Grenzüberschreitend: Die Museumsbahn-Initianten träumen von einer S-Bahn zwischen Etzwilen und dem deutschen Singen

Die Strecke mit einer Länge von 14 Kilometern im thurgauisch-schaffhausisch-deutschen Grenzgebiet würde sich hervorragend als Versuchsstrecke für alternative Antriebssysteme, etwa Brennstoffzellen, eignen, sagen die Initianten und Träger der Museumsbahn.

Merken
Drucken
Teilen
Die mit Dampf betriebene Museumsbahn.

Die mit Dampf betriebene Museumsbahn.

Bild: PD

(red) Heute ist das noch eine Vision: eine S-Bahn auf der Museumsbahnlinie zwischen dem deutschen Singen über Rielasingen, Ramsen und Hemishofen ins thurgauische Etzwilen. Aber es geht etwas in diese Richtung. Das entnimmt man einer Medienmitteilung. «Die Nutzung der von der gemeinnützigen Stiftung SEHR & RS wieder instand gestellten und betriebenen, nie elektrifizierten Bahnlinie für den Schienennahverkehr im Hegau scheint nun auch politisch unterstützt zu werden.» So heisst es da.

Giorgio Behr, Präsident Stiftung Museumsbahn SEHR & RS.


Giorgio Behr, Präsident Stiftung Museumsbahn SEHR & RS.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Initianten der Museumsbahnlinie hätten dafür wiederholt den Einsatz von Triebwagen mit Brennstoffzellen angeregt. In der angelaufenen Diskussion würden aber leider die langjährige ehrenamtliche Arbeit der Initianten und Stiftungsräte sowie die eigentumsrechtlichen Verhältnisse an der Bahnlinie und der Rheinbrücke ausgeblendet oder ignoriert. Die Stiftung SEHR & RS als Inhaberin der Infrastrukturkonzessionen und alleinige Betreiberin der Linie Etzwilen – Singen/D sowie Stiftung Historische Rheinbrücke Hemishofen würden dem S-Bahn-Projekt sehr positiv gegenüberstehen.

Zwei Stiftungen und ein Verein wirken mit

Die gemeinnützige Stiftung Historische Rheinbrücke Hemis­hofen ist für die laufende Kontrolle sowie den Unterhalt der nach dem System Eiffel erstellten Brücke aus dem Jahr 1874 über den Rhein zuständig. Die gemeinnützige Stiftung Museumsbahn SEHR & RS ihrerseits hat 2007 die Bahnlinie von Etzwilen bis zur Stadtgrenze Singen/D von den SBB erworben. Dank erheblicher Spenden ihres Präsidenten, des Unternehmers Giorgio Behr, hat die Stiftung die Bahnlinie wieder instand gestellt und in Etzwilen zudem für das Abstellen von Wagen und Lokomotiven weitere Geleise erworben. Mit der Stadt Singen hat die Stiftung einen Nutzungsvertrag für die Strecke auf deren Gebiet abgeschlossen. Nach jahrelangen Verhandlungen der Exponenten der Stiftung konnte im August dieses Jahres der durchgehende Museumsbahnbetrieb von Stein am Rhein über Etzwilen bis nach Singen endlich aufgenommen werden. Und der VES ist für die Durchführung der öffentlichen Fahrtage verantwortlich. Er bietet auch die beliebten Fahrten mit den Velodraisinen von Ramsen zur Rheinbrücke an. (red)

Museumsbahn muss aber weiterhin möglich sein

Die Museumsbahn.

Die Museumsbahn.

Bild: Andreas Taverner

Der Verein zur Erhaltung der Bahnlinie Etzwilen Singen (VES) hat in seinen Statuten gar das Ziel, auf die Wiedereinführung des Personenverkehrs hinzuwirken. Die dafür erforderlichen Investitionen wie Sanierung der Bahnübergänge und immer wieder auftauchende ausserordentliche Unterhaltsaufgaben würden aber nicht zu vernachlässigende Summen verschlingen, die längerfristig nicht privat getragen werden könnten. «Hier ist die öffentliche Hand gefordert!» Anpassungen entlang der Strecke, insbesondere in den Bahnhöfen, dürften aber den jahrelang gepflegten Museumsbahncharakter nicht beeinträchtigen. Zudem müssten der öffentliche Museumsbahnbetrieb an den Fahrtagen sowie Sonderfahrten mit Extrazügen weiterhin möglich sein. Zahlreiche Beispiele im Ausland zeigten, dass dies möglich sei.

Der Bahnhof Hemishofen an der Strecke.

Der Bahnhof Hemishofen an der Strecke.

Bild: Andreas Taverner

«Die Strecke eignet sich wegen ihrer Länge von rund 14 Kilometern und der einfachen Topografie als Pilotversuchsstrecke für Fahrzeuge mit alternativem Antrieb», heisst es in der Mitteilung. Prädestiniert seien Fahrzeuge mit einer Energieversorgung mit Brennstoffzellen. Diese Art von Energieversorgung habe grosses Zukunftspotenzial. Es sei beispielsweise vorstellbar, dafür in Ramsen oder Rielasingen auf den dortigen grossen Parkflächen eine Wasserstoff-Tankstelle für Schienen- und Strassenfahrzeuge zu errichten. In der Schweiz gebe es auch Container­lösungen, mit denen ein grosser Teil des Wasserstoffs dank Fotovoltaik klimaneutral abgetrennt werden kann. «Wir werden dazu Hand bieten», schreiben die beiden Stiftungen.

Die Museumsbahn.

Die Museumsbahn.

Bild: Andreas Taverner