GLP-Kantonsrat Ueli Fisch verzichtet auf Kandidatur als Regierungsrat – Thurgauer Grüne stehen nun unter Zugzwang

GLP-Kantonsrat Ueli Fisch verzichtet auf eine Kandidatur als Regierungsrat. Jetzt sind die Grünen gefordert, die Regierungsparteien an den Wahlen vom kommenden März herauszufordern.

Silvan Meile
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Bisher blieb kleineren Parteien der Einzug in die Thurgauer Regierung verwehrt. (Bild: Reto Martin)

Bisher blieb kleineren Parteien der Einzug in die Thurgauer Regierung verwehrt. (Bild: Reto Martin)

Ueli Fisch hat genug. Er werde im Frühling nicht als Regierungsrat kandidieren. Seinen Entscheid habe er am Montagabend der Parteileitung mitgeteilt, sagt der GLP-Kantonsrat aus Ottoberg. Damit hat sich der aussichtsreichste Herausforderer aus dem Rennen genommen. «Mein Entscheid ist definitiv», sagt Fisch, «obwohl ich von verschiedenen Seiten motiviert worden bin».

Glp-Kantonsrat Ueli Fisch.

Glp-Kantonsrat Ueli Fisch.

Donato Caspari

Die Grünliberalen müssen jetzt wohl mangels Personal auf eine Kandidatur verzichten. Auch die EVP winkt auf Anfrage ab. Und weder von der BDP noch von der EDU ist eine Kandidatur zu erwarten. Damit tritt im Thurgau das ein, was hier schon Tradition hat: Die Regierungsparteien, die gegenseitig jegliche Konfrontation vermeiden, bleiben unangefochten. Die vier Bisherigen haben ihre Wahl praktisch auf sicher. Auch SVP-Kandidat Urs Martin, der den Sitz des abtretenden Parteikollegen Jakob Stark verteidigt, kann es gelassen angehen. Den Thurgauer Regierungsratswahlen vom 15. März droht deshalb einmal mehr die grosse Langweile.

Etwas daran ändern können nur noch die Grünen. Doch dafür müssen sie nun aber schleunigst eine geeignete Kandidatur aus dem Hut zaubern.

Gespräche mit vier möglichen Kandidaten

Die Grünen sind jedoch noch nicht auf Wahlkampf eingestellt, vielmehr auf Schützenhilfe. Kantonalpräsident Kurt Egger macht keinen Hehl daraus, dass sich seine Partei gut hätte vorstellen können, eine Kandidatur Ueli Fischs zu unterstützen, ohne jemanden aus den eigenen Reihen ins Rennen zu schicken. Doch durch dessen Verzicht stehen die Grünen unter Zugzwang. «Es sieht so aus, als liege es nun an uns», sagt Egger, der an seinem zweiten Tag als neugewählter Nationalrat durchaus noch andere Themen auf seinem Pult liegen hat. Er sagt:

«Wir führen derzeit Gespräche mit möglichen Kandidaten.»

Vier Personen seien mit der Parteileitung im Austausch.

«Ich schliesse eine Kandidatur nicht ganz aus», sagt der Ermatinger Peter Dransfeld. Als Kantonsrat hat er sich längst einen Namen gemacht. Das führte den Architekten an den eidgenössischen Wahlen vom letzten Listenplatz der Grünen auf den ersten Ersatzplatz hinter Egger.

Partei- und Ratskollegin Karin Bétrisey aus Kesswil könnte auch in Frage kommen. «Es ehrt mich, dass ich von der Partei angefragt wurde», sagt die Raumplanerin. Ihr sei bewusst, dass die Grünen bei diesen Wahlen jemanden ins Rennen schicken müssten. Vor diesem Hintergrund überlege sie sich eine Kandidatur, auch wenn sie eigentlich als Geschäftsfrau mit Familie bereits ausgelastet sei.

Auch die grünen Politiker Didi Feuerle (Arbon) und Sandra Reinhart (Amriswil) gehören wohl zum möglichen Kandidatenfeld. Doch beide sind erst kürzlich in den Stadtrat ihrer Wohngemeinde gewählt worden. Reinhart fehlt ausserdem Erfahrung des kantonalen Politikbetriebs im Grossen Rat.

Spätestens am 13. Januar ist klar, mit wem die Grünen in den Wahlkampf um einen Thurgauer Regierungsratssitz gehen. Dann findet die Mitgliederversammlung der Partei statt.

Trotz Achtungserfolg und Abstimmungssieg

Bei den letzten Erneuerungswahlen der Kantonsregierung im Jahr 2016 forderte der grünliberale Ueli Fisch mit einem beherzten Wahlkampf die regierenden Parteien heraus. Er schaffte damals das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger aus.

Dieser Achtungserfolg beflügelte den engagierten Kantonsrat. Vergangenen Frühling scharte er schliesslich bei der von ihm lancierten Volksabstimmung um das Öffentlichkeitsgesetz 80 Prozent der Thurgauer Stimmbürger hinter sich. Doch an den eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober erlebte er einen Dämpfer. Sowohl der Nationalrats- als auch der Ständeratssitz blieben für ihn ausser Reichweite.

Als Mitglied einer Kleinpartei benötige ein solcher Wahlkampf besonders viel Energie, sagt Fisch. Diese will der selbstständige Textilunternehmer nicht mehr aufwenden, auch seiner Familie zuliebe.