Grosser Rat
Nach dem Wahldebakel der Grünen: Die SP nominiert Barbara Dätwyler zur Wahl als Vizepräsidentin des Thurgauer Grossen Rats

Die Fraktion der SP schickt die Frauenfelderin Barbara Dätwyler ins Rennen. Die bürgerlichen Fraktionen sind mit dieser Nomination einverstanden. Dätwyler bringt nicht nur Sympathien mit, sondern auch Erfahrung aus dem Grossratsbüro. Und sie war einst Präsidentin des Frauenfelder Stadtparlaments.

Silvan Meile
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SP-Kantonsrätin Barbara Dätwyler an einer Sitzung des Grossen Rats.

SP-Kantonsrätin Barbara Dätwyler an einer Sitzung des Grossen Rats.

Bild: Donato Caspari

Die Thurgauer Sozialdemokraten haben am Mittwochnachmittag an einer Sitzung der Fraktionspräsidenten ihre Kandidatur für das Vizepräsidium des Grossen Rats bekanntgegeben. Barbara Dätwyler tritt an der nächsten Grossratssitzung vom 9. Juni zur Wahl an. Das verrät SP-Fraktionspräsidentin Sonja Wiesmann gegenüber der «Thurgauer Zeitung».

Barbara Dätwyler musste ihren Entscheid kurzfristig fällen. Eigentlich wollte die SP das ihr turnusgemäss zustehende Amt den erstarkten Grünen überlassen. Deren Kandidatin Karin Bétrisey wurde aber aufgrund der Ablehnung von bürgerlicher Seite an der vergangenen Grossratssitzung nicht gewählt. Dadurch verpasste die Partei eine historische Wahl als Nichtregierungspartei.

Nachdem die Grünen daraufhin den Ball an die SP zurückgespielt haben, schicken diese nun mit Barbara Dätwyler eine Kantonsrätin ins Rennen, die im Rat viel Sympathien geniesst. Nichts deutet darauf hin, dass sie diese Wahl verpassen sollte.

Bürgerliche äussern keine Kritik an dieser Nomination

«Ich gehe schwer davon aus, dass wir Barbara Dätwyler unterstützen», sagt Stephan Tobler, Fraktionspräsident der SVP. Von Bedenken, wie sie im Vorfeld des Wahlprozesses zur Person von Karin Bétrisey geäussert wurden, ist jedenfalls nichts zu hören. Auch FDP-Fraktionspräsident Anders Stokholm sagt, er könne sich nicht vorstellen, dass seine Fraktion diese Wahl nicht gutheissen werde.

Bei der CVP gebe auch diese Personalie keinen Anlass für Diskussionen, sagt Fraktionspräsident Gallus Müller. Davon gehe er jedenfalls aus.

Dätwyler hat Erfahrung und geniesst Sympathie

Barbara Dätwyler sitzt seit 2018 im Grossen Rat. Sie blickt bereits auf ein Jahr Erfahrung im Parlamentsbüro, kennt die Abläufe der Sitzungen. «Man sagt mir nach, dass ich über die Parteigrenze hinweg den Kontakt suche», sagt sie. Das falle ihr nicht schwer.

Sie ist ausserdem seit Sommer 2019 Stadträtin in Frauenfeld und präsidierte davor das Gemeindeparlament. «Ich wünsche mir, dass der Parlamentsbetrieb wieder in ruhigere Bahnen gelenkt wird», sagt sie zu den Turbulenzen im Grossen Rat aufgrund der Nichtwahl von Bétrisey.