Ab Freitag fahren die Nachtzüge in den Ostschweizer Kantonen, im Kanton Zürich aber nicht – doch dürfen die Züge über die Kantonsgrenze nach Winterthur fahren?

Die Ostschweizer Kantone sind sich einig: Ab Freitag verkehren wieder Nachtzüge. Bis am Dienstag war aber noch unklar, ob sie auch den Start- und Zielbahnhof Winterthur anfahren können. Jetzt ist klar: Grünes Licht bis Winterthur.

Silvan Meile
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Thurbo betreibt die meisten Nachtverbindungen in der Ostschweiz.

Thurbo betreibt die meisten Nachtverbindungen in der Ostschweiz.

Bild: Susann Basler

Auf dem Schienennetz prallten am Dienstag zwei unterschiedliche Ansichten aufeinander. Obwohl der Kanton Zürich die ab Freitag geplante Wiedereinführung der Nachtzüge auf seinem Gebiet kurzfristig verbot, halten die Ostschweizer Kantone an den ursprünglichen Plänen fest, den Betrieb der nächtlichen Fahrten wieder aufzunehmen.

Der Bahnhof Winterthur wird zum Zankapfel

Im Raum St.Gallen stellt das aufgrund der Einigkeit der involvierten Kantone kein Problem dar. Anders ist das hingegen im westlichen Thurgau und im Raum Wil. Diese Gebiete sind durch Nachtzüge mit Winterthur verbunden. Mit ihnen strömen die Ostschweizer für den Ausgang in der Eulachstadt. Doch unter anderem das versuchte die Zürcher Regierung mit ihrem Nachtzugverbot zu verhindern.

In Verhandlungen zwischen den Ostschweizer Kantonen und dem Kanton Zürich stellte sich deshalb am Dienstag die Frage: Dürfen die Zürcher den Ostschweizern verbieten, dass ihre Nachtzüge aus und nach Winterthur fahren? Am Abend konnte Stefan Thalmann, Leiter der Dienststelle für öffentlichen Verkehr des Kantons Thurgau, aufatmen:

Stefan Thalmann, Dienststelle öffentlicher Verkehr Kanton Thurgau.

Stefan Thalmann, Dienststelle öffentlicher Verkehr Kanton Thurgau.

Bild: Donato Caspari
«Es wurde entschieden, dass der Hauptbesteller, also jener Kanton, der die meisten Kilometer der Nachtverbindung aufweist, darüber entscheidet, ob sie gefahren wird.»

Durch diesen Entscheid rollt ab Freitagnacht sowohl der Nachtzug Romanshorn-Winterthur als auch jener zwischen St.Gallen und Winterthur fahrplanmässig. Die Ostschweizer Vertreter setzten sich hartnäckig für die Wiederaufnahme dieser Nachtverbindungen ein: Wenn sie mit dem Kanton Zürich keine Einigung erzielt hätten, wären die umstrittenen Nachtzugfahrten von und nach Winterthur wohl ein Fall für das Bundesamt für Verkehr geworden.

Zürcher zogen die Notbremse

Thalmann vertritt die Haltung, wenn Bars und Clubs ohne zeitliche Einschränkungen offen haben, sollten auch Züge wieder fahren dürfen. Sonst würden die Leute einfach mit dem Auto in den Ausgang fahren.

«Oder es überlastet die letzte Verbindung am Abend und die erste am Morgen.»

Die Weichen für die Wiederaufnahme der Nachtzugverbindungen wurden gestellt, als der Bundesrat per 6. Juni die Polizeistunde aufhob und Anlässe bis 300 Personen erlaubte. Um den Betrieb wieder aufzugleisen, wurde den Transportunternehmen eine Vorlaufzeit gewährt. Am kommenden Wochenende kommen somit die Ostschweizer Spätheimkehrer wieder mit dem öffentlichen Verkehr nach Hause.

Nicht aber im Kanton Zürich. Dort zog der Regierungsrat am vergangenen Freitag plötzlich die Notbremse. Die Wiederaufnahme der Nachtverbindungen würde die Wirkung der Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gefährden. Zuvor verschärfte die Zürcher Gesundheitsdirektion die Regeln für Clubs, weil sich an zwei «Superspreader-Events» mehrere Personen mit dem Coronavirus ansteckten.

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