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In Oberneunforn sagen bunte Taschen Grüezi auf Burmesisch

Am Anfang stand eine Rundreise. Ruth Portmann und ihre Tochter Stefanie Egli verkaufen seit kurzem bunte Plastiktaschen aus Myanmar. Der ganze Erlös fliesst wieder ins südostasiatische Land zurück.
Therese Schurter
Ruth Portmann und ihre Tochter Stefanie Egli im gemeinsamen Taschenladen in Oberneunforn. (Bild: Therese Schurter)

Ruth Portmann und ihre Tochter Stefanie Egli im gemeinsamen Taschenladen in Oberneunforn. (Bild: Therese Schurter)

Wer in Oberneunforn Richtung Waltalingen fährt, dem fällt die Werbetafel «Taschen aus Myanmar» am Dorfausgang auf. Dahinter stecken Ruth Portmann und ihre Tochter Stefanie Egli. Sie haben vor kurzem ein Ladenlokal eröffnet, wo sie bunte Taschen aus einer Familienproduktion Myanmar verkaufen. «Mingalarbar» heisst der Laden, so sagt man in Myanmar Hallo.

Ruth Portmann und ihr Mann Martin interessieren sich für andere Kulturen, schon öfters waren sie in Asien unterwegs. Als Nicht-Skifahrer verkürzen sie sich die kalte Jahreszeit gerne mit Reisen in warme Länder: Vietnam, Kambodscha, Laos, Bangladesch, Thailand und 2011 erstmals nach Myanmar. Dort nahm diese Taschengeschichte ihren Anfang. Portmanns buchten eine Rundreise mit deutschsprachiger Reiseleitung. Eine sympathische, junge Frau namens Htu Htu führte sie kompetent durchs Land und ermöglichte tiefe Einblicke in den Alltag. Das Land mit seinen liebenswerten Menschen hinterliess bleibende Eindrücke.

Htu Htu wurde für die Portmanns zur Tochter

Im Sommer des gleichen Jahres wurde Htu Htu von einem österreichischen Ehepaar zu einer Rundreise durch Europa eingeladen. Htu Htu fragte Familie Portmann an, ob sie auch ein paar Tage in Oberneunforn verbringen dürfe. Freudig sagten Portmann zu. So festigte sich die Freundschaft, und Htu Htu wurde wie eine dritte Tochter für Ruth und Martin Portmann.

Im Jahr darauf heiratete die älteste Portmann-Tochter Stefanie und verbrachte mit ihrem Mann die Flitterwochen in Myanmar, wo Htu Htu auch wieder als Reiseführerin wirkte. Die beiden Jungverheirateten waren zuvor schon in Asien herumgereist, dann das erste Mal mit einer Reiseleitung. «Es war anstrengend, aber eine interessante und schöne Erfahrung», erinnert sich Stefanie Egli zurück.

«Es wäre eine Beleidigung gewesen, wenn wir das Programm mit allen Sehenswürdigkeiten nicht mitgemacht hätten.»

Im Jahr 2013 schenkte sich Ruth Portmann etwas Besonderes: Sie lud Htu Htu in die Schweiz ein. Wie in Myanmar besuchten sie auch hier einen Markt, feierten zusammen den 1. August, machten Velotouren und freuten sich über Htu Htus Kochkünste. Natürlich seien Welten aufeinandergeprallt. Doch für die Burmesen sei es keine Frage, wo sie zu Hause seien, sagt Ruth Portmann. Sie seien mit ihrer Heimat verbunden. Auch der Glaube sei verwurzelt.

Zusatzeinkommen für eine ganze Familie

2015 feierte Htu Htu Hochzeit. Ruth und Martin Portmann waren auch eingeladen. Es sei ein besonderes Erlebnis gewesen, und sie hätten es genossen. Auf dem lokalen Markt fielen ihnen die bunten Taschen auf, und sie packten ein paar davon in ihre Koffer. In der Schweiz verschenkten die Portmanns diese und erhielten positive Rückmeldungen. Obwohl die Hürden für einen Import aus Myanmar hoch sind, entschied sich Ruth Portmann, den Schritt zu wagen und zusammen mit ihrer Tochter Stefanie solche Taschen in der Schweiz zu verkaufen. Ruth Portmann sagt:

«Der ganze Erlös geht nach Myanmar.»

An der Hochzeit von Htu Htu: Martin und Ruth Portmann umrahmen das Brautpaar. (Bild: PD)

An der Hochzeit von Htu Htu: Martin und Ruth Portmann umrahmen das Brautpaar. (Bild: PD)

Die Taschen werden aus Plastikbändern gefertigt. In Myanmar steckt eine ganze Familie hinter den Taschen. Familienvater Ko Chit Ko fährt jeden Morgen mit dem Moped nach Bagan – die nächste Stadt – auf den Markt, um die Taschen zu verkaufen, welche seine ganze Familie geflochten hat. Die Familie wohnt im Dorf Myit Che, das nördlich von Bagan liegt, am westlichen Ufer des Flusses Ayeyarwady. Der Taschenverkauf in der Schweiz ermöglicht dieser Familie ein zusätzliches Einkommen. Ein Teil des Erlöses geht auch Htu Htu und ihre Familie. Sie kann vorerst nicht mehr als Reiseleiterin arbeiten, da diesen Frühling ihr erstes Kind zur Welt gekommen ist, ein gesunder Bub.

Hier gibt's die Taschen: www.mingalarbar.ch

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