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Postauto-Passagieren können den Haltewunsch auf Knopfdruck äussern: Eine Frauenfelder Idee macht Karriere

Derzeit läuft im Raum Frauenfeld ein Feldversuch, bei dem Fahrgäste ihren Haltewunsch per Knopfdruck kundtun können. Nun soll die im Thurgau geborene Lösung schweizweit Schule machen.
Sebastian Keller
Bei der Postauto-Haltestelle Wellauer können Passagiere mittels Knopfdruck ihren Haltewunsch äussern. Dabei handelt isch um eine von fünf Haltestellen des Feldversuches. (Bild: Sebastian Keller)

Bei der Postauto-Haltestelle Wellauer können Passagiere mittels Knopfdruck ihren Haltewunsch äussern. Dabei handelt isch um eine von fünf Haltestellen des Feldversuches. (Bild: Sebastian Keller)

Auf der Tafel der Frauenfelder Postauto-Haltestelle «Wellauer» sitzt eine Solaranlage wie eine Henne auf der Stange. Vier Blinklichter in einem Kästchen darunter signalisieren, dass der gewonnene Sonnenstrom auch gleich an Ort verwendet wird. Unter dem Fahrplanaushang ist zudem ein Knopf angebracht. Damit kann, so ist zu lesen, der «Haltewunsch» geäussert werden. «Bitte Knopf drücken», steht da weiter. Und: «Nach 3 Minuten wiederholen».

Was sich Fahrgäste im regionalen Bahnverkehr gewohnt sind, erscheint beim Busverkehr als Novum. Und das ist es tatsächlich. Markus Winiger, stellvertretender Leiter der Postauto-Region Ostschweiz, bestätigt dies. «Es handelt sich um einen Feldversuch, der seit vier Monaten läuft.» Und zwar an fünf ausgewählten Haltestellen in Frauenfeld, Müllheim, Hüttwilen und Steckborn. Diese befinden sich an unübersichtlichen Stellen oder an Strassen, auf denen die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h gilt.

So funktioniert das System

Das Haltewunsch-System funktioniert so: Drückt ein Fahrgast den Knopf, wird über die kabellose Bluetooth-Verbindung an die LED ein Signal gesendet. Daraufhin blinken die Lämpchen – und signalisieren dem Postauto-Fahrpersonal: Hier möchte jemand einsteigen. «Bei einigen Fahrzeugen», sagt Winiger, «kommt eine weitere Funktion zum Tragen.» Über die so genannte Ultra-Wide-Band-Technologie erhält der Chauffeur ein Signal bis in sein Fahrzeug. Der Haltewunsch wird ihm mit einem leuchtenden Lämpchen auf dem Armaturenbrett angezeigt.

Die Erfahrungen des Feldversuches seien durchwegs positiv, sagt Winiger. «Es ist ein Gewinn für beide Seiten.» So können die Fahrgäste gewiss sein, dass sie auch bei Nebel oder Dunkelheit vom Postautochauffeur gesehen werden. Und er könne vorausschauender fahren, wenn er wisse, dass er halten müsse. Das sei gerade bei Strecken mit höheren Geschwindigkeiten von Vorteil – ein abruptes Abbremsen entfalle. «Das alles ist viel entspannter für die Fahrer», sagt Winiger. Der stellvertretende Regionenleiter betont aber auch: Chauffeure halten weiterhin an, auch wenn wartende Fahrgäste den Haltewunsch-Knopf nicht betätigen.

Roland Fässler hatte die Idee

Dass der Feldversuch im Raum Frauenfeld gestartet wurde, ist kein Zufall. In der öffentlich zugänglichen Mitarbeiterzeitschrift der Post ist zu lesen, dass der Leiter der Betriebsstelle Frauenfeld die Idee hatte, «Fahrgäste ‹sichtbarer›zu machen». Das bestätigt Markus Winiger. «Roland Fässler stiess mit seiner Idee auf offene Ohren.» Er habe mit der Matzinger Firma Repro Satz einen Prototypen entwickelt und einen Werbefilm für das zuständige Gremium bei Postauto gedreht. Später kam das Softwareunternehmen Swiss Innovation Lab dazu, um die Lösung technisch weiterzuentwickeln.

Nun wird aus der Frauenfelder Idee eine nationale Lösung. «Derzeit läuft eine Bedarfserhebung im ganzen Land», sagt Winiger. «In den nächsten drei bis fünf Jahren sollen weitere Haltestellen in der ganzen Schweiz ausgerüstet werden.» In Frage kommen aber nicht alle Haltestellen. Nur neuralgische. Also beispielsweise solche, bei denen das Fahrpersonal Passagiere im Wartehaus erst spät erkennen kann – weil es beispielsweise kein Fenster hat – oder eben an 80-er-Strecken.

Für die Beschaffung des definitiven Systems läuft ein Ausschreibungsverfahren. Deshalb kann Markus Winiger derzeit keine Angaben zu den Kosten machen. «Der Prototyp hat vielleicht ein paar tausend Franken gekostet.» Was er bereits sagen kann: Die definitive Lösung komme optisch und technologisch etwas anders daher, als jene die derzeit bei der Frauenfelder Haltestelle Wellauer angebracht ist. Sie soll auch energieautark funktionieren – mit Solarzellen.

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