Güttinger Tagung
Mit Einigkeit und Herzblut gewinnen die Bauern auch weitere Schlachten

Beim Treffen der Obstbranche zeigte sich der stellvertretende Direktor des Schweizer Bauernverbands, Urs Schneider, befriedigt über den Abstimmungskampf zu den Agrar-Initiativen.

Trudi Krieg
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Die Obstbranche traf sich am Samstag in Güttingen.

Die Obstbranche traf sich am Samstag in Güttingen.

Trudi Krieg

Aus den beiden Agrar-Initiativen, welche das Stimmvolk am 13. Juni ablehnte, können die Bauern lernen, sagte Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbands (SBV). Ausschlaggebend für den Erfolg sei ein beispielloses Engagement der bäuerlichen Basis gewesen. Eine gute Organisation, Einigkeit, permanente Information, überzeugende Argumente und viel Herzblut hätten das Ihre dazu beigetragen.

Das gelte es bei zukünftigen Abstimmungen beizubehalten. Weiterhin werden viele Erwartungen in die Landwirtschaft gesetzt, besonders bezüglich ökologischer Leistungen.

Urs Schneider, Bauernverband.

Urs Schneider, Bauernverband.

Donato Caspari

Schneider sprach am Samstag an der Güttinger Tagung auf dem Versuchsbetrieb des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg, einem Treffen der Obstbranche.

Bauernverband wehrt sich gegen Verwaltungsaufwand

Eine Sistierung der Weiterentwicklung der Agrarpolitik nach den Vorschlägen des Bundesrats (AP 22 +) habe der Bauernstand angestrebt, weil sie eine Senkung des Selbstversorgungsgrades, tiefere Einkommen und einen höheren administrativen Aufwand zur Folge gehabt hätten. Diesen Punkt gelte es bei einer Neuauflage zu beachten, sagte Schneider.

Manuel Boss, der seit Anfang Juni den Kompetenzbereich Pflanzen und pflanzliche Produkte bei Agroscope leitet, stellte sich vor. Unter anderem bringt er Erfahrung mit aus Tätigkeiten beim Bundesamt für Landwirtschaft, bei Syngenta und als Botschaftsrat der Schweizer Landwirtschaft bei der EU in Brüssel.

In der Schweizer Landwirtschaft gebe es eine grosse anstehende Themenvielfalt: hohe Erträge zu bester Qualität, die nachhaltig, ökologisch, ökonomisch und sozial sein sollten. Ein Wundermittel für die Zukunft gebe es nicht.

Neuer Agroscope-Leiter: Zu viele Fragen

Der Klimawandel mit Wetterextremen sei eine besondere Herausforderung. Das alles seien zu viele Fragen für eine Branche. Das Kompetenznetzwerk Obst und Beeren suche neue Formen der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen.

An Infopfosten in den Obstanlagen gaben Fachleute von Agroscope Auskunft zu laufenden Versuchen. Hagelnetze sind altbekannt und haben sich besonders in diesem Jahr vielerorts bewährt. Neu laufen Versuche zur Volleinnetzung in Anlagen auf dem Arenenberg, in Wädenswil, Bavendorf und Schlachters.

Dabei wird auch mit feinmaschigen Seitennetzen, Regendach und Folie gearbeitet. Die Versuche laufen mit den Sorten Bonita und Gala, bei denen keine Fungizide mehr eingesetzt werden mussten.

Johannes Hanhart vom Beratungsdienst Agridea findet die Folienabdeckung als ein System mit Zukunft. Das sei gut gegen den Befall mit Apfelschorf. Ziel sei es, so weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen. Nachteilig wirken sich die hohen Kosten und der verminderte Lichteinfall aus, was eine Ernteverzögerung bewirken könnte.

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