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Grob, aber nicht schockierend:
Experten kommentieren Video des Herrenhofer Schafhalters

Der Schafhalter, der wegen Tierquälerei angezeigt worden ist, pflege einen groben Umgang mit seinen Tieren, findet ein Experte für Schafhaltung. Ein anderer spricht von Szenen, die bei widerspenstigen Herden üblich seien.
Thomas Wunderlin
Die Tierhaltung im Herrenhofer Schafstall wird vom Veterinäramt untersucht. (Bild: Andrea Stalder)

Die Tierhaltung im Herrenhofer Schafstall wird vom Veterinäramt untersucht. (Bild: Andrea Stalder)

Man erahnt mehr, als dass man sieht. Das Video, das ein Tierschützer und Boulevardzeitungen diese Woche online gestellt haben, ist aus grosser Distanz durch die Fensterscheiben eines Stalls aufgenommen worden. Zu erkennen sein sollen ein tierquälerischer Schafhalter aus Herrenhof. Man sieht in den 13 Minuten und 51 Sekunden vor allem, dass der Halter weisse und schwarze Wollschafe herumstösst und -schiebt, auch mit Hilfe eines Gatters. Immer wieder hebt er ein Lamm oder ein Schaf über eine Abschrankung.

Gelegentlich packt er energisch zu und lässt ein Tier fallen. Auch scheint er die Schafe zu schlagen. Zweimal reisst er ein Tier an einem Bein. Die Szene, in der er vielleicht am meisten Gewalt anwendet, kommt nach 12 Minuten und 30 Sekunden; da zieht er ein Schaf an einem Bein über ein Gatter hinweg. Nirgends ist zu sehen, dass die Tiere «von einer Ecke in die andere, in hohem Bogen durch die Luft» geschleudert werden, wie der Tierschützer auf seiner Website schreibt. Der Schafhalter und seine Frau erklärten den Medien, er habe die Tiere abgewogen und für den Schlachttransport aussortiert.

Schafe in Wolle spüren keine Schläge

Alwin Meichtry. (Bild: PD)

Alwin Meichtry. (Bild: PD)

Alwin Meichtry, Präsident des Schweizer Schafzuchtverbands, kommentiert: «Als passionierter Schafzüchter macht mich der teilweise sichtbar grobe Umgang mit den Tieren im Video persönlich sehr betroffen. Der Umgang mit Tieren sollte sanfter sein.» Er sei kein professioneller Schäfer, schränkt Meichtry ein. Er halte Schafe, um das Grasland auf seinem Hof im Wallis auf 950 Meter über Meer zu nutzen. Die Schäferschaft in der Schweiz sei sehr unterschiedlich und jeder Schäfer habe vielleicht einen eigenen Stil im Umgang mit den Tieren. Wenn er seine Schwarznasenschafe separiere, lege er einen Treibgang an und sortiere die Schafe mit Hilfe von Gatter und Schwenktor.

Am Ende des Treibgangs ist ein Kraftfuttertrog, welcher die Schafe anlockt. Beim Aussortieren arbeite er immer zu zweit. «Wenn man allein ist, wird man nervös, besonders wenn man in Zeitdruck ist. Es ist menschlich, dass man sich mal aufregt, aber dies ist bestimmt kein Grund, ein Schaf gröber anzupacken», sagt Meichtry. «Aber es ist normal, dass man die Schafe von Hand oder mit einem Haken an den Hinterbeinen packt.» Nur zum Fangen. Nachher halte man sie am Kopf. «Dass man Schafe mit einem Strick in die Wolle schlägt, kann ich mir nicht vorstellen. Im vollen dichten Wollkleid würden sie es kaum spüren und könnte ihnen somit keine Schmerzen zufügen. Anders wäre dies bei einem geschorenen Schaf.»

Mit Lärm und Leckereien antreiben

Christian Strub. (Bild: PD)

Christian Strub. (Bild: PD)

Was er auf dem Video gesehen habe, sei «nicht der übliche Umgang mit Schafen», sagt Christian Strub, Betriebsberater im Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Er fügt aber an: «Das Video hat mich nicht überrascht. So etwas kann man fast überall filmen, wo eine widerspenstige Herde verladen wird.» Strub hält privat Milchschafe. Auch er sagt, Schafe reagierten auf Schläge nicht, jedoch auf Lärm. Um sie anzutreiben, schlage man deshalb beispielsweise auf die Abschrankung.

Schafe sind nicht lammfromm

Er gehe jeweils mit einem blauen Kübel voran; darin sei «Brot oder Mais, irgendetwas, das sie gern haben». Gehe das frechste Schaf voran, folgten die andern. «Nur die Lämmer sind manchmal widerspenstig», sagt Strub. Hinten solle eine zweite Person die Tiere schieben. Ein Schaf könne man am besten am Bein halten. Wenn man es an einen Ort treiben will, an den es nicht hinwolle, werde ein Ringkampf daraus. Es sei möglich, dass man dann rabiater werde, das sei menschlich. «Schafe sind nicht lammfromm.»

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