Halbzeit in Frauenfeld
Wegen Wahlbetrug und Pandemie fremdbestimmt vorwärts: Der Stadtrat blickt zurück auf Erreichtes, Potenzial und unvorhergesehene Aufgaben

Zur Hälfte der laufenden Legislatur bis 2023 zieht der Stadtrat von Frauenfeld eine Zwischenbilanz. Dabei rücken auch unvorhergesehene Themen in den Mittelpunkt, wie der mutmassliche Wahlbetrug oder die Coronapandemie.

Mathias Frei, Samuel Koch
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Stadtschreiberin Bettina Beck an der Seite des Stadtrates auf dem Schlossbalkon: Fabrizio Hugentobler, Barbara Dätwyler Weber, Andreas Elliker, Elsbeth Aepli Stettler und Anders Stokholm.

Stadtschreiberin Bettina Beck an der Seite des Stadtrates auf dem Schlossbalkon: Fabrizio Hugentobler, Barbara Dätwyler Weber, Andreas Elliker, Elsbeth Aepli Stettler und Anders Stokholm.

Bild: Kevin Roth

Erstmals überhaupt hat der Stadtrat 2019 zu Beginn der laufenden Legislatur in neuer Zusammensetzung mit drei neuen von fünf Gesichtern departementsübergreifende Ziele definiert. Nach der Einarbeitung der neuen Stadtratsmitglieder stand die Teambildung im Fokus. Stadtpräsident Anders Stokholm sagt:

«Wir haben genügend Orte im Thurgau, wo dafür zu wenig investiert wird.»
Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld (FDP).

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld (FDP).

Bild: Donato Caspari

Danach rückten zwei Themen ins Zentrum, die für den Stadtrat so nicht abschätzbar waren, einerseits der mutmassliche Wahlbetrug bei den Grossratswahlen 2020, der laut Stokholm «sehr beschäftigt hat und bei einem einmaligen Ereignis belassen» werden soll. Andererseits breitete sich die Coronapandemie aus und «überrollte unser junges Team», wie es Vizestadtpräsidentin Elsbeth Aepli Stettler sagt. Zwar gab es bei der Stadt Schutzkonzepte von früheren Seuchen. Das Ausmass auf das Alterszentrum Park oder die Stadtverwaltung aber konnte niemand vorhersehen. «Der Schutz der Bevölkerung stand immer im Fokus», sagt Aepli Stettler, selbst während Tiefpunkten etwa im Dezember, als die Fallzahlen in Frauenfeld auf unerklärliche Weise angestiegen sind.

Elsbeth Aepli, Vizestadtpräsidentin Frauenfeld (CVP).

Elsbeth Aepli, Vizestadtpräsidentin Frauenfeld (CVP).

Bild: Reto Martin

Andere Schwerpunkte, die wegen «zunehmender Komplexität» departementsübergreifend in Angriff genommen wurden, sind die Digitalisierung, das Gesamtbild für Stadt- und Agglomerationsentwicklung und die Liegenschaftenstrategie. Letztere bezeichnet Stokholm als Paradebeispiel. «Es sind immer alle betroffen, aber jemand trägt den Hut.»

Departement für Finanzen, Stadtentwicklung, Zentrales: Anders Stokholm

Auf die aktive Förderung von Frauenfeld als wirtschaftlichen Standort fokussierte Stadtpräsident Anders Stokholm (FDP) mit seinem Departement. «Wir wollen den Standort mit möglichst attraktiven Rahmenbedingungen stärken», sagt Stokholm. Als umgesetzte Beispiele nennt er das neue Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung (AKW) mit Leiter Peter Koch oder das Projekt «Miteinander Frauenfeld gestalten» (MFG) zur Attraktivierung der Innenstadt als regionales Zentrum. Mit «Smart City» hat Stokholms Departement ein Digitalisierungsprojekt gestartet. Hingegen unerwähnt bleibt das 2019 verkündete Ziel für städtische Sicherheitskonzepte. Wo nötig, reagierte die Stadt wegen der Pandemie.

Anders Stokholm, Stadtpräsident (FDP).

Anders Stokholm, Stadtpräsident (FDP).

