murg-Auen-Park dann immer noch in der Schwebe wäre. Der drohende Geldabfluss konnte verhindert werden. Und nun, ein knappes Jahr später, stellt Müller fest:

«Thurplus ist das Projekt sehr positiv angegangen.»

Chance nutzen und Attraktivität des Parks steigern

Das Konzessionsgesuch von Thurplus für das Wasserrad ging vergangenen Oktober zur Prüfung beim kantonalen Amt für Umwelt ein. Dieses stellte daraufhin fest, dass das Gesuch auflagefähig ist.

«Eine Erschliessung der einheimischen, erneuerbaren Ressourcen gehört zu den Konstanten der Frauenfelder Energiepolitik.»

Das heisst es im Planungsbericht, der Teil der aktuellen Auflage ist. Mit dem Bau des Murg-Auen-Parks und der Sanierung des Mühlewiesenkanals biete sich die Chance, den Energieträger Wasserkraft weiter zu nutzen. Heute fliesst das Wasser des Kanals über einen drei Meter hohen Sturzbach am Ende des Zulaufs ungenutzt in den Rossgumpen. Mit einem Wasserrad, das einen Durchmesser von 2,7 Meter hat, lasse sich diese Höhendifferenz für die Stromerzeugung nutzen. Berechnungen hätten gezeigt, dass bei einer Ausbauwassermenge von 100 Litern pro Sekunde eine Stromproduktion von 16'000 Kilowattstunden jährlich möglich sei.

Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
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Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)
Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)

Murg - Auenpark Frauenfeld (Bild: Donato Caspari)

Bei Baukosten von 125'000 Franken und Betriebs- respektive Unterhaltskosten von 4000 Franken pro Jahr könne mit der Anlage keine Rendite erzielt werden, heisst es im Planungsbericht. Der Kostenvoranschlag sieht 70'500 Franken für elektromechanische Anlagen vor, 12'600 Franken für Diverses und 33'000 Franken für Honorare. Der Rest geht für die Mehrwertsteuer drauf. Ein besonderer Vorteil des Wasserrades sei, dass auf einen Einbau eines Rechens sowie der entsprechenden Reinigungsmaschine verzichtet werden könne.

«Dies trägt vor allem zu tiefen Unterhaltskosten bei.»

Das liest man im Planungsbericht. Das Wasserrad wird mit einem 1,2 Meter hohen Zaun abgesichert. Das Projekt habe einen hohen umweltpolitischen Stellenwert und trage zur Attraktivitätssteigerung der Parkanlage bei.