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Thurgauerin überweist 380'000 Franken an ihren Traummann aus dem Internet: Grosse Lüge statt Liebe

Die Polizei warnt vor digitalen Heiratsschwindlern: Mehr als ein Dutzend Anzeigen gab es im Thurgau in den vergangenen beiden Jahren. Die tatsächliche Zahl der Geschädigten dürfte um einiges höher sein.
Ida Sandl
Marie und ihr virtueller Traummann: Szene aus dem Video der Schweizer Polizei zu Romance Scam. (Bild: zvg)

Marie und ihr virtueller Traummann: Szene aus dem Video der Schweizer Polizei zu Romance Scam. (Bild: zvg)

Er ist Major der US-Army. Im Irak stationiert. Sie lebt im Thurgau. Beide suchen die grosse Liebe und finden einander in der virtuellen Welt. Es ist schwierig, aber auch wunderschön. Er ist aufmerksam, wie sie es noch nie erlebt hat. Wenn es ihr schlecht geht, spürt er das und ist für sie da. Zwei verwandte Seelen. Die Distanz spielt keine Rolle mehr, die Lebensumstände sind nicht mehr wichtig. Nur die Liebe zählt. Sieben Jahre chatten sie hin und her, schreiben einander romantische Botschaften, beteuern sich gegenseitig, wie sehr sie sich lieben. Und sie zahlt, immer und immer wieder. Insgesamt rund 380'000 Franken überweist sie auf sein Konto.

Es gibt keinen Grund, sich zu schämen

Es ist der extremste Fall von Romance Scam, der in letzter Zeit der Kantonspolizei Thurgau gemeldet wurde. Romance Scam, frei übersetzt, romantischer Betrug, ist so etwas wie eine moderne Art des Heiratsschwindels. Die Täter nehmen über ein gefälschtes Internetprofil Kontakt mit ihrem Opfer auf und gaukeln ihm die grosse Liebe vor. Irgendwann kommen Bitten um Geld für eine Operation oder wegen einer kurzfristigen Notlage. Klar werde alles bis auf den letzten Rappen zurückgezahlt.

Mehr als ein Dutzend Anzeigen gingen in diesem und letztem Jahr im Thurgau ein. Polizei-Sprecher Daniel Meili schätzt, dass es weitaus mehr Geschädigte gibt.

«Viele schweigen aus Scham darüber, dass sie auf einen Betrüger hereingefallen sind.»

Schämen muss sich allerdings niemand. Selbst Profi Meili staunt, wie raffiniert die Täter vorgehen. Zuerst werde eine Atmosphäre des Vertrauens geschaffen. Der oder die Betrüger nehmen Anteil am Leben ihrer angeblichen Liebe. Vor dem Arztbesuch ein «Ich denke an Dich», danach die besorgte Frage: «Was hat er gesagt?»

Bis die Bitte um Geld auftaucht, dauert es nicht selten ein Jahr oder noch länger, erklärt Meili. Die Täter schlagen erst zu, wenn sie sicher sind, dass ihr Opfer seine Skepsis abgelegt hat. Die Kontakte werden nicht nur über Partnerbörsen oder Facebook geknüpft, sondern sogar über Berufsprofile wie Linkedin. Das verstärkt den Eindruck der Seriosität.

Wer hat nicht schon von der grossen Liebe geträumt?

Bisher haben im Thurgau mehr Frauen als Männer Anzeige erstattet. Abgesehen von den ganz Jungen kämen die Opfer aus allen Altersschichten. Wer hat schliesslich nicht schon von der grossen Liebe geträumt?

Die Chance, dass die Betrogenen ihr Geld jemals wieder sehen, ist sehr klein. Meili ist kein Thurgauer Fall bekannt, bei dem ein Liebesschwindler aus dem Internet überführt worden ist. «Die Betrüger können irgendwo auf der Welt sitzen.» Sie seien geschickt genug, um ihre Spuren gut zu verwischen. Trotzdem rät Meili zur Anzeige, auch wenn es für die Betroffenen selbst zu spät ist, nütze es künftigen Opfern. Die Polizei lerne so die Strategien der Täter kennen. Meili sagt:

«Ausserdem sammeln wir Hinweise, die irgendwann vielleicht doch zu einer Verhaftung führen.»

Auch Angehörige oder Freunde, die skeptisch sind ob des virtuellen Traummannes oder der Traumfrau, sollten die Polizei einschalten. Dadurch seien schon Geldüberweisungen verhindert worden, sagt Meili. Er erinnert sich an einen Fall, bei dem die Schwester sich meldete. Die Polizisten hätten einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, bis die Frau ihnen geglaubt hat, dass der Märchenprinz ein Verbrecher ist.

Hinweis:
www.skppsc.ch/online-betrug

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