Gutes Zeugnis für Thurgauer Winzer - Kanton hat Weine auf Pestizidrückstände untersucht 

Das kantonale Laboratorium Thurgau hat heimische Weine auf Rückstände von
Pflanzenschutzmitteln untersucht. Die Branche nimmt den Laborbefund mit Genugtuung zur Kenntnis.

Sebastian Keller
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Trauben in einem Thurgauer Rebhang. (Bild: Andrea Stalder, 21. September 2016)

Trauben in einem Thurgauer Rebhang. (Bild: Andrea Stalder, 21. September 2016)

Pestizide sind in aller Munde. Doch in Thurgauer Weinen finden sich «erfreulicherweise» nur zugelassene Wirkstoffe «in sehr kleinen Mengen». Das ist der Befund des Kantonalen Laboratoriums Thurgau. Dieses hat 35 Weine aus dem Erntejahr 2016 genauer unter die Lupe genommen. Eine Zusammenfassung veröffentlichte das Amt unlängst auf seiner Website.

Pflanzenschutzmittel werden im Weinbau eingesetzt, um Reben vor Schädlingen und Unkraut zu schützen – und damit bei Kulturpflanzen den Ertrag sicherzustellen. Im Endprodukt – der Flasche Wein - dürfen die Substanzen nur noch in gesundheitlich unbedenklichen Mengen vorhanden sein.

Insgesamt untersuchte das Laboratorium 18 Rot- und Roséweine sowie 17 Weissweine, darunter je einen Biowein. Alle aus dem Thurgau. Wie Davide Degiorgi, stellvertretender Kantonschemiker, auf Anfrage sagt, wurden Flaschen aus allen Weinbauregionen des Kantons berücksichtigt.

«Wir haben Weine von Selbstkelterern genommen und solche von Winzern, die ihre Trauben auswärts keltern lassen.» Abgeholt hat das Laboratorium abgefüllte und etikettierte Flaschen. Und zwar dort, wo sie auch der Konsument bezieht. Beispielsweise in einem Hofladen. Im Labor in Frauenfeld untersuchten die Mitarbeiter des Laboratoriums die Proben mittels moderner chemischer Methoden.

26 verschiedene Substanzen nachgewiesen

Die Untersuchung stellt den heimischen Winzern ein gutes Zeugnis aus. «Thurgauer Winzer halten die Vorschriften zum Pestizideinsatz ein», heisst es in der Zusammenfassung. Und weiter: «Die Rückstandsgehalte der nachgewiesenen Wirkstoffe lagen alle deutlich unterhalb der zugelassenen Höchstmengen.»

Die Trauben blühen

«Derzeit ist das Wetter genial», sagt Markus Müller, Weinfelder Winzer und Präsident des Branchenverbandes Thurgau Weine. «Die Reben beginnen zu blühen.» Davon berichtet auch die für den Kanton zuständige Fachstelle Rebbau im Newsletter: Mit dem angekündigten Temperaturanstieg dürfe «ab dieser Woche in allen Regionen die Vollblüte erwartet werden». Vor der Blüte präsentieren sich die Reben «recht üppig». Die feuchte Witterung der letzten Wochen habe dem Rebenwachstum Schub verliehen. Die Fachstelle schreibt aber auch: Die Rebtriebe befinden sich zurzeit in einer «heiklen Phase». Anfang Juni wurden erste Ölflecken, als Symptome des Falschen Mehltaus, aus mehreren Regionen gemeldet. Markus Müller ist froh, dass seine Rebkulturen in diesem Jahr von Krankheiten und Unwettern verschont geblieben sind. Allgemein seien die Reben gegenüber dem Hitzejahr 2018 zwei Wochen im Rückstand. Damit sei die Situation vergleichbar mit «normalen» Jahren. «Fragen Sie mich aber nicht, wie der Jahrgang wird», sagt der Winzer, «das kann ich ihnen gegen Ende Jahr sagen». (seb.)

Insgesamt liessen sich 26 verschiedene Wirkstoffe nachweisen, einige davon «lediglich punktuell». Bei den nachgewiesenen Stoffen gab es keine Überraschung. So dominierten «erwartungsgemäss» die vermehrt eingesetzten Substanzen Cyprodinil, Fludioxonil, Fenhexamid, Phthalimid, Boscalid und Mandipropamid. «Die beiden Bioweine enthielten keine Pestizide», schreibt das Laboratorium.

Alle Winzer bekamen einen Untersuchungsbericht. Darauf sieht der Weinbauer gemäss Degiorgi, was untersucht wurde und das Resultat. «Aber nur von seiner eigenen Probe», betont der stellvertretende Kantonschemiker. Der Thurgauer Untersuchung vorangegangen, war eine kantonsübergreifende. Dabei wurden 156 einheimische und 99 Weine aus umliegenden Ländern beprobt. Im Rahmen der nationalen Kampagne wurden sechs Beanstandungen ausgesprochen.

Branchenverband über Resultat erfreut

Beim Branchenverband Thurgau Weine stösst das Resultat der Untersuchung auf Anklang. «Das ist ein wichtiges Signal», sagt Markus Müller auf Anfrage. Der Winzer vom Rebgut Sunnehalde am Fusse des Ottobergs präsidiert den Verband. Er sagt: «Das zeigt, dass Thurgauer Weinbauern Pflanzenschutzmittel nicht überdosiert einsetzen.» Zum Thema Pestizide sagt er generell: «Wir spritzen nicht freiwillig.» Pflanzenschutzmittel seien ein Kostenfaktor und deren Einsatz mit Arbeit verbunden. «Ich würde jeweils lieber mit den Kundinnen und Kunden ein Glas Wein trinken», illustriert der Winzer.

Müller verweist auf eine Untersuchung, die eine andere Kantonsstelle an seinen Reben vorgenommen hat. Damals wurden die Trauben untersucht – direkt ab Rebe. «Dabei wurden Wirkstoffe nachgewiesen, die wir im Rebbau gar nicht einsetzen», sagt der Winzer. Er vermutet, dass sie wohl durch die Luft von anderen Kulturen kamen. Eine Beanstandung gab es aber auch damals nicht. «Alles war in Ordnung», sagt Müller.