Happige Vorwürfe gegen einen Oberthurgauer: Er hängte ein Nacktfoto seiner Ex-Frau ins Treppenhaus und wollte deren Lebenspartner angeblich erschiessen lassen

Ein 70-Jähriger steht vor dem Bezirksgericht Arbon: Er soll einen Rollstuhlfahrer zur Tötung angestiftet haben.

Annina Flaig
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Dem Beschuldigten werden unter anderem Beschimpfung, Drohung, Tätlichkeiten, Freiheitsberaubungversuchte Anstiftung zur Tötung und Pornografie vorgeworfen. (Bild: Fotolia)

Dem Beschuldigten werden unter anderem Beschimpfung, Drohung, Tätlichkeiten, Freiheitsberaubungversuchte Anstiftung zur Tötung und Pornografie vorgeworfen. (Bild: Fotolia)

Seine Wut ist schon beim Betreten des Gerichtssaals spürbar. «Ich will nicht, dass der da zuhört», ruft Manfred Müller* aus. Mit dem Finger zeigt der Beschuldigte auf den Lebenspartner seiner Ex-Frau Vreni Müller*. Sie sitzt als Hauptklägerin vor dem Bezirksgericht Arbon. Ihr Lebenspartner gehört ebenfalls zur Klägerschaft. «Er lügt. Und sie lügt mit ihm», ruft der Beschuldigte energisch.

Mit leiser Stimme erzählt Vreni Müller dem Gericht, wie sie von ihrem früheren Ehemann im Schlafzimmer eingesperrt und als «Sauhure» beschimpft worden sei. Der Manfred habe sie geohrfeigt. «Er wollte mich sogar mit Ameisensäure übergiessen», sagt sie und bricht in Tränen aus.

Woher sie das wisse, fragte die Richterin. Daraufhin sagte die Frau, er habe ihr per SMS gedroht, dass er Putzmittel kaufen wolle, extra für sie.

«Ich habe sofort gewusst, dass er Ameisensäure meint. Wir haben das zum Putzen gebraucht.»

Sie habe in einem Vakuum aus Angst gelebt. Seine Mandantin sei psychisch und physisch schwer angeschlagen und therapiebedürftig, sagt ihr Anwalt. Die Anklageschrift ist 13 Seiten lang. Die Verhandlung dauert fast vier Stunden. Die Untersuchungskosten betragen rund 30'000 Franken.

Er hängt Nacktbild seiner Frau ins Treppenhaus

Zur Last gelegt werden Manfred Müller unter anderem Beschimpfung, Drohung, Tätlichkeiten, Freiheitsberaubung, versuchte Anstiftung zur Tötung und Pornografie. So soll der Beschuldigte im Treppenhaus des Wohnblocks seiner damals von ihm getrennt lebenden Frau ein Nacktbild aufgehängt haben. Dieses zeigt die 52-Jährige auf dem Rücken liegend mit gespreizten Beinen.

Vollends eskaliert ist der Konflikt laut der Staatsanwältin vor zwei Jahren, als Manfred Müller den neuen Lebenspartner seiner Ex-Frau umbringen lassen wollte. Er habe eine Drittperson nach Serbien geschickt, um ihm eine Waffe zu besorgen. Die bestellte Waffe kam jedoch nie in der Schweiz an. Stattdessen wurde Müller am Flughafen Kloten verhaftet und sass drei Monate in Untersuchungshaft. Wieder auf freiem Fuss soll er einen Plan für einen Auftragsmord ausgeheckt haben. So soll er einem Kollegen, der Mitglied im Polizeischützenverein ist und eine Waffensammlung besitzt, 10'000 Franken angeboten haben, wenn dieser für ihn den Lebenspartner seiner Ex-Frau erschiesst.

Manfred Müller ist schwerhörig und bittet die Richterin immer wieder, die Anschuldigungen gegen ihn zu wiederholen. Das Meiste weist er von sich. Er fragt die Richterin:

«Mein Kollege sitzt im Rollstuhl und leidet an einem Tremor. Glauben Sie wirklich, ich würde so jemanden zu einem Mord anstiften?»

Weiter stellt er klar: «Putzmittel ist Putzmittel.» Ihm sei schleierhaft, wie Vreni darauf komme, dass er sie mit Säure habe übergiessen wollen.

Klägerin hat Sex mit dem Beschuldigten

Manfred Müller wird während der Verhandlung mehrmals aufbrausend. «Ich schaue ja auch nicht, was Sie in ihrer Wohnung machen», fährt er die Richterin einmal an. Vreni Müller sei spiel- und alkoholsüchtig.

«Und obwohl diese Frau 100 Ohrfeigen zugute hätte, habe ich sie nie geschlagen.»

Im Gegenteil: Er habe von ihr Tritte kassiert. Dass er das Nacktfoto im Treppenhaus aufgehängt hat, bestreitet er nicht. Fast beiläufig fügt er aber hinzu. «Ich habe das Foto im Internet gefunden.» Sein Anwalt kritisiert die Staatsanwaltschaft, weil diese alle Vorwürfe unkritisch zur Anklage gebracht habe. «Vreni Müller ist offenbar der Meinung, die Polizei müsse ihre Beziehung regeln.» Er kritisiert auch, dass sein gesundheitlich angeschlagener Mandant, der auf Morphium angewiesen sei, 86 Tage in Untersuchungshaft verbringen musste. «Das Gutachten hat keine Gefährlichkeit ergeben.» Vreni Müller sei kein Unschuldslamm und habe sich selbst wegen Urkundenfälschung vor Gericht verantworten müssen.

Der Beschuldigte gibt an, keine Probleme mit seiner Ex-Frau zu haben. Er habe gerade gestern wieder mit ihr telefoniert. «Sie ruft mich manchmal an, wenn sie besoffen ist. Manchmal treffen wir uns auch. Einmal hatten wir Sex.» Nach der vierstündigen Verhandlung zieht er seine Jacke an und sagt leise zu ihr: «Ciao Vreni».

Das Urteil wird auf Wunsch aller Anwesenden schriftlich bekanntgegeben.

*Namen der Redaktion bekannt