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Grosse Rat des Kantons Thurgau: Wenn die Frauen das Parlament übernehmen

Im Thurgauer Kantonsparlament sind Frauen in der Minderheit, sie besetzen 34 von 130 Sitzen. Um den Anteil zu heben, könnte sich SP-Kantonsrätin Barbara Kern eine parlamentarische Kinderkrippe vorstellen.
Sebastian Keller
Der Grosse Rat des Kantons Thurgau wird von Männern dominiert. Auf 96 von 130 Stühlen sitzen Männer. (Bild: Donato Caspari)

Der Grosse Rat des Kantons Thurgau wird von Männern dominiert. Auf 96 von 130 Stühlen sitzen Männer. (Bild: Donato Caspari)

Alle Thurgauer Kantonsräte haben die Grippe. Gleichzeitig. Wegen der Krankheit können sie nicht an der Grossratssitzung teilnehmen. Unter dieser Prämisse startet die Betrachtung «Thurgauer Frauenparlament». Hüten alle Männer das Bett, bleiben 96 der 130 Sitze leer. Der Frauenanteil beträgt 26 Prozent, etwas mehr als einen Viertel.

Sitzen nur die 34 Kantonsrätinnen im Saal, ändern sich die politischen Mehrheitsverhältnisse (siehe Grafik). Aus dem rechtsbürgerlichen wird ein linksgrünes Parlament. In diesem ist die SP mit zehn Mandaten die stärkste Kraft. Sie ist die einzige Partei im 130-köpfigen Grossen Rat, in der die Frauen in der Mehrheit sind.

Isabelle Altwegg, SVP-Kantonsrätin aus Sulgen.

Isabelle Altwegg, SVP-Kantonsrätin aus Sulgen.

Blendet man die BDP (2 Sitze) aus, weist die SVP den tiefsten Frauenanteil auf: Auf den 44 Sitzen der wählerstärksten Partei nehmen nur 4 Frauen Platz. «Ja, wir sind untervertreten», sagt Kantonsrätin Isabelle Altwegg aus Sulgen.

Als Problem erachtet sie das nicht. «Ich fühle mich ausserordentlich wohl in meiner Fraktion», sagt die 26-Jährige. Frauen würden nicht benachteiligt, hätten die gleichen Rechte wie Männer. Für künftige Wahlen hofft sie dennoch: «Die eine oder andere Frau mehr wäre wünschenswert.» Sie sieht es als ihre Aufgabe, junge Menschen für die Politik zu begeistern. «Aber nicht nur Frauen.»

Barbara Kern freut sich über ihre Nachfolgerin

Barbara Kern, SP-Kantonsrätin aus Kreuzlingen.

Barbara Kern, SP-Kantonsrätin aus Kreuzlingen.

Für Barbara Kern ist es ein schönes Abschiedsgeschenk. Wenn die SP-Kantonsrätin am 3. Juli nach über 15 Jahren im Rat ihren Stuhl räumt, rückt eine Frau nach. Elina Müller, Jahrgang 1983. Das freut Kern doppelt:

«Im Parlament fehlt die Generation im Alter zwischen 30 und 50, vor allem Frauen.»

Doch gerade in dieser Zeitspanne kümmern sich die Frauen um die Kinder. «Doch Kinder sollten nie ein Hindernis sein, dass eine Frau Karriere machen kann – weder beruflich noch politisch.»

Aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Hilfreich wäre aus Kerns Sicht beispielsweise eine parlamentarische Kinderkrippe. Die Kreuzlingerin gibt zu bedenken:

«Der heutige Frauenanteil von 26 Prozent bildet die Bevölkerung nicht ab.»

Die letzte Statistik zeigt: 49,7 Prozent der Einwohner im Thurgau sind Frauen. Dass die SP die einzige Fraktion ist, die im aktuellen Parlament über eine Frauenmehrheit verfügt, begründet die langjährige SP-Politikerin mit der Tradition der Partei. «Frauenförderung ist bei uns schon lange ein Thema.» Ein Beispiel: Frauen hätten schon früh vordere Listenplätze gefordert und erhalten. Einen weiteren Grund sieht Kern darin, dass sich die SP seit langem für die Gleichstellung einsetzt, die Rechte der Frauen einfordert. «Deshalb sind viele Frauen in der SP aktiv.»

FDP setzt im Herbst auch auf eine reine Frauenlist

Cornelia Zecchinel, FDP-Kantonsrätin aus Kreuzlingen.

Cornelia Zecchinel, FDP-Kantonsrätin aus Kreuzlingen.

Cornelia Zecchinel schwärmt: «Politik ist etwas Spannendes.» Seit 2016 politisiert die Kreuzlingerin für die FDP im Grossen Rat. Der Frauenanteil ihrer Partei beläuft sich auf 30 Prozent. 6 Frauen und 14 Männer. «In unserer Fraktion erlebe ich Gleichberechtigung», sagt Zecchinel. Dennoch würde sie sich mehr Frauen in der Politik wünschen. Auch in ihrer eigenen Partei. Diese arbeitet daran: Im Herbst tritt die FDP Thurgau erstmals auch mit einer reinen Frauenliste zu den Nationalratswahlen an.

«Das bietet den Frauen die Möglichkeit, sich zu zeigen.»

Aus ihrer Sicht ein wichtiges Signal. Denn: Frauen würden teilweise händeringend gesucht – für Verwaltungsratsmandate, aber auch für Podien. Durch ihr politisches Engagement will Zecchinel anderen Frauen Mut machen. «Gerade auch für liberal denkende Frauen hat es noch Platz in der Politik», ist die Kantonsrätin überzeugt.

Die Frauenfront spielt nicht immer

Würde ein Parlament mit einer Frauenmehrheit anders politisieren? Cornelia Zecchinel sagt:

«Frauen nehmen Anliegen anders auf.»

Als Beispiel nennt die FDP-Kantonsrätin einen politischen Vorstoss, den sie mit eingereicht hat. Dabei geht es um die Unterstützung für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Männer im Thurgau. Stichwort: Istanbul-Konvention. «Dieses Thema haben eher Frauen auf dem Radar.» Auch Barbara Kern war am Vorstoss beteiligt. Sie sagt:

In diesem Fall spielte die Frauenfront.»

Doch im politischen Alltag seien Parteifarben wichtiger als das Geschlecht. Im Alltag, wenn sich die Männer von der Grippe erholt haben.

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