«Gut Ding will Weile haben»: Regionaler Radweg in Frauenfeld steht zehn Jahre nach der Abstimmung vor der Vollendung

In Frauenfeld rückt ein umstrittenes Projekt dem Ziel etwas näher: Nach jahrelangen Verzögerungen befindet sich der Regionale Radweg im Frauenfelder Langdorf kurz vor der Umsetzung.

Samuel Koch
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Bei der Erchingerstrasse im alten Langdorf endet die östliche Tangente des Regionalen Radwegs.

Bei der Erchingerstrasse im alten Langdorf endet die östliche Tangente des Regionalen Radwegs.

Bild: Donato Caspari

Enteignungen von Grundstücken. Diese allerletzte Massnahme kursierte einst als letztmögliche, nicht ganz ernsthafte Option in den Köpfen der Verantwortlichen herum. Denn die Verhandlungen mit Grundstückeigentümern für den finalen Abschnitt des Regionalen Radwegs in Frauenfeld stellten sich als zäh heraus, womit das 1,3 Kilometer lange Herzstück im alten Langdorf als Verbindung ins Stadtzentrum zu scheitern drohte. Stadtrat Andreas Elliker sagt:

Andreas Elliker, Stadtrat für Bau und Verkehr.

Andreas Elliker, Stadtrat für Bau und Verkehr.

Bild: Mathias Frei
«Die Landverhandlungen waren langwierig.»

Er hat das Geschäft des Regionalen Radwegs als Vorsteher des Departements Bau und Verkehr von seinem Vorgänger Urs Müller übernommen hat und jetzt über die Ziellinie bringen kann.

«Gespräche mit den Eigentümern führen wir schon lange», sagt Thomas Müller, Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr, der sich in Frauenfeld schon seit Jahren mit den Plänen für den Regionalen Radweg auseinandersetzt. Denn die erfolgreiche Abstimmung für den Kredit in Höhe von 2,45 Millionen Franken datiert vom Mai 2011.

Tröpfchenweise eröffneten die Herren alt Stadtrat und Stadtingenieur Müller einzelne Etappen des Radwegs, zuletzt das östliche Teilstück zwischen Scheidweg und Riedstrasse (hinter dem Thurgipark). Nun geht es nach jahrelangen Verzögerungen endlich wieder vorwärts. Entscheidende Entspannung haben Besitzerwechsel gebracht. Deshalb liegt der letzte Abschnitt des Regionalen Radwegs von der Erchinger- bis zur Goldackerstrasse noch bis am Mittwoch beim Amt für Tiefbau und Verkehr öffentlich auf.

Bundes- und Kantonsgelder liegen schon bereit

Bald also sollen Velofahrer den Regionalen Radweg in Frauenfeld so befahren können, wie sie ihm vor mehr als neun Jahren zugestimmt haben. Gachnang und Frauenfeld heissen damals das überkommunale Projekt gut. Felben-Wellhausen sagte Nein, weshalb der Regionale Radweg im Osten der Stadt beim Scheidweg abrupt endet.

Als Teilprojekt des Agglomerationsprogrammes fliessen für den Regionalen Radweg auch Gelder von Bund und Kanton. «Speziell ist, dass die Stadt bei diesem Projekt federführend ist», sagt Stadtrat Elliker. Für das letzte Teilstück nun liegen noch rund 1,2 Millionen Franken der gesprochenen Gesamtinvestitionen von knapp zehn Millionen Franken bereit.

Engstelle als Kompromiss

Laut damaligem Verteilschlüssel steuert die Stadt Frauenfeld jetzt noch knapp 400'000 Franken bei. Thomas Müller sagt:

Thomas Müller, Stadtingenieur Frauenfeld.

Thomas Müller, Stadtingenieur Frauenfeld.

Bild: Samuel Koch
«Wir können den Kostenrahmen trotz intensiverer und längerer Planungen sowie der Teuerung voraussichtlich knapp einhalten.»

Einzig wenige Meter des letzten Abschnitts können nicht auf der vorgesehenen Breite von 3,5 Metern erfolgen. «Wir haben mit der Engstelle einen Kompromiss gesucht und ihn gefunden», sagt Thomas Müller. Nebst der Anbindung an den Radweg hinter dem Thurgipark entsteht bei der Langdorfstrasse eine neue Zufahrt, wo die Strasse bisher gequert werden musste. Dann pedalen die Velofahrer neben der Bahnlinie über eine Brücke in Richtung Stadtzentrum, vorbei an der Kehlhofstrasse bis zum Ende des Radwegs bei der Erchingerstrasse.

Ab dort gestaltet sich die Weiterfahrt schwieriger, entweder biegen die Velofahrer beim Restaurant Pergola auf die Bahnhofstrasse ein oder sie gelangen unter den Gleisen hindurch auf nördlicher Seite via Lindenpark zum Bahnhof. Elliker und Müller wollen festhalten, dass die Weiterfahrt ab der Erchingerstrasse 2011 nicht Teil der Botschaft war. Am besten wäre wohl die Fortsetzung eines Radwegs südlich der Bahngleise. «Das ist die naheliegende Lösung, aber eine schwierige», sagt Elliker und stuft die Umsetzung höchstens als Fernziel ein.

Baustart im Spätsommer geplant

Zum jetzt aufliegenden Herzstück im alten Langdorf sind noch keine Einsprachen eingegangen. Geht das noch bis Mittwoch so weiter, könnten die Arbeiten zeitnahe vergeben werden. Dann stünde einem Baustart im Spätsommer nichts mehr im Weg, wie Thomas Müller sagt. Die Eröffnung des Radwegs wäre dann im Frühling 2021 geplant. «Das wäre dann genau zehn Jahre nach der Abstimmung», sagt er. Und Stadtrat Elliker meint: «Gut Ding will eben Weile haben.»

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