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Hanspeter Müller-Drossaart erzählt in Steckborn eine Geschichte des Erwachsenwerdens

Am Ende herrschte auf der Bühne des Steckborner Phönix-Theaters sprachloses Entsetzen, bevor ein kräftiger Applaus einsetzte. Dabei hatte es zuvor an Worten nicht gemangelt, brachte doch Hanspeter Müller-Drossaart den «Trafikanten» am Donnerstagabend als packenden Monolog dar.
Christof Lampart
Der 64-jährige Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart aus Sarnen OW. (Bild: PD)

Der 64-jährige Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart aus Sarnen OW. (Bild: PD)

Es ist nicht einfach, einen Roman von 250 Seiten auf ein knapp 80 Minuten dauerndes, szenisches Sprechtheater herab zu kürzen, ohne dass dabei Wesentliches verloren geht. Doch Hanspeter Müller-Drossaart gelingt dies in der monologischen Dramatisierung von Robert Seethalers Roman nahezu perfekt.

Er bewerkstelligt dies, indem er sich auf die innere Entwicklung des 17-jährigen Franz Huchels, auf dessen Reifung binnen eines knappen Jahres, vom unreifen Landei zum heroischen Beschützer von Juden und alten Werten, konzentriert.

Ohne glückliches Ende

Müller-Drossaart zeigt die Geschichte eines Erwachsenwerdens. Vieles andere, was im Roman wichtig ist – das vergebliche Werben um seine böhmische Geliebte oder die Gespräche mit Sigmund Freud, wobei am Ende nicht wirklich klar ist, wer wen berät –, bleibt irgendwann zwangsläufig auf der Strecke. Was jedoch nicht weiter schlimm ist, da einem spätestens zur Hälfte des Stückes klar wird, dass diese Geschichte kein glückliches Ende nehmen kann. Da ist es für den eigenen Seelenfrieden eher besser, wenn man doch weniger weiss, als man anfangs gerne gewusst hätte.

Gewiss: Müller-Drossaart schlüpft auch in all die anderen Rollen: spielt den Preininger, die Mama, den Trafikanten Otto Trsnjek, die angebetete Anežka oder den mentorenhaften Sigmund Freud. Sie alle verkörpert der Schauspieler glaubhaft – doch zentral ist sein wirkungsvolles Bemühen, die sich immer stärker abzeichnende moralische Standhaftigkeit des grundehrlichen, jungen Mannes im immer stärker im braunen Sumpf versinkenden Wien der Jahre 1937/38, zu einem Charakterbild herauszuarbeiten.

Triviale Hülle, reflektierte Seelenschau

Das spartanische Bühnenbild – zu sehen sind gerade einmal eine Trafik-Ladentüre, welche auch für diverse Bildprojektionen genutzt wird, eine grüne Parkbank und eine stets gepackte Reisetasche – liess dem Mimen grosse Freiheiten und ermöglicht es den Zuschauern, sich ganz auf das gesprochene Wort einzulassen. Und das lohnte sich, denn Müller-Drossaarts Monolog bot Kopfkino vom Feinsten.

Geschickt unterstützt wurde das kontinuierlich wachsende Grauen durch diverse Projektionen. So vermitteln die zwischen Mama und Franzl hin- und herwechselnden Postkarten im Verlaufe der Geschichte bildlich-vordergründig immer weniger Idyllisches. Was mit dem malerischen Salzkammergut startet, endet mit dem «Adolf-Hitler-Platz» (Wiener Ratshausplatz). Demgegenüber gewinnen die anfänglich trivialen Postkartentexte immer mehr an reflektierter Gewissheit.

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