Grenzbereinigung im Thurgauer Weinbau

Thurgauer Winzer müssen leer schlucken: Ortsbezeichnungen wie Iselisberg sind für die Weine nicht mehr möglich.

Roland Müller
Drucken
Teilen
Trauben aus Iselisberg.

Trauben aus Iselisberg.

Bild: Andrea Stalder

Plötzlich herrscht Ungewissheit. «Bei der letzten Kellerbuchkontrolle wurde ich darauf hingewiesen, dass die Ortsbezeichnung Iselisberg nicht korrekt ist, weil es diese Rebgemeinde auf dem Papier nicht gibt», führte ein Winzer aus Uesslingen an der diesjährigen Herbstversammlung des Branchenverbandes Thurgau in Weinfelden aus. Dies hat nun auch die Verwaltung auf den Plan gerufen.

Das Problem gründe auf Gemeindefusionen. Grundsätzlich werden entsprechend der nationalen Gesetzgebung die sogenannten Traubenpässe auf politische Gemeinden ausgestellt. Darin enthalten sind Daten zu Flächen und Sorten aus einem digitalen Geo-Informationssystem. Zusätzlich sind darin Lagenbezeichnungen aber nicht ehemalige Ortsbezeichnungen möglich, wie Rebbaukommissär Markus Leumann ausführte.

Spezielle Situation in Götighofen

Dieses neue Problem beschäftigt in fast allen Thurgauer Weinbaugebieten. So ist beispielsweise Nussbaumen als Ortsbezeichnung aufgrund der Fusion mit Hüttwilen ebenso wie Iselisberg und Dietingen nach dem Zusammenschluss zu Uesslingen-Buch verschwunden. Dasselbe gilt auch den Ottenberg bei Weinfelden oder Triboltingen bei Ermatingen.

Etwas speziell ist auch die Ausgangslage von Götighofen. Nach dem Anschluss an die Politische Gemeinde Sulgen kamen deren Reblagen neu nebst Sulgen auch zu einem kleinen auf Gemeindegebiet von Erlen zu liegen. «Grundsätzlich dürfen entsprechend der kantonalen Verordnung im Thurgau ehemalige Gemeinden oder Ortsteile als Zusatzbezeichnungen verwendet werden, wobei auch das Mischverhältnis für Thurgauer AOC-Weine in dieser Verordnung geregelt ist», führte Leumann aus.

Bei der Grenzsetzung wird über die Bücher gegangen

Doch damit können sich verschiedene Winzer nicht abfinden und haben entsprechend interveniert, um wieder auch alleinige Dorfbezeichnungen wie Nussbaumen, Iselisberg, Triboltingen oder Oberneunforn zuzulassen. «Vor diesem Hintergrund gilt es abschliessend zu klären, welche Parzellen zu ehemaligen Gemeinden oder Ortsteilen zu zählen sind», führte Leumann aus. Für 2021 soll eine Verordnungsanpassung der Grenzfestsetzung ehemaliger Gemeinden und Ortsteilen in den betroffenen Gemeinden angestossen werden.

Mit dieser Problematik sind nach Gemeindefusionen auch andere Regionen in der Ostschweiz konfrontiert. So gibt es nach der Fusion aus den Rebgemeinden Waltalingen-Guntalingen, Unter- und Oberstammheim nur noch politisch die Gemeinde Stammheim und entsprechend sind die Ortsbezeichnungen Waltalingen oder Guntalingen auf dem Traubenpass verschwunden.

Laufend mehr definierte Reblagen

Grundsätzlich haben Rebbauern die Möglichkeit, mit einem Gesuch an die Fachstelle bestimmte Reblagen parzellenscharf definiert in das Verzeichnis der Reblagen innerhalb von Ortsbezeichnungen zur Aufnahme zu beantragen. Diese sind entsprechend auch auf dem Traubenpass als solche aufgeführt und dürfen als AOC-Weine mit dieser Zusatzlage, welche auch im Rebflächenverzeichnis und Traubenpass entsprechend aufgeführt ist, bezeichnet werden.

«Wir haben aktuell bereits über 100 definierte Reblagen und es werden laufend mehr», führte Leumann aus. Über die Aufnahme hat entsprechend der kantonalen Verordnung der Branchenverband auch ein Wort mitzureden.

Konkret sind aus den Gemeinden Neunforn, Weinfelden und Märstetten fünf Gesuche eingegangen. Dabei handelt es sich um die einst bereits einmal vorhandenen Lagen «Trottenhalde» in Neunforn und «Bachtobel» in Weinfelden, welche heute als Lage Thurberg bezeichnet wird. In Märstetten soll zudem neu auch die Lage «Schnellberg» aufgenommen werden. Allen Begehren wurde zugestimmt, dass neu diese Lagen als entsprechende Zusatzbezeichnung auf der Etikette aufgeführt werden dürfen.

Mehr zum Thema