Gülle und Trockenheit: In den Thurtaler Bächen hat es zu viel Nitrat

Wegen der Trockenheit 2018 verschlechterte sich die Wasserqualität deutlich. 2020 könnte das wieder der Fall sein.

Thomas Wunderlin
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Der Chemebach bei der Mannenmühle in Hugelshofen gehört zu jenen Gewässern, die 2018 zu viel Nitrat aufgewiesen hatten.

Der Chemebach bei der Mannenmühle in Hugelshofen gehört zu jenen Gewässern, die 2018 zu viel Nitrat aufgewiesen hatten.

Reto Martin

An 37 Stellen im Einzugsgebiet der Thur entnahmen Mitarbeiter des Amts für Umwelt 2019 Wasserproben. Das Resultat ist im Geschäftsbericht des Thurgauer Regierungsrats zu finden: Lediglich 69 Prozent der untersuchten Bäche erfüllten die gesetzlichen Qualitätsziele und wiesen eine befriedigende bis sehr gute Wasserqualität auf.

Das bedeutet, dass sich die Wasserqualität gesamthaft verschlechtert hat. Denn bei der letzten Untersuchungsperiode 2016 hatte das Bachwasser noch zu 86 Prozent die Qualitätsziele erreicht. Um eine nachhaltige Verschlechterung handelt es sich jedoch nicht, sagt Heinz Ehmann, Leiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung. Eher seien es «Nachwehen der Trockenheit 2018».

Die ersten drei Monate 2019 blieb die Wasserqualität schlecht

Beurteilt wurde die Wasserqualität nach sieben Parametern. Die Verschlechterung ist aber vor allem auf den Nitratgehalt zurückzuführen. Die wichtigste Nitratquelle ist die Landwirtschaft.

Heinz Ehmann, Leiter Abteilung Wasserqualität.

Heinz Ehmann, Leiter Abteilung Wasserqualität.

Nana do Carmo

Nitrat ist ein Düngemittel, das in der Gülle enthalten ist. Im trockenen Boden kann es sich anreichern. Der Regen schwemmt es wieder aus. Während des überaus trockenen Jahres 2018 hatte sich die Wasserqualität der Bäche mit geringen Abflussmengen verschlechtert.

Als Folge der geringen Abflussmengen kam, wie es Ehman formuliert, «die zivilisatorische Hintergrundbelastung stärker zum Vorschein». Als Folge habe sich das Artenspektrum der Wasserlebewesen «in Richtung weniger sensibler Arten» verschoben und die Artenvielfalt verringerte sich. 2019 blieb die Qualität bezüglich Nitrat schlecht, bis genügend Regen gefallen war.

Ab Ende März/Anfang April pendelte sich der Nitratgehalt laut Ehmann wieder «im üblichen Bereich» ein.Ebenso wie 2018/19 könnte sich laut Ehmann die Wasserqualität im laufenden Jahr wieder verschlechtern: «Wenn es trocken bleibt».


Unkrautvertilger töten Flusskrebschen

Auch Gemeinden und Private setzten Unkrautvertilger und Insektizide ein, nicht nur Landwirte. Dabei ist die Anwendung von Herbiziden an Wegen und Plätzen seit 2004 grundsätzlich verboten.  Eine Ausnahme gilt für Bahndämme.

Wie schon letztes Jahr wendet sich Urs Müller, Experte des landwirtschaftlichen Beratungszentrums Arenenberg, an die Thurgauer Zeitung, um die Öffentlichkeit für das Problem zu sensibilisieren.

Als Beispiel erwähnt er Zigarettenstummel, die weggeworfen und beim nächsten Regen weggeschwemmt werden. Das Nikotin, aber auch Arsen, Blei und andere Chemikalien, die sich darin befinden, vergiften das Wasser ähnlich wie Neonikotinoide. Diese hochwirksamen Insektengifte sind in der Landwirtschaft und bei Hobbygärtnern beliebt.

«Ein Tropfen Neonikotinoid beschädigt einen Bach auf dreissig Kilometer», sagt Müller. «Er tötet alle Insekten und Flusskrebschen.» Die direkte Anwendung von Herbiziden an Strassen, Dolen und auf Plätzen bezeichnet Müller als «erschreckend».

Verfärbte Gräser verraten den Einsatz von Herbiziden
Gelb verfärbte Gräser und Kräuter zeigen den Einsatz von Herbiziden an. Auf versiegelten Flächen werden sie nicht abgebaut, sondern gelangen mit dem Regenwasser in Schächte und Bäche. Das gilt auch für Plätze, die mit Kies oder mit Elementen belegt sind.

Nicht verboten ist der Gifteinsatz auf unbefestigten und mit einer Humusschicht versehenen Wegen in Gärten oder auf Spielrasen in Sportanlagen. Der Boden hält dort die Herbizide zurück. Die Bodenlebewesen haben Zeit, um sie abzubauen.

Laut Müller werden die Mittel oft überdosiert oder beim Anmachen geht etwas daneben, was beim nächsten Regen weggespült wird. Als Alternative empfiehlt der Berater: «Abflammen mit einem Brenner, jäten, striegeln oder einfach der Natur ihren Lauf lassen.»

Der Kanton Thurgau beteiligt sich am mehrjährigen Projekt Aquasan, das die Eintragspfade von Pflanzenschutzmitteln in die Gewässer genauer erkennen soll. Das Amt für Umwelt hat dafür letztes Jahr an acht Feldmessstellen 115 Proben entnommen. Die ersten Resultate werden vom Landwirtschaftsamt voraussichtlich im Mai veröffentlicht. (wu)

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