Grossprojekt
Der Kanton Thurgau plant sein Historisches Museum als Erlebniswelt mit internationaler Ausstrahlungskraft

In einer alten Saurer-Industriehalle in Arbon will der Kanton, mit seiner eigenen Geschichte aufzutrumpfen. Das neue Historische Museum dürfte rund 45 Millionen Franken kosten und soll jährlich 100'000 internationale Besucher anziehen. Voraussichtlich im Jahr 2024 entscheidet das Thurgauer Stimmvolk darüber.

Silvan Meile
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Kreativ-Direktor Xavier Bellprat erläutert Pläne für das Historische Museum Thurgau.

Kreativ-Direktor Xavier Bellprat erläutert Pläne für das Historische Museum Thurgau.

Bild: Kevin Roth

Von wegen Thurgauer Bescheidenheit: Der Kanton will seine neuere Geschichte ab dem Zeitpunkt der Kantonsgründung so spannend aufbereiten, dass sie auch Publikum jenseits der Kantons- und Landesgrenzen anzieht. In der denkmalgeschützten Industriebrache des Saurer-Werks II in Arbon wollen die Verantwortlichen mit der ganz grossen Kelle anrühren. Interaktiv und mit modernsten multimedialen Mitteln soll das neue Historische Museum Thurgau ein Bildungs- und Erfahrungsort für die Bevölkerung werden.

Mit im Boot der Projektplanung ist der Winterthurer Xavier Bellprat. Sein Atelier ist weltweit tätig in Konzeption, Design und Realisation von Auftritten renommierter Kunden. Aus dem Historischen Museum Thurgau, das bisher im Schloss Frauenfeld Exponate zeigt, will er in Arbon ein Ausflugsziel mit touristischer Bedeutung schaffen. Als Vergleiche zieht er am Montag anlässlich einer Medienorientierung des Kantons das Technorama und das Verkehrshaus bei.

Im neuen Historischen Museum Thurgau sollen etwa die gesellschaftliche oder technische Entwicklungen der vergangenen 200 Jahre an Beispielen aus dem Thurgau auf eine allgemeingültige Ebene transportiert und so für ein breites Publikum erlebbar gemacht werden. Im Zentrum steht die Frage:

«Wie verändert der technische Fortschritt unsere Arbeit und unser Leben in Geschichte, Gegenwart und Zukunft?»

Wie gross das Projekt werden soll, zeigt das von Bellprat angedachte Einzugsgebiet:

Bis zu 90 Minuten Anfahrtsweg sollen die künftigen Besucher auf sich nehmen. Das erschliesse mit Zürich, dem süddeutschen Raum und Teilen Österreichs einen Lebensraum, in dem neun Millionen Menschen wohnen. Der Kreativ-Direktor Bellprat rechnet mit jährlich rund 100'000 Museumsbesuchern in Arbon. Die Thurgauer selber würden sieben bis zehn Mal in ihrem Leben während jeweils zweieinhalb bis drei Stunden die laufend wechselnden Ausstellungen aufsuchen. Rund 25 Personen soll das Museum beschäftigen und einen Umsatz von jährlich vier Millionen Franken generieren, sagt Bellprat.

Regierungsrätin Knill erwähnt einen Kostenrahmen von 40 bis 45 Millionen Franken.

Noch befindet sich das Projekt in der Vorbereitung. Die Kaufverhandlung für die Saurer-Webmaschinenhalle, die sich im Besitz der Totalunternehmerin HRS Real Estate AG befindet, seien praktisch abgeschlossen, sagt Regierungsrätin Monika Knill. Für eine Million Franken kauft der Kanton die mehr als 7000 Quadratmeter grosse Halle beim Bahnhof Arbon. Die Gesamtkosten für das Museumsprojekt könnten derzeit noch nicht genau festgelegt werden, sagt Knill weiter.

«Wir rechnen mit einem Rahmen von 40 bis 45 Millionen Franken.»

Anvisiert sei «ein Leuchtturm, der weit über die Grenze ausstrahlt». Dabei wolle man nicht nur auf die Thurgauer Geschichte fokussieren, sagt Martha Monstein, Leiterin des kantonalen Kulturamtes. Ungewiss bleibt, wie stark das geplante Museum die Staatskasse jährlich belasten könnte.

Regierungsrätin Monika Knill (links) und Martha Monstein, Leiterin des kantonalen Kulturamtes, an der Medienkonferenz am Montag.

Regierungsrätin Monika Knill (links) und Martha Monstein, Leiterin des kantonalen Kulturamtes, an der Medienkonferenz am Montag.

Bild: Kevin Roth

Für das kommende Jahr ist ein Architekturwettbewerb zum Umbau der ehemaligen Saure- Webmaschinenhalle geplant. Roland Ledergerber, stellvertretender Kantonsbaumeister, spricht von einer «einmaligen, identitätsstiftenden Industriearchitektur mitten im entwickelten Stadtgebiet». 2024 soll eine Botschaft in den Grossen Rat kommen. Danach wird das Thurgauer Stimmvolk an der Urne über das Projekt entscheiden.

33 Millionen für Sanierungen des Schloss Frauenfelds und des Kunstmuseums in der Kartause Ittingen

An der Medienorientierung vom Montag gab der Kanton auch bekannt, dass das bestehende Historische Museum im Schloss Frauenfeld, das erhalten bleibt und sich ausschliesslich der älteren Thurgauer Geschichte vor der Kantonsgründung widmet, für 18 Millionen Franken erneuert werden soll. Mit einer Gesamtsanierung plant der Kanton das Raumangebot zu verbessern, den Zugang barrierefrei zu gestalten und die Schlossremise mit einem unterirdischen Durchgang mit dem Schloss zu verbinden. Weitere 15 Millionen Franken sind für die Sanierung der bestehenden Räume des Kunstmuseums in der Kartause Ittingen eingeplant. Beide Projekte sollen 2023 dem Grossen Rat zur Genehmigung vorgelegt werden.
(sme)