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Das Weininger Gotteshaus könnte die erste Passiv-Kirche der Schweiz werden

Die Elektroheizung in der reformierten Kirche Weiningen ist alt und braucht viel Strom. Eine Studie soll nun klären, wie die Gemeinde Heizenergie sparen kann.
Evi Biedermann
«St. Niklaus» in Weiningen ist mehr Kapelle als Kirche. (Bild: Evi Biedermann)

«St. Niklaus» in Weiningen ist mehr Kapelle als Kirche. (Bild: Evi Biedermann)

Mal ist es zu warm, dann wieder zu kalt: Kirchen so zu beheizen, dass der Aufenthalt darin von allen Gottesdienstbesuchern als angenehm empfunden wird, ist teuer und aufwendig. Teuer, weil Kirchen aus alten Gemäuern bestehen, durch die viel Wärme entweicht. Aufwendig, weil Kirchen hauptsächlich an Wochenenden genutzt und daher vor jedem Gottesdienst aufgeheizt werden müssen. Bei neueren Heizungen lässt sich dies elektronisch regeln. Nicht aber in der reformierten St. Niklaus-Kapelle in Weinigen, die elektrisch beheizt wird.

Die Heizung wurde 1970 installiert und muss von Hand bedient werden. Auch das angrenzende Kirchgemeindehaus wird nicht täglich frequentiert. Beheizt wird es jedoch mit Erdwärme. Leider habe man es damals verpasst, die Heizung im 2003 gebauten Kirchgemeindehaus mit einem eigenen Stromzähler auszustatten, sagt Anna Nobs, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Weiningen. «Wir kennen nur die Zahl des gesamten Stromverbrauchs beider Gebäude, und die ist sehr hoch.» Eine Studie soll nun aufzeigen, wie der Energieverbrauch der Gebäude optimiert werden kann.

Kanton beteiligt sich an den Kosten

Erstellen werden die Studie die Energiefachleute Stefan Mischler aus Hüttwilen und Peter Büchel aus Weinfelden. Vorausgesetzt, die Kirchbürger bewilligen an der morgigen Kirchgemeindeversammlung den Kreditantrag der Kirchenbehörde von 30000 Franken. An diesen Kosten beteiligt sich der Kanton Thurgau mit 60 Prozent. «Unsere Rechnung wird also mit maximal 12000 Franken belastet», erklärt Kirchepflegerin Heidi Sauder. Die Machbarkeitsstudie geht von drei möglichen Szenarien aus:

– Variante A: Ersatz der elektrischen Heizung und Einbau einer automatischen Regulierung.

– Variante B: Ein Heizungssystem mit Bodenheizung als Grundlast und einer Luftheizung als Spitzenlast. Dazu werden auch Schwachstellen an der Gebäudehülle untersucht und wo nötig dokumentiert.

– Variante C hat als Zusatz zur Variante B das Ziel, das Label «EnerPHit» für Modernisierungen im Passivhaussegment zu erreichen (siehe Kasten). Etwa mit einer Fotovoltaikanlage.

Die drei Varianten beziehen sich auf die Kirche, für das Kirchgemeindehaus ist eine Bewertung der Liegenschaft mittels Gebäudeenergieausweis der Kantone (Geak) vorgesehen.

Stefan Mischler, Energieexperte aus Hüttwilen. (Bild: PD)

Stefan Mischler, Energieexperte aus Hüttwilen. (Bild: PD)

Stefan Mischler ist Präsident der IG Passivhaus Ostschweiz und im Vorstand der Energiefachleute Thurgau. Peter Büchel ist Architekt und hat etwa die Grundsanierung der katholischen Stadtkirche in Frauenfeld geleitet. Die beiden Experten werden die Varianten an der Versammlung vorstellen. Ziel sei es, den Energieverbrauch ohne Komforteinbusse zu reduzieren und das Klima in den Gebäuden zu optimieren.

Ein Schweizer Pionierprojekt

«EnerPHit» ist ein international etablierte Standard für die Altbaumodernisierung mit Passivhaus-Komponenten. Trotz etwas höherem Energiebedarf ergeben sich nahezu alle Vorteile des Passivhaus-Standards. Da es in diesem Segment in der Schweiz noch kein Energielabel für Kirchen gibt, müsse auf internationale Zertifizierungen ausgewichen werden, sagt der Experte Stefan Mischler. Sollte die Sanierung so durchgeführt werden, hätte die Weininger Kirche in der Schweiz eine Pionierrolle. (bie)

Ob die Varianten B und C überhaupt machbar sind, wird sich erst nach Gesprächen mit der Denkmalpflege und kantonalen Ämtern herausstellen. Messungen in der Kirche werden zudem weitere Aspekte aufzeigen, die in diese Varianten einfliessen müssen.

Es geht nicht nur um Wirtschaftlichkeit

Wie Mischler betont, geht es beim Vergleich der drei Möglichkeiten nicht nur um die Wirtschaftlichkeit. «Auch Mehrwert und Mehrnutzung, Unabhängigkeit und Langzeit-Sorglosigkeit sowie Fragen von Ausbeutung von Mensch und Erde spielen auch eine Rolle», sagt er.

Hinweis:
Versammlung: Donnerstag, 14. März, 20.15 Uhr im Kirchgemeindehaus Weiningen

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