Grippewelle im Thurgau – Oberärztin warnt: «Höhepunkt steht noch bevor»

Die Grippeimpfung ist ein wirksamer Schutz. Aber in diesem Winter sind vor allem auch Kinder stark betroffen.

Janine Bollhalder
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Die Grippe zeigt sich mit hohem Fieber. Besonders betroffen: Kinder.

Die Grippe zeigt sich mit hohem Fieber. Besonders betroffen: Kinder.

Bild: Getty Images

Auch in der vierten Jahreswoche hat die Grippe die Schweizer im Visier. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) publiziert, dass 120 Grippefälle pro 100'000 Einwohner gemeldet worden sind. Damit ist der epidemische Schwellenwert um fast das Doppelte überschritten worden.

In der Ostschweiz hat die Verbreitung der grippeähnlichen Erkrankungen innert einer Woche um drei Prozent zugenommen. Rosamaria Fulchini, Oberärztin für Infektiologie und Spitalhygiene des Spitals Thurgau in Münsterlingen, sagt aber: «Der Höhepunkt steht noch bevor.»

Die Grippe kommt plötzlich

Grippeähnliche Erkrankungen treten saisonal auf. Sie unterscheiden sich aber in der Intensität, der Länge, der Art der Virenstämme sowie der Auswirkung auf die Bevölkerung. Fulchini sagt: 

«Die Grippe zeigt sich mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, starkem Krankheitsgefühl und Husten.»

Was die Grippe aber von einer Erkältung unterscheidet, ist, dass die Symptome plötzlich auftreten. Bei Kindern kann zusätzlich noch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Die Jüngsten sind es aber auch, die gemäss der Publikation des BAG am stärksten von der aktuellen Grippewelle betroffen sind. Im Vergleich zur zweiten Jahreswoche ist der Anteil an erkrankten Jugendlichen bis 14 Jahren stark gestiegen.

«Die Grippe kann bis zu zwei Wochen dauern», sagt Fulchini. Betroffene können sich mit körperlicher Schonung und viel Trinken helfen. Auch die Einnahme von Fieber-, Schmerz- und Grippemitteln ist nützlich. Bei einem schweren Krankheitsverlauf empfiehlt die Oberärztin einen Arztbesuch.

«Gemäss dem BAG-Lagebericht scheint die Grippewelle dieses Jahr vom Westen her anzurollen.» 

Wie im letzten Jahr habe die Grippewelle die Schweiz eher spät eingeholt. Der Bericht des BAG zeigt, dass sowohl das Mittelland als auch die Kantone Tessin und Graubünden in der dritten Jahreswoche stärker von der Grippe getroffen sind als die restlichen Kantone.

«Gesamtschweizerisch entspricht die bisherige Anzahl gemeldeter Fälle etwa den letztjährigen Angaben, wobei in der Ostschweiz im letztjährigen Vergleich etwas weniger Fälle registriert wurden», sagt Fulchini. Es liegen allerdings keine Informationen darüber vor, wo im Thurgau die Grippe am stärksten grassiert.

Hohe Dunkelziffer an Grippe-Erkrankten

«Die Sentinel-Überwachung der Grippe in der Schweiz basiert auf wöchentlich anonymisiert gemeldeten Grippeverdachtsfällen aus teilnehmenden Arztpraxen und Laborbestätigungen, die ans BAG obligatorisch gemeldet werden», sagt Fulchini. Allerdings müsse man von einer grossen Dunkelziffer ausgehen, da viele Patienten keinen Arzt aufsuchen.

«Im Thurgau, wie auch in der übrigen Schweiz, dominiert der Influenzatyp A», sagt Rosamaria Fulchini. Der Impfstoff wird jährlich auf die Virenstämme angepasst. Fulchini rät zur Impfung:

«Die Impfung steht grundsätzlich allen zur Verfügung und wird Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko besonders empfohlen.»

Es sei die billigste und wirksamste Schutzmethode, sagt die Ärztin.

Wer sich aber nicht impfen will, sollte folgende Tipps befolgen: «Man sollte sich an die Hustenetikette halten. Also in die Ellenbeuge oder in ein Papiertaschentuch husten und niesen. Danach sollte man sich die Hände gründlich mit Seife waschen», sagt Fulchini. Generell empfehle sich, die Hände öfters zu waschen.

Wer bereits Grippesymptome verspüre, solle zu Hause bleiben, um andere vor einer Ansteckung zu schützen, sagt Fulchini. «Hat man sich angesteckt, kann es bis zu drei Tage dauern, bis die Grippe ausbricht.» Das Übertragungsrisiko sinke im Verlauf der Erkrankung. 24 Stunden nach Abklingen des Fiebers ist man nicht mehr ansteckend.