«Gute Nachbarn sind ein Geschenk»: An Frauenfelds erstem Tag der Nachbarn zu Besuch bei zwei kleinen Festen

Allerorten in Frauenfeld beging man in Frauenfeld den erstmals von der Stadt patronierten Tag der Nachbarn. Die TZ durfte am Freitagabend beim Quartierverein Herten-Bannhalde im Plättli-Zoo und bei der IG Ringstrasse im Bistro Hansi zu Gast sein.

Claudia Koch
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Eine glatte Rund im Bistro Hansi beim Nachbarschafts-Apéro der IG Ringstrasse: Jakob Vögeli mit Ehefrau Ursula Vögeli, seine Schwestern Martha und Ruth Vögeli sowie eine Nachbarin.

Eine glatte Rund im Bistro Hansi beim Nachbarschafts-Apéro der IG Ringstrasse: Jakob Vögeli mit Ehefrau Ursula Vögeli, seine Schwestern Martha und Ruth Vögeli sowie eine Nachbarin.

(Bild: Claudia Koch)

Neue Nachbarn kennen lernen und altbekannte wieder einmal sehen. Das motiviert die meisten Besucherinnen und Besucher trotz einsetzendem Regen, um vorbeizuschauen. Angestossen wird zwar, aber die rund 40 Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers Herten-Bannhalde blieben trocken.

«Da der Plättli-Zoo Gastgeber ist, können wir die Gäste unter einem Unterstand bewirten.»
Im Plättli-Zoo: Quartiervereins-Vorstandsmitglieder und Quartierbewohner bei einem Gläsli im Gespräch.

Im Plättli-Zoo: Quartiervereins-Vorstandsmitglieder und Quartierbewohner bei einem Gläsli im Gespräch.

Bild: Claudia Koch

Das sagt Daniel Auf der Maur, Präsident des Quartiervereins Herten-Bannhalde. Er habe erst kurz vor dem Anlass erfahren, dass die Stadt den Tag der Nachbarn unterstützt, und sich noch mit Flyern, Bierdeckeln und Ballons eingedeckt. Die Idee des Vorstandes war, den Quartierbewohnern etwas Positives zurückzugeben, da die Jahresversammlung des Vereins nur schriftlich stattfinden konnte.

Diesem Aufruf ist etwa Elsbeth Marti gefolgt, die zusammen mit ihrer Tochter Catherine am Apéro teilnimmt, um unter Leute zu kommen – mit dem nötigen Abstand.

«Ich gehöre zu den Ureinwohnerinnen, da ich schon seit 1963 an der Haldenstrasse wohne.»

Das sagt Marti. Die meisten Nachbarn kenne sie gut und sie sei hier, um neue kennen zu lernen, obwohl das Kontakt knüpfen schwieriger geworden sei. Tochter Catherine bestätigt, dass ihre Mutter während des Lockdowns von Nachbarn Hilfe angeboten bekam.

Europäische Idee

Wenn das Coronavirus nicht um sich greift, findet jeweils am letzten Freitag im Mai der «European Neighbours’ Day», der Tag der Nachbarn, statt. Initiiert wurde er von der in Brüssel ansässigen «European Society of Local Solidarity». Der erste Tag der Nachbarn (TdN) ging 1999 in Paris über die Bühne. Die Idee verbreitete sich schnell. 2004 stiess Genf dazu, 2007 feierten die Nachbarn erstmals in Zürich. Den ersten TdN in der Ostschweiz gab es 2016 in St. Gallen. Unter dem Motto «Gute Nachbarschaft fördert die Wohnqualität» nehmen dieses Jahr 15 Deutschschweizer Städte an der Aktion teil, darunter auch Winterthur, Schaffhausen, Wil und St. Gallen. In Frauenfeld patroniert die Stadt heuer erstmals offiziell den Tag der Nachbarn. Aber schon im vergangenen Jahr gab es mehrere Festli auf privater Initiative. (ma)
Online: www.tagdernachbarn.ch/frauenfeld

Viele treue Bewohner in Frauenfelds Quartieren

Um neue Kontakte zu knüpfen, eignet sich gemäss Edith und René Schmidiger auch ein Quartierverein. Edith Schmidiger war 14 Jahre lang im Vorstand tätig und fühlt sich immer noch sehr verbunden. Seit 35 Jahren wohnen Schmidigers am Herterberg und haben miterlebt, wie das Quartier sich vergrössert und entwickelt hat. Gute Nachbarn zu haben, sei ein schönes Geschenk, sagen sie.

Im Bistro Hansi bei der IG Ringstrasse.

Im Bistro Hansi bei der IG Ringstrasse.

(Bild: Claudia Koch)

Auch inmitten der Stadt, konkret im neuen Café Hansi im renovierten Trompetenhüsli, begrüssen sich altbekannte wie auch neu zugezogene Nachbarn. Die Idee, hier den Tag der Nachbarn zu feiern, hatte Andrea Ferraro, ehemalige FDP-Gemeinderätin und Mitglied der IG Ringstrasse. Rund 70 Bewohnerinnen und Bewohnern der Ring- und der Spannerstrasse hat sie eigens Einladungsflyer in die Briefkästen geworfen.

«Der Anlass sollte so einfach wie möglich gestaltet sein, da ich nicht abschätzen konnte, wie viele Leute kommen.»

Das sagt Ferraro und kann sich über gut 30 Gäste, verteilt über den ganzen Abend, freuen. Sie findet, dass die Zeit reif ist, aus diesem Gebiet ein Miniquartier zu gestalten und diesem einen Namen zu geben.

Besonders heiter geht es im «Hansi» an einem Tisch mit drei Geschwistern mitsamt der angeheirateten Ehefrau und einer Nachbarin zu und her. Jakob, Martha und Ruth Vögeli wohnen zum Teil schon ein Leben lang an der Ringstrasse.

«Ende der Fünfzigerjahre haben wir auf der Strasse Fussball gespielt.»

Das erzählt Jakob Vögeli, der wieder an der heute stark befahrenen Ringstrasse wohnt. Viele Nachbarn sind den Geschwistern bekannt, neue wollen sie an diesem Anlass kennen lernen.

Im Plättli-Zoo beim Quartierverein Herten-Bannhalde.

Im Plättli-Zoo beim Quartierverein Herten-Bannhalde.

(Bild: Claudia Koch)

Wie zum Beispiel Monika Berweger, welche die Gelegenheit genutzt hat, mit ihrem Baby dem neuen Café einen Besuch abzustatten. Sie wohnt seit vier Jahren an der Ringstrasse, ihr Ehemann ist schon seit 14 Jahren ein Ringsträssler. «Wir haben zum Kennenlernen die Nachbarn jeweils sporadisch zu einem Apéro eingeladen», sagt Berweger. Auch hätten sie während des Lockdowns ältere Nachbarn angefragt, ob sie Hilfe benötigten. «Wir konnten aber erfreut feststellen, dass die meisten sehr gut vernetzt sind», so Berweger.

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