Bild: Kevin Roth

Departement für Bau und Verkehr: Andreas Elliker

Nebst dem Gesamtbild für die Stadt- und Agglomerationsentwicklung als Ziel des Gesamtstadtrates setzte Stadtrat Andreas Elliker (SVP) mit seinen Mitarbeitenden auf die Schaffung und Vernetzung von Begegnungsräumen. Als Beispiel für gute Planung hebt er den Markt Thurgau hervor, den die Stadt vorantreibt. «Wir dürfen uns vom politischen Geplänkel um die TKB-Millionen nicht verunsichern lassen», sagt Elliker und nimmt die Kantonsräte Dätwyler Weber und Stokholm in die Pflicht. Als Beispiel für eine Umsetzung erwähnt Elliker das Projekt «Vorteil naturnah». Kaum ein Wort verloren hat er indes zum Verkehr, wozu das Volk 2022 an die Urnen gerufen wird.

Andreas Elliker, Stadtrat (SVP).

Andreas Elliker, Stadtrat (SVP).

Bild: Kevin Roth

Departement für Werke, Freizeitanlagen und Sport: Fabrizio Hugentobler

Finanziell am umfangreichsten ist im Departement von Stadtrat Fabrizio Hugentobler (FDP) der Hallenbadneubau, der in den letzten Zügen der Planung steht. Baustart ist im Herbst. Daneben befindet sich ein Sportanlagenkonzept in den Startlöchern. Auch bei den Werkbetrieben ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Der städtische Betrieb heisst nun Thurplus. Die Neupositionierung geht aber über den Namenswechsel hinaus. Hugentobler spricht von einem Kulturwandel weg von der Gasstadt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Kommission gibt es nun ein Werkbetriebe-Reglement sowie eine Eigentümerstrategie. Zudem wurden die Angebote im Bereich nachhaltiger Energieprodukte ausgebaut.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat (FDP).

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat (FDP).

Kevin Roth

Departement für Alter und Gesundheit: Elsbeth Aepli Stettler

Ein «Krankenversicherungsschutz für alle» war für Vizestadtpräsidentin Elsbeth Aepli Stettler (CVP) ein Schwerpunkt. Die personelle Aufstockung in der Abteilung Krankenkasse und AHV zeige Wirkung. Das Mittel zum Zweck ist für das dienstälteste Stadtratsmitglied – «wenn nichts Spezielles passiert, ist das meine letzte Legislatur» – ein Casemanagement und das Instrument der schwarzen Liste. So wurde die Liste der säumigen Prämienzahler entlastet: von 700 Personen 2016 auf 436 Personen 2020. Zudem ist im Alterszentrum Park das Projekt «Skill and Grade Mix» angelaufen. Es geht darum, das Personal der Ausbildung entsprechend einzusetzen.

Elsbeth Aeppli Stettler, Vizestadtpräsidentin (CVP).

Elsbeth Aeppli Stettler, Vizestadtpräsidentin (CVP).

Bild: Kevin Roth

Departement für Gesellschaft und Soziales: Barbara Dätwyler Weber

Für Stadträtin Barbara Dätwyler Weber (SP) stand die Förderung der beruflichen und sozialen Integration im Vordergrund. Als Leuchtturmprojekt bezeichnet sie die Gründung des Jugendrates Anfang 2021. So könnten sich 21 Jugendliche und junge Erwachsene an den politischen Prozessen beteiligen. «Sie haben viele Ideen.» Auch die Nutzung der Angebote der Kinder- und Jugendanimation 20gi bewege sich auf hohem Niveau. Die Stadträtin bedauerte, dass pandemiebedingt die Deutschkurse eine Zeit lang nicht stattfinden konnten, weil man bislang nur auf Präsenzunterricht ausgelegt war. Eine verstärkte Digitalisierung sei hier ein Ziel.

Barbara Dätwyler Weber, Stadträtin (SP).

Barbara Dätwyler Weber, Stadträtin (SP).

Bild: Kevin Roth

Stadtkanzlei: Bettina Beck

Mit Bettina Beck führt die neue Stadtschreiberin die Stadtkanzlei als Nachfolgerin von Ralph Limoncelli seit 100 Tagen an. «Ich habe schon vieles gesehen, werde aber weiterhin noch viel lernen», sagt Beck, notabene die erste Frau auf diesem Posten. Als Ziele nennt sie die Digitalisierung sowie Ruhe und Sicherheit für Wahlen und Abstimmungen. So etwas wie der Wahlbetrug dürfe sich «auf keinen Fall wiederholen».

Bettina Beck, neue Stadtschreiberin, seit 100 Tagen im Amt.

Bettina Beck, neue Stadtschreiberin, seit 100 Tagen im Amt.

Bild: Kevin Roth