Glosse

Mosttröpfli: Grünes Dilemma

Zu einer Terminkollision wegen den Bundesratswahlen kommt es heuer nicht. Das Ungemach ist in diesem Jahr aber weitaus grösser. Und trifft ausgerechnet die siegreichen Grünen. 

Sebastian Keller
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Die Bernerin Regula Rytz (GP) kandidiert für den Bundesrat. Auch wenn

Die Bernerin Regula Rytz (GP) kandidiert für den Bundesrat. Auch wenn  

(Bild: Gaetan Bally, KEYSTONE)
Sebastian Keller, Redaktor Thurgauer Zeitung

Sebastian Keller, Redaktor Thurgauer Zeitung

(Bild: Reto Martin)

Vor einem Jahr war es denkbar ungünstig. Da wählte die Vereinigte Bundesversammlung Karin Keller-Sutter und Viola Amherd in den Bundesrat. Zur gleichen Zeit im Thurgau: Der Grosse Rat in Weinfelden muss das Budget beraten. Just während des Politereignisses des Jahres, bei dem das Land mitfiebert wie bei einer Fussball-WM. Cassis statt Messi, Sommaruga statt Ronaldo.

Tempi passati! Das Budget ist schon durch. Einem erquickenden TV-Morgen steht nichts im Wege. Der Angriff auf Bundesrat Cassis verspricht Spannung. Der grüne David gegen Goliath mit der Zauberformel als Schutzschild. Davids Fraktion lässt vor der entscheidenden Schlacht nichts unversucht. Der Thurgauer Neo-Nationalrat Kurt Egger verteilt fleissig Panini-Bildli von Regula Rytz in der Wandelhalle.

Doch an der Heimfront ebbt die grüne Welle ab. Ausgerechnet. Den Thurgauer Ökoparteien schwimmen die Kandidaten für die Regierungsratswahlen davon. Ueli Fisch – grünliberale Allzweckwaffe – erholt sich nach Jahren des politischen Gegenstromschwimmens in der familiären Flachwasserzone. Wer bleibt da noch?

Nur Eggers Partei kann dem sonst zum Wiegenlied verkommenden Wahlkampf grünen Pfeffer verleihen. Doch der parteiinterne Aufruf «Freiwillige vor» mündete in klösterlichem Schweigen. Doch auch den Grünen ist der Wählerwille heilig.

Deshalb loten sie familienfreundliche Optionen aus: Regieren im Jobsharing, Kita im Regierungsgebäude, Homegovern. Die Staatskanzlei winkt nach einer Vorprüfung ab. Mit einem verfassungskonformen Angebot wartet sie aber auf: Learning by Doing – das sei auch im Bundesrat gang und gäbe. Sebastian Keller

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